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nnz-Forum: Ist die FHN wirklich nur gut?

Montag, 16. Januar 2012, 06:32 Uhr
Von der öffentlichen Seite ist nur zu hören, wie gut doch unsere Fachhochschule ist. In der vergangenen Woche fand in der Fachhochschule Nordhausen ein Vortagsabend unter dem Motto: „Vom Alptraum zum Traumjob“ statt. Referent war Klemens Himpele...


Was ich da zu hören bekam war alles andere als Lob für die Fachhochschule. Es sei aber gleich vornweg gesagt, es steht nicht nur um die Nordhäuser FH so schlecht. Ich habe schon des Öfteren von Studenten gehört, dass es um unsere FH nicht so gut bestellt ist, wie es uns vorgemacht wird. Vor allem von unseren Politikern, denen ja angeblich die gute Bildung am Herzen liegt.

Ja es ist nun einmal so: Bildung und Bildung ist zweierlei, dass beweisen ja viele unsere Politiker immer wieder, wenn man sich so anhört, was sie von sich geben? Nun kann es sein, dass jene Studenten, mit denen ich gesprochen habe die Ausnahme bilden und genau aus diesem Grund habe ich den Vortrag besucht.

Was ich da so zu hören bekam, war schon eine sehr ernst zunehmende Angelegenheit. Es steht wirklich nicht so gut um die FH. In Deutschland. Viele der Lehrkräfte sind nur noch in Teilzeitbeschäftigung tätig. Da stellt sich schon die Frage, wie sollen da die Studenten vernünftig lernen wenn sie jedes Semester eine andere Lehrkraft haben? Welche Lehrkraft gibt sich richtig Mühe um den Studenten etwas beizubringen, wenn sie nicht weiß, ob sie in zwei Monaten überhaupt noch unterrichten darf.

Ja es ist richtig es gibt Arbeitsplätze, die sind auf zwei Monate befristet. 74 Prozent der Hochschullehrer haben eine befristete Anstellung. Davon sind 53% unter einem Jahr, wie schon gesagt, auf zwei Monate befristet. Über ein Jahr sind 36% befristet. Nur 11% haben eine Befristung über zwei Jahre. Wenn ich richtig zugehört habe, gibt es in Nordhausen keine befristete Stellen, bin mir aber nicht ganz sicher.

2010 war das Verhältnis der unbefristeten zu den befristeten Stellen 1:8. Ich glaube so etwas sollte einem zu denken geben. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist jeder, der keine Professur hat, eine Art von Hilfskraft und so setzt sich auch die schlechte Bezahlung zusammen.
  • Hilfskräfte bekommen 8,60 €
  • Bachelor bekommen 10,03 €
  • Hilfskräfte mit Hochschulbildung bekommen 13,61 €
Bei so einer Bezahlung muss man sich nicht wundern, dass die guten Lehrkräfte lieber in die Wirtschaft oder ins Ausland gegen. Was tut die Schulleitung dagegen, man sagt: „Na ja, dann kommt eben jemand anderes.“ Erschwerend kommt hinzu, dass die Meisten der befristet Angestellten sofort in Hartz-IV landen.

Des Weiteren ist die Belastung so hoch, dass viele dem psychischen Druck nicht gewachsen sind. Darunter leidet zum Schluss die Qualität der Ausbildung der Studenten, welche diese sehr oft zu beklagen haben. Man hat das Gefühl, dass die Angestellten in einer bestimmten Abhängigkeit gehalten werden, nur so kann man allzu große Kritik unterbinden.

Bei den meisten Hochschulen gibt es kein richtig durchdachtes Personalsystem. Man lockt junge Leute an die Hochschulen und Unis. Man verspricht gute bis sehr gute ja sogar exzellente Bedingungen. Was zu wünschen übrig lässt, sind die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen, die sind alles andere als exzellent. Viele Hochschulleitungen denken nur an ihre Posten. Deshalb verfallen die meisten FH zusehends. Es gibt kein soziales Engagement. Wenn bei Aldi oder Lidl Arbeitskräfte befristet angestellt oder unterbezahlt werden, hört man Kritik aber die Hochschulen sind nicht viel besser. Im Prinzip werden die Angestellten ausgebeutet.

Fazit: Bei den Unis und Fachhochschulen liegt so manches im Argen. Unsere Politiker werden nicht müde, von guter Bildung zu schwafeln, jedoch im gleichen Atemzuge kürzt man auf Umwegen die Mittel für die hochgepriesene Bildung. Herr Himpele stellte unter anderem das Templiner Manifest vor, es soll dabei helfen die Missstände zu beseitigen.
  • Promotionsphase besser absichern und strukturieren.
  • Pstdocs verlässliche Perspektiven geben.
  • Daueraufgaben mit Dauerstellen erfüllen.
  • Prekäre durch reguläre Beschäftigung ersetzen.
  • Im Gleichgewicht lehren, forschen und leben.
  • Ausgleichendes Geschlechterverhältnis durchsetzen.
  • Gleichberechtigt mitbestimmen.
  • Mobilität fördern, nicht bestrafen.
  • Hochschule und Forschung bedarfs- und nachfragegerecht ausbauen.
  • Alle Beschäftigungsverhältnisse tarifvertraglich aushandeln.
Wenn sie mehr über das Manifest wissen möchten und sie dieses vielleicht auch unterstützen möchten, können sie das unter www. Templiner-manifest.de.

Wagen wir, die Dinge zu sehen, wie sie sind (Albert Schweizer)
Harald Buntfuß, Nordhausen
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Autor: nnz

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