Testen Sie Okinawa
Donnerstag, 23. Oktober 2003, 10:04 Uhr
Nordhausen(nnz). Die Japan vorgelagerte Insel ist weniger für ihr gutes Sushi bekannt, als für ihre großartigen Kampfkünste. Um diese zu erleben müssen Sie nicht mal hinfahren. Mitmachen dürfen Sie auch, und das hat nnz gestern ausprobiert.Wir Journalisten wehren uns im allgemeinen mit spitzer Feder. Die ist unsere wohl beste Waffe. Die Menschen auf der Insel Okinawa hatten diese Möglichkeit nicht. Auch alle anderen Arten von Waffen waren ihnen von den Besatzern verwehrt worden. Mal wurden sie von China, mal von Japan kontrolliert, außerdem häufig von Piraten heimgesucht. Die Menschen überlegten, welche Alltagsgegenstände wohl zur Verteidigung geeignet sind. Stöcke in verschiedenen Längen, Metallgabeln, Sicheln, Dreschflegel und Schlagringe wurden genutzt. Für den heutigen Kampfsport kommen aber nur noch den Stöcken und dem Tonfa, auch bekannt als Mehrzweckeinsatzstock der Polizei, Bedeutung zu.
Auf jeden Fall ist es erstmal kompliziert die Bewegungen zu koordinieren. Fußstellung und Stockschlag sind zwar eine logische Einheit, aber die erschließt sich einem Anfänger nicht gleich. Darum sei es ja eine Kampfkunst, meint Trainer Frank Wolf. Ich jedenfalls habe viel Respekt für die Könner dieser Kunst, bei denen die Bewegungen so mühelos aussehen wie in Actionfilmen. Nur hier ist kein Trick dabei, sondern jahrelanges, teils jahrzehntelanges Training.
Neidisch schaue ich den Fortgeschrittenen zu, die mit ihren 1,82 großen Langstöcken, Bo genannt, üben. Der Umgang mit dem Hanbo, dem Kurzstock, erfordert schon meine vollste Konzentration. Die Schlagserie gelingt mir am Ende der Übungsstunde einigermaßen, die Blockserie weniger.
Aus mir wird bestimmt kein zweiter Großmeister wie Toshihiro Oshiro (im Bild), der im Mai 2002 in Nordhausen einen Kurs gab. Aber bis auf ein wenig Muskelkater im rechten Arm habe ich keinen Schaden genommen. Auf jeden Fall werde ich die nächsten drei Wochen durchhalten. Und vielleicht findet sich ja jemand, der mir beweist, daß man schon nach den vier Wochen kostenlosem Probetraining ein kleiner Meister sein kann.
Lust bekommen, es dem nnz-Reporter mal so richtig zu zeigen? Das nächste Kobudo Training findet am nächsten Mittwoch 18.00-19.30 Uhr in der Turnhalle des Humboldt Gymnasiums statt. Mehr Infos gibt es hier.
