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Neugeburt oder Aufschub?

Montag, 20. Oktober 2003, 17:09 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Nobas in Nordhausen scheint gerettet. So wurde es heute verkündet. Doch ist an der Rothenburgstraße wirklich nun alles eitel Sonnenschein? nnz mit einer Betrachtung.


Die Schließung eines Betriebsteils ist die teuerste Form einer Abwicklung. Diese Weisheit kennt jeder, der arbeitsrechtliche Konflikte bis zum bitteren Ende ausgetragen hat. Vor allem, wenn der Betriebsteil zu einer Aktiengesellschaft gehört, nicht einfach mal so Insolvenz anmelden kann und dazu noch nach Metallertarif zahlt. Insofern kann es betriebswirtschaftlich überhaupt nicht sinnvoll gewesen sein, den Nordhäuser Standort einfach dicht zu machen. Doch Drohungen gehören nun mal zum Gehabe, vor allem wenn es ums Geld geht.

Nun wurde bei der HBM-Nobas tief in die Trickkiste gegriffen. Ein Unternehmen wird wie Phönix aus der Asche entstehen und der Steuerzahler wird seine Geburt finanzieren. Eine gute und legale Sache, schließlich stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel. Das Arbeitsamt wird den größten Teil der „Gehälter“ für 83 Mitarbeiter in den kommenden sechs Monaten zahlen. Umschulung und Qualifizierung ist angesagt. Wird nun der Schlosser oder Dreher wirklich zum Lackierer oder umgekehrt? Oder verschafft man dem Unternehmen einfach nur noch mal eine subventionierte Atempause, dem Management eine zweite Chance?

Da gab sich Nobas-Chef Aribert Kupsch heute verhalten optimistisch und berichtete seiner Mannschaft von Besuchen. Die Leute seien von Volvo oder Komatsu gekommen, Kooperationen hätten sich angebahnt, man sei auf dem guten Weg. Vor einem Monat war es noch fünf vor 12, wenig später fünf nach 12. Warum waren die Herren von Volvo nicht schon vor einem halben Jahr in Nordhausen zu Gast? Können die Nordhäuser jetzt – mit Hilfe des Arbeitsamtes – kostengünstiger produzieren oder Aufträge abarbeiten?

Eine Lösung wurde gefunden, auf die Unternehmensleitung und Betriebsrat erst einmal Stolz sein können. Die entscheidende Frage wird aber sein, was kommt nach dem 30. April 2004? Da läuft nämlich die Förderung durch das Arbeitsamt aus. Da muß auch die „Nobas Spezialstahlbau GmbH Nordhausen“ wieder Tarif zahlen, zwar nur für 33 Wochenstunden, aber Tarif. Sollte bis dahin das Unternehmen in seiner Gesamtheit nicht wieder Fuß gefasst haben, dann kann die Uhr in Nordhausen nicht noch einmal angehalten werden. Geschäftsführung und Betriebsrat wissen das: „Eine erneute Chance wird es nicht geben“, meinten Kupsch und Klaus heute übereinstimmend. Und vielleicht ist auch deshalb der verrostete Motorgrader an der Werkstraße endlich mit einer Plastikplane überdeckt worden.
Autor: nnz

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