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nnz-Forum: Der Kandidat und die Kunst

Donnerstag, 16. Februar 2012, 06:33 Uhr
Am Dienstagabend wurde zur Vernissage in die Galerie der Nordhäuser Kreissparkasse eingeladen. nnz-Leser Hans-Georg Backhaus besucht diese Veranstaltungen regelmäßig. Doch an diesem Dienstag war alles ein wenig anders...


Ich hatte es irgendwie im Gefühl: Diese Vernissage am 14. Februar in der Kreissparkasse Nordhausen wird anders sein. Anders einfach deshalb, weil hier ein Mann erstmals in seinem fast 60jährigen Leben Bilder und Kleinplastiken präsentiert, den man vornehmlich als streitbaren Kommunalpolitiker kennt: Martin Höfer. Wohl dürfte auch bekannt sein, dass er ein Vielkönner ist (Alleskönner würde er sicher nicht gelten lassen).

Spätestens beim Blick auf die Kurzbiographie in der Einladung zu dieser Ausstellung wurde dies auch deutlich: Schichtarbeiter, Lehrmeister, Polsterer, Gastwirt und Betreuer... Und seine Hobbys: Malen und Schreiben. Wer bietet mehr? Zudem ist er bekannt für treffsichere Karikaturen und derbe Sprüche hauptsächlich in Richtung seiner politischen Gegenspieler. Geschont wird keiner. So kennen wir ihn. Bisher.

Doch am Dienstagabend war alles anders. Da stand ein Mann, umringt von überaus zahlreichen Besuchern, hatte ungezählte Hände zu schütteln. Er hätte sich freuen können angesichts solchen Interesses an seiner Person und seinen Kunstwerken. Noch dazu, wo ihm seine Partei – die FDP - zum OB-Kandidaten für seine Heimatstadt Nordhausen gekürt hat. Und doch wirkte er angespannt, unsicher, ungewohnt zurückhaltend, in sich gekehrt.

Doch endlich ging es los. Sparkassenvorstand Wolfgang Asche begrüßte zunächst wie gewohnt in seiner angenehmen Art alle Gäste. Angetan vom riesigen Interesse kam er nicht umhin gleich mehrfach zu betonen, dass dies keine politische Veranstaltung sei (es waren fast alle OB- und Landratskandidaten sowie zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Bildung anwesend) und er sich wünsche, dass die vielen unbekannten Gesichter nun doch öfter den Weg in die Galerie finden mögen.

Der Gastgeber übernahm auch die Rolle des Laudators und traf bei der Vorstellung des Künstlers und der Bewertung der ausgestellten Werke die rechten Worte. Als er schließlich Martin Höfer bat, das Wort zu ergreifen um sich selbst noch näher vorzustellen und über seine künstlerischen Ambitionen zu erzählen, erlebten wir etwas, was wohl niemand von uns erwartet hätte. Da stand ein Mann auf, wandte sich seinen Zuhörern zu – und hatte Mühe, etwas zusagen.

Worte des Dankes konnten wir vernehmen, dann versagte fast seine Stimme. Martin war schlichtweg tief gerührt. Wir waren es auch. Ich hatte das Gefühl, dass er uns für einen Augenblick mitnahm in sein Innerstes und wir auf diese Weise einen Menschen kennen lernen durften, wie er uns bislang verborgen geblieben war. Es war für mich neben zahlreichen angeregten Gesprächen an diesem Abend der ergreifendste Moment. Danke Martin! Danke Kreissparkasse!
Hans-Georg Backhaus, Nordhausen
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Autor: nnz

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