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Chancen für Alleinerziehende verbessern

Dienstag, 31. Januar 2012, 08:06 Uhr
„Ich bin ausgelastet“, sagt Kristin Wuttke mit einem Lächeln. Die 23-Jährige ist alleinerziehend, ihr Sohn Jonas ist sieben Jahre alt. Auch als alleinerziehende Mutter war für Kristin Wuttke immer klar, dass sie arbeiten will. Jetzt ist sie Netzwerkerin...

Kristin Wuttke (Foto: J. Piper) Kristin Wuttke (Foto: J. Piper)

„Ich wollte nie zuhause bleiben, das ist nicht mein Ding, ist mir zu langweilig. Ich muss unter Menschen sein.“ Deshalb war sie froh, als vor etwa einem Jahr ihre Beraterin im Jobcenter des Landkreises bei ihr anrief und von einer freien Stelle berichtet hat. „Ich hab mich gleich dort gemeldet und es hat geklappt.“ Kristin Wuttke arbeitet jetzt als Netzwerkassistentin beim Horizont-Verein – und zwar in einem Netzwerk, das sie mit ihren ganz persönlichen Erfahrungen bereichern kann: das Netzwerk Alleinerziehende Landkreis Nordhausen, kurz NANo.

In diesem Netzwerk engagiert sich auch das Jobcenter des Landkreises Nordhausen als Kooperationspartner. NANo ist für das Jobcenter ein neuer Weg, um einerseits Alleinerziehende zu unterstützen und andererseits die Zusammenarbeit mit anderen beteiligten Förderinstanzen wie Freien Trägern, Vereinen und Behörden zu verbessern – diese besser aufeinander abzustimmen und die Beratung übersichtlich zu gestalten, ist das Ziel, das das Bundesarbeits- und -sozialministerium mit dem Programm Netzwerke wirksamer Hilfen für Alleinerziehende verfolgt.

„Alleinerziehende sind eine Zielgruppe, die bereits im Fokus stand und das werden wir jetzt noch weiter intensivieren“, nennt Heiko Röder, Geschäftsführer des Jobcenters, einen geschäftspolitischen Schwerpunkt für dieses Jahr. 340 Alleinerziehende waren im Dezember beim Jobcenter als arbeitslos registriert. Die größte Berufsgruppe darunter sind mit knapp 22 Prozent die Verkaufsberufe. In diesen aber auch anderen Berufszweigen kann es zu Problemen mit der Arbeitszeit kommen.

„Hier wollen wir wenn möglich die Alleinerziehenden wegorientieren von Berufen, bei denen es schwierig sein kann, Arbeitzeit und Kinderbetreuung in Einklang zu bringen“, sagt Nancy Warstat, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt beim Jobcenter. Dazu sei bereits eine Maßnahme in Planung, bei der Alleinerziehende u.a. in Praktika neue Berufsfelder ausprobieren können und dann bei Interesse dahingehend individuell weitergebildet werden. Auch beim zweiten Tag des Bewerbers, der im März geplant ist, werden Alleinerziehende gezielt angesprochen.

Ein weiteres Ziel des Jobcenters ist es, beispielsweise über den Arbeitgeberservice Unternehmen für das Thema familienfreundliche Arbeitszeiten zu sensibilisieren. „In der heutigen Zeit, in der Fachkräfte gesucht werden und nicht mehr ausreichend vorhanden sind, kann durch ein flexibleres Reagieren auf Seiten der Arbeitgeber das wichtige Potential der Alleinerziehenden besser erschlossen werden“, so Nancy Warstat.

Laut dem Thüringer Sozialstrukturatlas 2011 sind im Landkreis Nordhausen 9,3 Prozent der Arbeitslosen alleinerziehend, der Anteil an allen erwerbfähigen Hilfebedürftigen im SGB II liegt bei 11,7 Prozent. Insgesamt führt das Jobcenter rund 950 Alleinerziehende als Leistungsbezieher nach dem SGB II, knapp 6 Prozent davon sind Väter. Rund 340 Alleinerziehende werden derzeit nicht aktiv betreut und vermittelt, da sie die drei Jahre Elternzeit nutzen. Auch hier will das Jobcenter ansetzen und beispielsweise schon in der Elternzeit weiterqualifizierende Maßnahmen anbieten.

„Wir wollen wenn möglich schon während der Elternzeit schauen, ob eine Weiterbildung realisierbar ist oder ob man vielleicht sogar eher wieder in den Beruf einsteigen kann, damit die beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten nicht zu sehr einschlafen und man sich nicht zu weit vom Arbeitsmarkt entfernt“, so Nancy Warstat. So hat es auch Kristin Wuttke gemacht. Ihre Zeit als Arbeitssuchende hat die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation mit Weiterbildungen beispielsweise in Buchführung überbrückt, hat ihren Führerschein über eine Maßnahme des Jobcenters für Alleinerziehende gemacht und damit ihre beruflichen Perspektiven verbessert.

Dass es trotz guter Qualifikationen nicht leicht ist, als Alleinerziehende einen Job zu finden, weiß Kristin Wuttke aus Erfahrung: „Schon beim Vorstellungsgespräch haben mich Arbeitgeber gefragt, was ich mache, wenn mein Kind krank wird.“ Die Antwort „zuhause bleiben“ konnte dann schon zum Ausschlusskriterium werden. Bei ihrem jetzigen Arbeitgeber könne sie sich nicht beschweren, er zeige viel Verständnis, wenn sie durch ihren Sohn mal ausfalle. Als Alleinerziehende bringe sie viele Stärken mit. „Wir behalten auch im größten Chaos den Überblick und sind belastbar. Ich habe mir ein hohes Selbstbewusstsein erarbeitet, weil ich weiß, dass ich Herausforderungen im Alltag allein meistern kann“, sagt Kristin Wuttke.

Genau mit diesen Potentialen will auch das Jobcenter für Alleinerziehende als Mitarbeiter werben. „Alleinerziehende sind sehr flexibel und haben ein großes Organisationstalent. Mit diesen Stärken können sie punkten“, meint auch Nancy Warstat. Gemeinsam mit Kristin Wuttke und den anderen Netzwerkpartnern wird sie sich u.a. bei NANo dafür einsetzen, dass sich die Perspektiven für Alleinerziehende auf dem Arbeitsmarkt verbessern.
Jessica Piper
Autor: nnz

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