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„Rüdigsdorfer Schweiz“ in Gefahr

Dienstag, 07. Oktober 2003, 16:17 Uhr
Nordhausen (nnz). Das Gipskarstgebiet in der Rüdigsdorfer Schweiz in in akuter Gefahr.Das Thüringer Landesbergamt hat jetzt einem Gips-Abbau-Unternehmen die Genehmigung zu Probebohrungen am „Winkelberg“ gegeben. Weitere Fakten und Hintergründe natürlich schon heute in Ihrer nnz.


Städtisch Der 45 Hektar große „Winkelberg“ ist Teil der „Rüdigsdorfer Schweiz“ – eines Gipskarstgebietes mit europaweit einmaliger Flora (z.B. seltene Fledermäuse), Fauna (u.a. seltene Orchideen) und geologischer Formationen. Das Naturschutzgebiet ist zunehmend Ziel von Touristen und Fachleuten aus ganz Europa sowie Naherholungsgebiet der Stadt Nordhausen und der umliegenden Gemeinden.

Mit dieser Genehmigung wurde ein gegensätzliches Votum der Stadt Nordhausen vom August 2003 - inklusive der Untersagung, städtische Wege und Flächen zum und am Winkelberg zu befahren - ersetzt. Das Bergamt beruft sich in seinem Bescheid auf das Bergrecht und das öffentliche Interesse. Die Stadt wird Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Bergamtes einlegen.

„Die Erlaubnis für die Bohrungen steht in direktem Zusammenhang mit einem geplanten großflächigen Gipsabbau und damit mit einer weiteren Landschaftszerstörung, welche sowohl städtische-, regionale- als auch Landesplanungen untergraben“, sagte Steffen Meyer vom städtischen Amt für Umwelt und Grünordnung. Für die Menschen in Nordhausen und den umliegenden Gemeinden würde ein Abbau gleichzeitig eine erhebliche Belästigung durch Lärm und Staub bedeuten.

Die Stadt hatte das vom Bergamt und von der Gipsfirma geltend gemachte „öffentliche Interesse“ am Gipsabbau an dieser Stelle stets verneint. Meyer: „Am Kohnstein - in Sichtweite des Winkelberges - gibt es ein 240 Hektar großes Gebiet, das für den Gips-Abbau sowohl im städtischen Flächenutzungsplan als auch im Regionalen Raumordnungsplan des Freistaates Thüringen als Vorranggebiet für den Abbau reserviert ist. Nach der kürzlichen Insolvenz einer Abbau-Firma - liege dieses Areal brach und stehe für den Abbau zur Verfügung.

„Der Gips an dieser Stelle reicht für 40 Jahre - und mit dem Einstig einer neuen Firma dort könnten vielleicht an gleicher Stelle verloren gegangenen Arbeitsplätze neu entstehen. Deshalb macht es keinen Sinn, neue Abbau-Wunden in eine intakte und einmalige Landschaft zu schlagen. Allein die Stadt Nordhausen stelle 10 Prozent ihrer Fläche für den Rohstoffabbau zur Verfügung. „Damit – und mit weiteren reservierten Arealen im Landkreis - ist der Bedarf an Abbau-Fläche für die Industrie gedeckt. Öffentliches Interesse heißt für uns nicht, dass jede Abbau-Firma einen eigenen Steinbruch beanspruchen kann. Das sehen nicht nur wir als Stadt so, das ist auch die Meinung einer ganzen Region“, so Steffen Meyer mit Blick auf zahlreiche entsprechende parteiübergreifende Voten des Nordhäuser Stadtrates der zurückliegenden zehn Jahre. Neben Nordhausen hatten sich alle umliegenden Gemeinden und Bürgerinitiativen gegen die Zerstörung der „Rüdigsdorfer Schweiz“ ausgesprochen.
Autor: nnz

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