Pilgerreise nach Königsberg
Freitag, 06. April 2012, 19:39 Uhr
361 Mitglieder und Freunde der Thüringer Union, darunter 30 aus dem Landkreis Nordhausen, hielten sich Anfang der Woche zu einer mehrtätigen Pilger- und Informationsreise in Kaliningrad, dem früheren Königsberg, auf. Ein Reisebericht in Ihrer nnz...
Zu ihnen gehörten auch die Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, der CDU-Fraktionsvorsitzende Mike Mohring, der Landratskandidat Egon Primas und der Oberbürgermeisterkandidat Klaus Zeh. Weitere Ziele der Reise waren Gwardejskoje/Mühlhausen bei Kaliningrad und auf dem Rückweg die polnische Hafenstadt Gdansk/Danzig.
Während Ihrer 4. Pilgerreise hat sich die CDU in das durch die Exklave Kaliningrad repräsentierte Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Ost und West hineinbegeben. "Die Region Königsberg ist Symbol unserer großen geistigen und kulturellen Geschichte, aber auch der von Deutschland ausgegangenen Barbarei durch den 2.Weltkrieg, sagte Klaus Zeh der nnz. Kaliningrad, das ähnlich wie Nordhausen und Danzig fast vollständig zerstört wurde, sei mahnendes Beispiel für das viele Leid, das durch den von Deutschland entfesselten 2.Weltkrieges über ganz Europa gekommen ist. Daher legte Egon Primas als Vorsitzender des Bundes der Vertriebenen und der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag Mike Mohring stellvertretend für die Pilgergruppe am Anfang der Reise auf dem Internationalen Friedhof für alle Gefallenen und Bombenopfer des 2.Weltkrieges einen Kranz nieder. Anschließend nahm die Reisegruppe an einem deutschsprachigen Palmsonntagsgottesdienst teil und spendete der Kirchgemeinde mehr als 1.300 Euro.
Höhepunkt der Reise war ein Gesprächsforum mit Christine Lieberknecht, Mike Mohring, dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Wladimir Gilmanov von der Immanuel-Kant-Universität und dem deutschen Generalkonsul in Kaliningrad, Dr. Aristide Fenster unter dem Thema: Denken & Glauben – Wie vernünftig ist Politik?. Der Generalkonsul betonte, dass vor allem die jungen Menschen in Kaliningrad viel unbefangener mit den deutschen Wurzeln ihrer Heimat umgehen. ‚Re-Germanisierungsängste‘ bestünden in der Bevölkerung nicht. Im Gegenteil! Eine ausgeprägte Westorientierung der Menschen setzt große Hoffnungen auf die Bunderepublik Deutschland, die schon jetzt größter Handelspartner des ‚Oblast‘ Kaliningrads ist. Neue wissenschaftliche und wirtschaftliche Kontakte wären hier von großem Interesse.
Prof. Gilmanow als profunder Kant-Experte, beschrieb Kaliningrad in Kant‘scher Terminologie so: Königsberg sei ein schicksalhafter Ort. Er verkörpere die Eschatologie in der Perspektive beider Szenarien: Die Apokalypse der Menschheit sei denkbar durch den Verrat am moralischen Gesetz! Die andere Perspektive sei das neue Lebensprinzip der Aufklärung. Es dürfe aber nicht durch die Hybris der Freiheit verkörpert werden. Die sittliche Autonomie des Menschen bedürfe eines Gewissens, das im moralischen Gesetz geformt werde! Nur wenn wir die Freiheit in der Verantwortung des moralischen Gesetzes begreifen, sei die Europäische Idee verwirklichbar.
Er betonte weiter, dass wir Russland nicht mit den Augen unserer Demokratieerfahrung betrachten dürften, sondern diesem wunderbaren Land auch die Zeit geben müssten, sich zu entwickeln.
Die Reiseteilnehmer spürten, dass die Kant‘schen Ideen hier in die neue Zeit übersetzt würden. Kant verbrachte nahezu sein ganzes Leben im damals weltoffenen Königsberg, wo er 1804 fast 80-jährig starb. Das Grabmal Immanuel Kants überstand den Bombenhagel neben dem Königsberger Dom, der zerstört wurde, unversehrt. Es wird heute in respektvoller Weise von Jungvermählten, Studenten und Schulklassen besucht.
Ein weiteres spannendes Detail der Reise erwartete die Teilnehmer in Gwardejskoje/Mühlhausen. Hier wurde 1555 die jüngste Tochter des Reformators Martin Luther, Margarete Luther, mit Georg von Kuhnheim d. J. verheiratet. Der Vater Kuhnheims hatte großen Anteil daran, dass die Reformation in ganz Preußen eingeführt wurde. 1948 wurde Mühlhausen in Gwardejskoje umbenannt und Standort einer Militär-Sowchose. Bis 1992 war die ev.-luth. Kirche Speicher und Maschinenraum. Die Innenausstattung wurde verheizt bzw. weggeschleppt.
1999 erfolgte hier wieder die Gründung der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Mühlhausen/Gwardejskoje. Die Kirche wird überwiegend mit Spenden aus Deutschland (u.a. auch Mühlhausen/Thür.) saniert. Die Einwohner von Gwardejskoje empfingen die Gäste mit selbstgebackenem Kuchen. In Anlehnung an Lutherzitate pflanzte die Reisegruppe im Pfarrgarten zwei Apfelbäume.
Eine Besichtigung des wiederaufgebauten Königsberger Doms und ein Orgelkonzert waren weitere Höhepunkte der Reise. Nahezu unbegreiflich für die Reiseteilnehmer war, dass sie vom Domorganisten mit der Deutschen Nationalhymne willkommen geheißen wurden. Ein deutlicheres Beispiel von Weltoffenheit und Toleranz der Kaliningrader hätte man sich kaum vorstellen können! Städtepartnerschaften auch mit unserer Nordhäuser Region wären sicher ein Gewinn für alle. – sagte Primas abschließend.
Autor: nnzZu ihnen gehörten auch die Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, der CDU-Fraktionsvorsitzende Mike Mohring, der Landratskandidat Egon Primas und der Oberbürgermeisterkandidat Klaus Zeh. Weitere Ziele der Reise waren Gwardejskoje/Mühlhausen bei Kaliningrad und auf dem Rückweg die polnische Hafenstadt Gdansk/Danzig.
Während Ihrer 4. Pilgerreise hat sich die CDU in das durch die Exklave Kaliningrad repräsentierte Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Ost und West hineinbegeben. "Die Region Königsberg ist Symbol unserer großen geistigen und kulturellen Geschichte, aber auch der von Deutschland ausgegangenen Barbarei durch den 2.Weltkrieg, sagte Klaus Zeh der nnz. Kaliningrad, das ähnlich wie Nordhausen und Danzig fast vollständig zerstört wurde, sei mahnendes Beispiel für das viele Leid, das durch den von Deutschland entfesselten 2.Weltkrieges über ganz Europa gekommen ist. Daher legte Egon Primas als Vorsitzender des Bundes der Vertriebenen und der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag Mike Mohring stellvertretend für die Pilgergruppe am Anfang der Reise auf dem Internationalen Friedhof für alle Gefallenen und Bombenopfer des 2.Weltkrieges einen Kranz nieder. Anschließend nahm die Reisegruppe an einem deutschsprachigen Palmsonntagsgottesdienst teil und spendete der Kirchgemeinde mehr als 1.300 Euro.
Höhepunkt der Reise war ein Gesprächsforum mit Christine Lieberknecht, Mike Mohring, dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Wladimir Gilmanov von der Immanuel-Kant-Universität und dem deutschen Generalkonsul in Kaliningrad, Dr. Aristide Fenster unter dem Thema: Denken & Glauben – Wie vernünftig ist Politik?. Der Generalkonsul betonte, dass vor allem die jungen Menschen in Kaliningrad viel unbefangener mit den deutschen Wurzeln ihrer Heimat umgehen. ‚Re-Germanisierungsängste‘ bestünden in der Bevölkerung nicht. Im Gegenteil! Eine ausgeprägte Westorientierung der Menschen setzt große Hoffnungen auf die Bunderepublik Deutschland, die schon jetzt größter Handelspartner des ‚Oblast‘ Kaliningrads ist. Neue wissenschaftliche und wirtschaftliche Kontakte wären hier von großem Interesse.
Prof. Gilmanow als profunder Kant-Experte, beschrieb Kaliningrad in Kant‘scher Terminologie so: Königsberg sei ein schicksalhafter Ort. Er verkörpere die Eschatologie in der Perspektive beider Szenarien: Die Apokalypse der Menschheit sei denkbar durch den Verrat am moralischen Gesetz! Die andere Perspektive sei das neue Lebensprinzip der Aufklärung. Es dürfe aber nicht durch die Hybris der Freiheit verkörpert werden. Die sittliche Autonomie des Menschen bedürfe eines Gewissens, das im moralischen Gesetz geformt werde! Nur wenn wir die Freiheit in der Verantwortung des moralischen Gesetzes begreifen, sei die Europäische Idee verwirklichbar.
Er betonte weiter, dass wir Russland nicht mit den Augen unserer Demokratieerfahrung betrachten dürften, sondern diesem wunderbaren Land auch die Zeit geben müssten, sich zu entwickeln.
Die Reiseteilnehmer spürten, dass die Kant‘schen Ideen hier in die neue Zeit übersetzt würden. Kant verbrachte nahezu sein ganzes Leben im damals weltoffenen Königsberg, wo er 1804 fast 80-jährig starb. Das Grabmal Immanuel Kants überstand den Bombenhagel neben dem Königsberger Dom, der zerstört wurde, unversehrt. Es wird heute in respektvoller Weise von Jungvermählten, Studenten und Schulklassen besucht.
Ein weiteres spannendes Detail der Reise erwartete die Teilnehmer in Gwardejskoje/Mühlhausen. Hier wurde 1555 die jüngste Tochter des Reformators Martin Luther, Margarete Luther, mit Georg von Kuhnheim d. J. verheiratet. Der Vater Kuhnheims hatte großen Anteil daran, dass die Reformation in ganz Preußen eingeführt wurde. 1948 wurde Mühlhausen in Gwardejskoje umbenannt und Standort einer Militär-Sowchose. Bis 1992 war die ev.-luth. Kirche Speicher und Maschinenraum. Die Innenausstattung wurde verheizt bzw. weggeschleppt.
1999 erfolgte hier wieder die Gründung der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Mühlhausen/Gwardejskoje. Die Kirche wird überwiegend mit Spenden aus Deutschland (u.a. auch Mühlhausen/Thür.) saniert. Die Einwohner von Gwardejskoje empfingen die Gäste mit selbstgebackenem Kuchen. In Anlehnung an Lutherzitate pflanzte die Reisegruppe im Pfarrgarten zwei Apfelbäume.
Eine Besichtigung des wiederaufgebauten Königsberger Doms und ein Orgelkonzert waren weitere Höhepunkte der Reise. Nahezu unbegreiflich für die Reiseteilnehmer war, dass sie vom Domorganisten mit der Deutschen Nationalhymne willkommen geheißen wurden. Ein deutlicheres Beispiel von Weltoffenheit und Toleranz der Kaliningrader hätte man sich kaum vorstellen können! Städtepartnerschaften auch mit unserer Nordhäuser Region wären sicher ein Gewinn für alle. – sagte Primas abschließend.







