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Planungen für Industriegebiet werden fortgesetzt

Mittwoch, 28. Februar 2001, 14:39 Uhr
Nordhausen (nnz). Im Landkreis Nordhausen arbeiten von 1000 Einwohnern 41 in der Industrie, in Thüringen 43, bundesweit 107. Die Zahlen weist eine Statistik aus, die Ullrich Hannemann vom DGB Nordthüringen heute vorlegte. Dieses Defizit hofft der Planungsverband "Industriegebiet Goldene Aue" in einigen Jahren beseitigen zu können. Wie viele Arbeitsplätze an der B 80 zwischen Bielen und Urbach auf rund 100 Hektar tatsächlich entstehen werden, das vermag freilich derzeit keiner der Planer exakt zu sagen. Aber wegen ungenauer Prognosen lieber gar nichts zu tun, das scheint den Mitgliedern der Planungsgemeinschaft die schlechteste Lösung. Im übrigen auch dem Arbeitsamt. Die Direktorin, Dr. Simone Simon, nannte 650 Schulabgänger, die sich jährlich in anderen Regionen und Bundesländern einen Ausbildungsplatz suchen. Dem Schwund vor allem der jüngeren Bevölkerung müsse Einhalt geboten werden.
Momentan befinden sich nach Angaben von Andreas Meißner vom beauftragten Planungsbüro die Arbeiten noch in der Frühphase. Der Aufstellungsbeschluß ist durch die betroffenen Gemeinden gefaßt, der Planvorentwurf wurde öffentlich ausgelegt, auch 28 Behörden konnten Einsicht nehmen. Nun müssen alle eingegangenen Stellungnahmen gesichtet werden, möglicherweise führen diese zu Änderungen des Planvorentwurfs. Parallel wurden den Eigentümern der beanspruchten Flächen Kaufangebote gemacht, über den offerierten Quadratmeterpreis schwieg sich der Vorsitzende des Planungsverbands, Joachim Arendt, allerdings aus. Zumindest seien noch vor einem Jahr 70 Prozent der Grundeigentümer generell zu einem Verkauf bereit gewesen. Wie zu verfahren ist, wenn sich die restlichen 30 Prozent weder durch den Preis noch durch Austauschflächen überzeugen lassen, darüber wollte sich Arendt nicht konkret äußern. Man hoffe auf eine Regelung im gegenseitigen Einverständnis, von Enteignungen spreche man nicht, so Arendt. Darüber hinaus werden die Kaufverhandlungen erst mit Inkrafttreten des Bebauungsplanes aktuell, zurzeit sei noch kein einziger Quadratmeter angekauft worden. Um sich die Zustimmung der Grundeigentümer im voraus zu sichern, könne man aber schon frühzeitig Kaufoptionsverträge abschließen, ergänzte Holger Schach von der LEG. Im übrigen, so Schach weiter, brauche Thüringen in den nächsten Jahren noch zwei bis vier Standorte für große Industriegebiete. Und bisher sei das in der Goldenen Aue anvisierte am besten vorbereitet, die Planungen dafür am weitesten gediehen. Die entstehende Südharzautobahn A 38 und die Anbindung an die B 80, B 4 und B 243 mache das Industriegebiet noch attraktiver, ergänzte Andreas Meißner. Darüber hinaus gebe es für das favorisierte Areal keine anderen, gegenteiligen Nutzungskonzepte, so Meißner. Natürlich müssen trotz allem bestimmte Besonderheiten beachtet werden. So laufe eine Gasleitung durch das Gebiet, die verlegt werden müsse. Teilweise sei eine Trinkwasserschutzzone 3 ausgewiesen. Auch der Segelflugplatz in Bielen mache bauliche Einschränkungen erforderlich. Das Gebiet diente im Zweiten Weltkrieg als Einflugschneise, so daß es sich um einen munitionsgefährdeten Bereich handelt.
Er sei sich im klaren, so Meißner, daß man mit einem zu pflanzenden Baum pro 500 Quadratmeter Industriegebiet die Schäden an der Natur nicht ausgleichen könne. Auch alle anderen Schritte in Richtung Umweltschutz vermögen das nicht, aber hier seien Prioritäten zu setzen und Interessen für die Region abzuwägen, so Meißner. Mit der Bürgerinitiative zur Rettung der Goldenen Aue stehe man in dieser Hinsicht weiter in Dialog. Holger Schach schloß an, stinkende Schornsteine und nervenzehrenden Lärm werde es in dem künftigen Industriegebiet nicht geben, auch eine Müllverbrennungsanlage wolle man hier nicht ansiedeln. Insgesamt gab sich der LEG-Vertreter optimistisch, daß sich die aufwendigen Planungen lohnen werden (bisher aufgelaufene Kosten: rund 200.000 Mark). Es gebe permanent Anfragen von potentiellen Investoren, die abschlägig beschieden werden müßten, weil man die erforderlichen Flächen nicht habe. Noch nicht. In ein bis zwei Jahren soll das Industriegebiet Goldene Aue bis zur Planungsreife gediehen sein.
Autor: ss

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