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nnz-Wetterrückblick: Wärmer geht fast nicht

Donnerstag, 02. Februar 2012, 15:20 Uhr
Es ist tatsächlich Winter – auch wenn man es nach den vergangenen Monaten und insbesondere nach dem ersten „Wintermonat“, dem Dezember 2011, nicht so recht glauben möchte. Der meteorologische Rückblick von Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp...


Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat) Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat) Bei Temperaturen knapp über null Grad in der Silvesternacht Raketen steigen zu lassen, war angenehm. Zu beobachten, dass die Sonne langsam wieder früher aufgeht und abends später unter – da werden die ersten Frühlingsgefühle geweckt. Und dann doch wieder Winter – minus 10,5 °C am letzten Januartag, das muss doch nun wirklich nicht sein.

Und dabei fing alles so gut an. Die ersten zwei Januarwochen blieben fast frühlingshaft warm. Nicht ein einziger Frosttag wurde auf dem Campus der FH Nordhausen aufgezeichnet. Spitzenwerte von plus 13 Grad wurden registriert. Dann doch mal leichter Frost: Zwei Frosttage und drei Eistage mit einer Minimum-Temperatur von -5,6°C erinnerten mitten im Januar an den Winter. Doch die Temperaturen stiegen wieder, das Thermometer schwankte um die fünf Grad.

Ab dem 26. Januar ging es dann aber abwärts und der sibirische Winter hielt Einzug im Südharz. Die Temperatur sackte auf minus 10 Grad ab. Auf drei Frosttage folgten Ende Januar drei Eistage, die trotz Minuswerten einen deutlichen Tagesgang der Temperatur aufwiesen. Dies ist allerdings nicht direkt auf den Sonnenschein zurückzuführen, obwohl die Sonne an diesen Tagen zwischen sechs und acht Stunden schien. Zunächst erwärmt die Sonne den Boden und in der Stadt Straßen und Gebäude, vor allem wenn diese nicht mit Schnee bedeckt sind.

Diese emittieren dann langwellige Wärmestrahlung insbesondere in der Nacht und erwärmen so die Luft. Aus diesem Grund werden besonders tiefe Temperaturen dort gemessen, wo ausreichend Schnee die Erde bedeckt, die Sonnenstrahlen werden einem großen Teil reflektiert und tragen nicht zur Erwärmung der Umgebung bei. Die mittlere Januartemperatur betrug immerhin noch plus 2,5°C (1956 – 2012: -0,2°C). Ein Trend ist bei Vergleich der vergangenen 30-jährigen Mittelwerte zu verzeichnen: 1961 – 1990 betrug der Mittelwert der Lufttemperatur im Januar -0,8°C, 1971 – 2000 wurden minus 0,1°C und zwischen 1981 – 2010 plus 0,3°C registriert. Ein Anstieg der Januar-Temperaturen ist somit für den Südharz nachweisbar.

Das sibirische Kältehoch namens Cooper kippte das bis zum 25. Januar stabile Windsystem, welches feuchte und milde Atlantikluft aus Westen zu uns brachte, inklusive der Tiefs, die zu einem großen Niederschlagsaufkommen im Südharz führten – flüssigen Niederschlag. Rund 86 Liter waren es bis Cooper. Das Bett der Zorge reichte für die abzuführenden Wassermassen kaum. Mit Cooper kam dann trockene Luft zu uns, die relative Luftfeuchte sank unter 80%, denn kalte Luft kann kaum Feuchtigkeit transportieren.

Zurück zu den 86 Litern, diese verteilten sich gleichmäßig auf 25 Januartage, wobei der 5. Januar und der 22. Januar mit 12 L/m³ und 10L/m² sehr feucht waren. Im Mittel fallen im Südharz im Januar rund 50 L/m², in diesem Januar waren es 88 L/m². Vergleicht man auch hier die 30-jährigen Mittelwerte miteinander, so ergibt sich für 1961 – 1990 eine mittlere Niederschlagssumme von 46,6 L/m², für 1971 – 2000 bereits 49,4 L/m² und für 1981- 2010 im Mittel 55 L/m² im Januar für die Südharz-Region. Der Trend bestätigt damit die Annahme der Klimaforscher, dass es zukünftig in den östlichen Bundesländern vermehrt im Winter regnen wird – allerdings zu Lasten des Sommerniederschlags.

Trotz des vielen Regens erfüllte die Sonne mit rund 66 Stunden 170% ihres Solls (38,3 Stunden. Windig war es ebenso, mit 1,7 m/s durchschnittlicher Windgeschwindigkeit wurde der windreiche Dezember 2011, der es ebenfalls auf 1,7 m/s brachte, erreicht. Neben dem März 2008 sind dies damit die drei windreichsten Monate auf dem Campus der Fachhochschule seit dem Jahr 2006.

Winterlich soll es zunächst bleiben, das Kältehoch verlagert sich allerdings langsam nordwärts, so dass es wahrscheinlich bald wieder einen Zustrom milderer und feuchterer Luft geben wird. Dann warten wir einfach wieder auf den Frühling.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz

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