BUND-Einsatz Feld-Enzian
Sonntag, 08. Januar 2012, 17:59 Uhr
Kurzfristig entschied sich Bodo Schwarzberg, an diesem Wochenende einen Pflegeeinsatz vorzuschlagen, da es "nur" regnete, der Boden aber nicht gefroren war. Wohl auch angesichts des Wetters und der Kurzfristigkeit bestand die BUND-"Gruppe" heute nur aus einem Teilnehmer. Der Bericht von Bodo Schwarzberg...
Dafür konnte ich Jürgen Thomas aus Klettenberg als aktiven Mitstreiter gewinnen, der in unserem heutigen Einsatzgebiet in der Nähe von Klettenberg im Jahre 1993 den in Thüringen vom Aussterben bedrohten Feld-Enzian (Gentianella campestris) als Erster fand und diesen dort bis 1998 beobachten konnte. Wohl wegen der nach der Wende aussetzenden Bewirtschaftung der Fläche, wurde die konkurrenzschwache Art seitdem weder von Jürgen Thomas, noch von mir an diesem Standort gesehen.
Unser heutiger Einsatz diente der Wiederherstellung der Bedingungen zum Zeitpunkt der Bewirtschaftung: Das bedeutet vor allem offene Bodenstrukturen mit einem Deckungsgrad der Vegetation von deutlich weniger als 100 Prozent und perspektivisch Kurzgrasigkeit sowie Nährstoffarmut, also Magerkeit. Auf der Grundlage seit langem praktizierter, erfolgreicher Einsätze seit 2004, sind wir optimistisch, auch den sehr seltenen Feld-Enzian spätestens 2013 in der Nähe von Klettenberg wieder blühen zu sehen.
Auf jeden Fall wird die heute auf 64 qm entfilzte und oberflächlich aufgehackte Fläche von der BUND-Kreisgruppe in ihr umfangreiches Pflege- und Managementprogramm für bedrohte Pflanzenarten im Gebiet des Naturparkes Süpdharz dauerhaft aufgenommen werden.
Sollte sich am Standort kein keimfähiger Enziansamen mehr im Boden befinden, erwägen wir, selbstverständlich in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, die Ausbringung von Samen von einem Standort im Ost-Kyffhäuser. Dieses Vorgehen wurde bereits bei anderen hochgradig gefährdeten Arten praktiziert, um diese für den Freistaat zu erhalten.
Leider stehen für derartige punktuelle, standortbezogene Pflegemaßnahmen in Thüringen kaum Mittel zur Verfügung, obwohl deren Effekt für die Arterhaltung nachweisbar positiv ist. Während einige Schäfer für die Beweidung naturschutzrelevanter Flächen Geld über diverse Programme erhalten, diese aber nicht oder nur oberflächlig bewirtschaften, sorgen wir für die Beseitigung der Folgen dieses Widerspruchs: Punktuelle, z.T. flächige Entbuschung und sonstige Schutz- und Bewirtschaftungsmaßnahmen zum Beispiel: weiterhin Anlage von Erhaltungskulturen im Botanischen Garten der Uni Halle, Entfilzungen, künftig Mahd einem schwer erkämpften und nun bald gruppeneigenen Freischneider. Für die Maßnahmen selbst aber erhalten wir keinen Cent. Hinzu kommt die Reduzierung der Förderung der Erstpflege auf verbuschten Flächen in Thüringen auf Null.
Vor diesem traurigen Hintergrund, zu dem sich noch die nur stellenweise praktizierte Umsetzung der EU-FFH-Richtlinie in Thüringen stellen ließe, steigt die Bedeutung ehrenamtlicher Naturschutzarbeit weiter. Allerdings erfüllen wir damit öffentliche Aufgaben, Aufgaben von vielen Menschen also, die in hochbezahlten Behörden und Ministerien zwischen Brüssel, Straßburg, Berlin und Erfurt sitzen. Es gibt dort auch einige sehr engagierte Mitarbeiter. Aber gegen die vorhandenen Rahmenbedingungen sind sie machtlos und dürften sich kaum öffentlich äußern wollen.
Hier wünsche ich mir eine ganz andere, als die gegenwärtige Politik und vor allem eine finanzielle Förderung unserer ehrenamtlichen Arbeit. Bleibt es bei den genannten Widersprüchen und Schönwetterreden zu verschiedenen nationalen und internationalen Anlässen, werde ich diese Ungereimtheiden immer wieder an den Pranger stellen - und weiterhin, mit einigen Mitstreitern selbst aktiv werden. Die Bilder dokumentieren unseren heutigen Einsatz. Sie zeigen die verfilzte Fläche und dieselbe nach erfolgtem Einsatz. Außerdem zwei Bilder vom Feld-Enzian, die von MOGK aus Nordhausen am Nordrand des Harzes gemacht wurden und die ich mit seinem Einverständnis verwenden darf. Der Feld-Enzian verfügt nur über ein relativ kleines mitteleuropäisches Areal und ist flächendeckend, mit Ausnahme von Bayern, in Deutschland ausgestorben, von Aussterben bedroht oder stark gefährdet.
Nach der so genannten Megaherbivorentheorie siedelten solche Offenland-.Arten auch schon vor der frühmittelalterlichen Rodung unserer Urwälder in Europa. Diese längst ausgerotteten großen Pflanzenfresser (z.B. Auerochse, Nashornarten, Wisent) sollen demnach für so lichte Waldstrukturen gesorgt haben, dass diese Pflanzenarten bei uns wachsen konnten, also ohne menschliche Bewirtschaftung. Dass dies möglich ist, beweisen die afrikanischen Savannen in Kenia und Tansania, was eine wesentliche Grundlage der Beweisführung zur genannten Theorie ist.
Insofern hat der Mensch eine besonders große Verantwortung für die Erhaltung dieser Arten in Mitteleuropa, da sie nun auf seine Bewirtschaftung angewiesen sind. Das erwähne ich nur, weil es immermal wieder Kommentatoren gibt, die die Sinnhaftigkeit unseres Tuns in Frage stellen. Denen sei also gesagt, dass wir alles, was wir tun, auf wissenschaftlicher Basis praktizieren und langfristig dokumentieren.
Wer sich über den Feld-Enzian näher informieren möchte, den verweise ich auf die nnz-Serie "Enziane-Perlen des Herbstes" vom Herbst des Jahres 2011.
Bodo Scharzberg
Autor: nnzDafür konnte ich Jürgen Thomas aus Klettenberg als aktiven Mitstreiter gewinnen, der in unserem heutigen Einsatzgebiet in der Nähe von Klettenberg im Jahre 1993 den in Thüringen vom Aussterben bedrohten Feld-Enzian (Gentianella campestris) als Erster fand und diesen dort bis 1998 beobachten konnte. Wohl wegen der nach der Wende aussetzenden Bewirtschaftung der Fläche, wurde die konkurrenzschwache Art seitdem weder von Jürgen Thomas, noch von mir an diesem Standort gesehen.
Unser heutiger Einsatz diente der Wiederherstellung der Bedingungen zum Zeitpunkt der Bewirtschaftung: Das bedeutet vor allem offene Bodenstrukturen mit einem Deckungsgrad der Vegetation von deutlich weniger als 100 Prozent und perspektivisch Kurzgrasigkeit sowie Nährstoffarmut, also Magerkeit. Auf der Grundlage seit langem praktizierter, erfolgreicher Einsätze seit 2004, sind wir optimistisch, auch den sehr seltenen Feld-Enzian spätestens 2013 in der Nähe von Klettenberg wieder blühen zu sehen.
Auf jeden Fall wird die heute auf 64 qm entfilzte und oberflächlich aufgehackte Fläche von der BUND-Kreisgruppe in ihr umfangreiches Pflege- und Managementprogramm für bedrohte Pflanzenarten im Gebiet des Naturparkes Süpdharz dauerhaft aufgenommen werden.
Sollte sich am Standort kein keimfähiger Enziansamen mehr im Boden befinden, erwägen wir, selbstverständlich in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, die Ausbringung von Samen von einem Standort im Ost-Kyffhäuser. Dieses Vorgehen wurde bereits bei anderen hochgradig gefährdeten Arten praktiziert, um diese für den Freistaat zu erhalten.
Leider stehen für derartige punktuelle, standortbezogene Pflegemaßnahmen in Thüringen kaum Mittel zur Verfügung, obwohl deren Effekt für die Arterhaltung nachweisbar positiv ist. Während einige Schäfer für die Beweidung naturschutzrelevanter Flächen Geld über diverse Programme erhalten, diese aber nicht oder nur oberflächlig bewirtschaften, sorgen wir für die Beseitigung der Folgen dieses Widerspruchs: Punktuelle, z.T. flächige Entbuschung und sonstige Schutz- und Bewirtschaftungsmaßnahmen zum Beispiel: weiterhin Anlage von Erhaltungskulturen im Botanischen Garten der Uni Halle, Entfilzungen, künftig Mahd einem schwer erkämpften und nun bald gruppeneigenen Freischneider. Für die Maßnahmen selbst aber erhalten wir keinen Cent. Hinzu kommt die Reduzierung der Förderung der Erstpflege auf verbuschten Flächen in Thüringen auf Null.
Vor diesem traurigen Hintergrund, zu dem sich noch die nur stellenweise praktizierte Umsetzung der EU-FFH-Richtlinie in Thüringen stellen ließe, steigt die Bedeutung ehrenamtlicher Naturschutzarbeit weiter. Allerdings erfüllen wir damit öffentliche Aufgaben, Aufgaben von vielen Menschen also, die in hochbezahlten Behörden und Ministerien zwischen Brüssel, Straßburg, Berlin und Erfurt sitzen. Es gibt dort auch einige sehr engagierte Mitarbeiter. Aber gegen die vorhandenen Rahmenbedingungen sind sie machtlos und dürften sich kaum öffentlich äußern wollen.
Hier wünsche ich mir eine ganz andere, als die gegenwärtige Politik und vor allem eine finanzielle Förderung unserer ehrenamtlichen Arbeit. Bleibt es bei den genannten Widersprüchen und Schönwetterreden zu verschiedenen nationalen und internationalen Anlässen, werde ich diese Ungereimtheiden immer wieder an den Pranger stellen - und weiterhin, mit einigen Mitstreitern selbst aktiv werden. Die Bilder dokumentieren unseren heutigen Einsatz. Sie zeigen die verfilzte Fläche und dieselbe nach erfolgtem Einsatz. Außerdem zwei Bilder vom Feld-Enzian, die von MOGK aus Nordhausen am Nordrand des Harzes gemacht wurden und die ich mit seinem Einverständnis verwenden darf. Der Feld-Enzian verfügt nur über ein relativ kleines mitteleuropäisches Areal und ist flächendeckend, mit Ausnahme von Bayern, in Deutschland ausgestorben, von Aussterben bedroht oder stark gefährdet.
Nach der so genannten Megaherbivorentheorie siedelten solche Offenland-.Arten auch schon vor der frühmittelalterlichen Rodung unserer Urwälder in Europa. Diese längst ausgerotteten großen Pflanzenfresser (z.B. Auerochse, Nashornarten, Wisent) sollen demnach für so lichte Waldstrukturen gesorgt haben, dass diese Pflanzenarten bei uns wachsen konnten, also ohne menschliche Bewirtschaftung. Dass dies möglich ist, beweisen die afrikanischen Savannen in Kenia und Tansania, was eine wesentliche Grundlage der Beweisführung zur genannten Theorie ist.
Insofern hat der Mensch eine besonders große Verantwortung für die Erhaltung dieser Arten in Mitteleuropa, da sie nun auf seine Bewirtschaftung angewiesen sind. Das erwähne ich nur, weil es immermal wieder Kommentatoren gibt, die die Sinnhaftigkeit unseres Tuns in Frage stellen. Denen sei also gesagt, dass wir alles, was wir tun, auf wissenschaftlicher Basis praktizieren und langfristig dokumentieren.
Wer sich über den Feld-Enzian näher informieren möchte, den verweise ich auf die nnz-Serie "Enziane-Perlen des Herbstes" vom Herbst des Jahres 2011.
Bodo Scharzberg









