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Wandgemälde restauriert

Dienstag, 03. April 2012, 15:25 Uhr
Am heutigen Morgen wurde von der Interessengemeinschaft „Schloss Heringen“ zur Vorstellung eines weiteren Wandgemäldes eingeladen. Der Zuspruch war sehr rege, denn das Schloss hat sich zu einem Bauwerk „gemausert“, das innen und außen Anblicke bietet, die es als ein Kleinod in der Denkmallandschaft ausweisen. Die Neugier, auch das Innere durchschreiten zu können, wird immer größer...

Wandgemälde restauriert (Foto: H. Kneffel) Wandgemälde restauriert (Foto: H. Kneffel)
Wandgemälde im 2. Obergeschoss des S/O – Turmes im Heringer Schloss, v.l.n.r.: Klaus Moser, Vorsitzender Interessengemeinschaft „Schloss Heringen“, Wolfgang Asche,Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Nordhausen, Maik Schröter, Bürgermeister der Stadt Heringen/Helme

Wie schon früher in der nnz gemeldet, wurden bereits Wandmalereien im unteren Saal restauriert. Auch im Saal des 1. Obergeschosses gibt es mehrere Wandmalereien, darunter eine Darstellung im Turm, in fein abgestimmten Grautönen gehalten. Besonders anziehend darauf ist ein männlicher Kopf, mit einem Lorbeerkranz geschmückt. Es könnte sich um den Dichter Dante handeln. Das Gemälde ist als Fragment erhalten, besitzt aber durchaus eine intensive Aussagekraft.

Nun also wurde im 2. Obergeschoss, genauer im Süd/Ost – Turm, ein weiteres Gemälde restauriert. Man wusste von einem Gemälde an der Turmwand, es existiert auch ein vages Foto aus den 1950er Jahren. Jedoch, außer der Darstellung eines Mannes war Weiteres fast nicht zu entschlüsseln.

Im November 2010 wurden erste Notsicherungen an der arg in Mitleidenschaft gezogenen Wand vorgenommen, vom Sommer 2011 bis Oktober wurde mit der Restaurierung begonnen, die aus der Feinreinigung und gleichzeitigen Sicherung bestand. Für die Retusche fehlten die Geldmittel.

Da die Mitglieder der Kreissparkassen-Stiftung Nordhausen auf Antrag der Interessengemeinschaft „Schloss Heringen“ eine Summe von 4.000 Euro zur weiteren Restaurierung stifteten, war die Fortsetzung der Arbeiten am Gemälde möglich. Beauftragt wurde die Restauratorin Antje Pohl aus Neustadt, die vom 22. Februar bis zum 23. März tätig war und große Kenntnisse gepaart mit Spürsinn benötigte, um das einstmals Gemalte „zu entziffern“. Das Ergebnis ist überwältigend. Die bemalte Turmwand strahlt dem Eintretenden in einem nuancierten Goldton entgegen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt dem Bildthema das 4. Kapitel des Evangelium des Johannes, „Gespräch Jesu mit der Samariterin“, zugrunde. Jesus, der sich von Judäa wieder nach Galiläa aufgemacht hat, sitzt ermüdet an einem Brunnen, dem Brunnen Jakobs. „Da kommt ein Weib aus Samaria, Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! ... Spricht nun das samaritische Weib zu ihm: Wie bittest du von mir zu trinken, so du ein Jude bist, und ich ein samaritisch Weib? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt, gib mir zu trinken, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser. Spricht zu ihm das Weib: Herr, hast du doch nichts, womit du schöpfest, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn lebendiges Wasser? Bist du mehr denn unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? ... Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt …“

Diese Szene hat der Maler auf die Wand gemalt, wobei die Frauenfigur nicht eindeutig zu rekonstruieren war. Neben dem segnenden Jesus erkennt man den Brunnen, hinter ihm einen Torbogen, perspektivisch angedeutete Gebäude und Landschaftliches. Wann das Gemälde entstand, ist nicht mit letzter Sicherheit zu beantworten, höchstwahrscheinlich noch zu Lebzeiten der Gräfin Clara (1571-1658).

„Es handelt sich um eine sehr qualitätsvolle Kalkmalerei auf einem geglätteten weißen Gipsputz und einer Kalktünche“, so Frau Pohl. Die Pigmentpallette umfasst heller Ocker, Goldocker, Rotocker und gebrannte Terra die Siena, van Dyk Braun, Schwarz und Kalk. „Auf ockerfarbigen Fond war die Malerei sehr fließend in rotem Ocker angelegt, mit van Dyk Braun und Schwarz koturiert und weiß gehöht.“ Den oberen Abschluss zur Decke bildet ein roter Zahnschnittfries, darunter befindet sich ein weiterer als Akanthusranke, bei ihm fehlen einige Partien.

Am Tag des offenen Denkmals 2012, dem 9. September, können Interessierte in das Schloss mit seinen abwechslungsreichen Räumen und bemerkenswerten Wandgemälden strömen. Bis dahin wird noch weiter an der Vervollkommnung des Denkmals gearbeitet.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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