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Ein Berg verrät seine Vergangenheit

Sonntag, 18. März 2012, 18:17 Uhr
Grabungsfeld (Foto: Dr. Walter) Grabungsfeld (Foto: Dr. Walter)
Archäologische Grabungen um und auf dem Frauenberg bei Jechaburg (Sondershausen) und deren historische Bedeutung war Thema beim Vereinsabend im Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein. Die nnz war unter den Zuhörern.

Dr. Diethard Walter vom Landesamt für Denkmalspflege und Archäologie Weimar, ein profunder Kenner der Materie, berichtete über die umfangreichen Ausgrabungen im Bebratal im Vorfeld des Baus der Ortsumfahrung Sondershausen (B4) in den Jahren 2004-2006. An vier Stellen forschten die Archäologen auf dem ca. 8 km langen Streckenabschnitt. Sie stießen zu Beginn auf Gräber und Siedlungsreste aus der beginnenden und der späteren Bronzezeit sowie der älteren Eisenzeit – eine Zeit also von ca. 2200-500 Jahr v. Chr.

Die Funde gaben einen aufschlussreichen Querschnitt durch die Besiedlungsgeschichte dieser Landschaft. Ein herausragendes Ergebnis der Ausgrabungen war ein kleiner frühmittelalterlicher Bestattungsplatz von den Königen aus dem Geschlecht der Merowinger aus der zweiten Hälfte des 7. und des beginnenden 8. Jh. Eine weitere Sensation der Grabung stellte der Grundriss eines 10 x 5 Meter großen Gebäudes im Zentrum des Friedhofes dar.

„Die Lage des Friedhofes aber auch die Reste der bronze- und früheisenzeitliche Vorbesiedlung des Platzes sowie die Konzentration einer Vielzahl von Einzelfunden aus der Zeit deuten darauf hin, dass die zugehörige Siedlung unweit der erwähnten Verkehrslinie oberhalb des Talgrundes in Sichtweite des Frauenberges angelegt wurde“, so Dr. Walter, der sich im zweiten Teil seiner Ausführungen den Ausgrabungen auf dem Frauenberg widmete.

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jh. ließ Fürst Günter Friedrich Carl I. Grabungen auf dem markanten Berg bei Jechaburg vornehmen, bei denen Gräber mit Bernsteinschmuck freigelegt wurden. Der Sondershäuser Archivrat Prof. Thilo Irmisch entdeckte die im 16. Jh. verfallene und abgetragene Kirche wieder und ließ 1873 ihren Grundriss freilegen, von dem allerdings nach über 130 Jahren nichts mehr zu sehen war. 2006 entschloss sich die Stadtverwaltung Sondershausen die Relikte der Kirche durch gezielte Grabungen erneut freizulegen und anschließend der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Verlauf dieser Untersuchungen gelangen dem Grabungsteam um Grabungsleiterin Sibylle Jahn gleich zwei wichtige Entdeckungen: Die von Irmisch freigelegte Kirche des 12./13. Jh. hatte Vorgängerbauten und der exponierte Platz auf dem Plateau des Berges wurde zur gleichen Zeit wie der Adelsfriedhof von Sondershausen-Bebra als Bestattungsplatz für eine offenbar herausgehobene Bevölkerungsgruppe genutzt. Der Vorgänger dieser Kirche war eine vor dem 12. Jh. wahrscheinlich im 10./11. Jh. errichtete Saalkirche mit rechteckigem Chor. Teile ihrer Steinfundamente kamen während der Grabungen zum Vorschein. Anhand weiterer Funde wurde zeitliche Einordnung der Fundamentreste bestätigt.

Im Anschluss an den interessanten und kurzweiligen Vortrags, beantwortete Dr. Diethard Walter die zahlreichen Fragen der begeisterten Zuhörer im überfüllten großen Saal des Vereinshauses „Thomas Mann“.
Autor: rh

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