Aus einer 102-jährigen Zeitung (2)
Dienstag, 03. Januar 2012, 06:45 Uhr
Seit einigen Tagen stöbert Bodo Schwarzberg ab und zu im "Volksblatt für Nordthüringen" aus dem Jahre 1910, das er bei einem Bekannten einsehen kann. In loser Folge möchte er Sie, liebe nnz/kn-Leserinnen und -Leser mit einigen Veröffentlichungen der damaligen Zeit vertraut machen. Heute: Tod und Unglücksfälle im Herbst 1910...
Natürlich war auch das Jahr 1910 nicht frei von menschlichen Dramen, Mord, Totschlag und Unfällen. Während Neid, Missgunst und private Probleme zeitlose Anlässe für Gewalt sind, so zeigen sich bei Unfällen und deren Ursachen Unterschiede zur Gegenwart. Die heutige moderne Technik ist zwar sicherer, als die damalige, aber sie fordert, unvollkommen wie ihr Urheber, dennoch Opfer. - Vielleicht ein wenig anders und oft schneller als damals.
Es scheint zudem so zu sein, als sei der Unfall oder gar der Unfalltod vor 100 Jahren noch viel mehr Teil des damaligen Alltags gewesen. Seine Grausamkeit für die Opfer und ihre Angehörigen indes ist gleichgeblieben. Keine menschliche Erfindung oder Erkenntnis konnte dies leider bisher verhindern. Der Tod aber war und ist ein unverzichtbarer Teil des Lebens. Ein Naturgesetz wie das Leben selbst. Hoffen wir, dass es dem Menschen nie gelingen wird, an beidem etwas Grundlegendes zu ändern. Die Folgen wären fatal. Vielmehr sollte er seine Aufgabe darin sehen, die Gefahren für Unfälle durch technische Sicherheit ebenso zu verkleinern, wie durch eine zielführende Gestaltung enbtsprechender, unfallverhütender Schulungen.
Hier einige Beispiele für Todesfälle unterschiedlichster Art aus dem Jahre 1910 in unserer Region. Die in der Zeitung angegebenen Namen wurden von mir bis auf den Anfangsbuchstaben gestrichen. Die hier aufgewählten Unfälle stellen nur eine Auswahl dar. In den zitierten Zeitungen waren noch mehr angegeben.
15.10.1910: "In Herrmansacker schoss ein junger Mann dem zehnjährigen Sohn des Tischlers M. mit einer Luftbüchse ins Auge. Die erhaltenen Verletzungen waren derart, dass sich die Überführung nach der Nordhäuser Augenklinik notwendig machte. Hoffentlich bleiben die Prügel für den unvorsichtigen Schützen nicht aus."
29.10.1910: "Ein erschütternder Todesfall wird aus Nordhausen gemeldet. Der Böttchermeister G., ein 67-jähriger geachteter Bürger der Stadt, in Altendorf wohnhaft, befand sich gegen 7 Uhr abends in Gesellschaft seiner Gattin und befreundeter Familien auf dem Heimweg von einem Nachmittagsspaziergang. An der Ecke Geiersberg stürzte er plötzlich von einem Herzschlag getroffen leblos zu Boden. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte nur den schon eingetretenen Tod feststellen."
"Auf dem Gütherbahnhofe in Nordhausen verunglückte der Schaffner Karl L. aus Uthleben. Beim Überschreiten der Gleise wurde er von einer Lokomotive erfasst und überfahren. Der Unglückliche, dem beide Beine abgefahren waren, wurde sofort in das Krankenhaus geschafft. Aber schon nach wenigen Stunden, um 2 1/2 Uhr, erlöste der Tod den Armen von seinen Qualen."
05.11.1910: "Auf dem Königl. Salzwerk in Bleicherode verunglückte der Schachtarbeiterb Paul R. aus Niedergebra, indem er beim Auskoppeln der Förderlowris zwischen dieselben geriet, wodurch ihm der Kopf zerquetscht wurde."
19.11.1910: "Die ersten Schneestürme sind über unsere Heimat hinweggebraust. Leider haben sie auf dem Eichsfelde ein Menschenopfer gefordert. Ein Ackerknecht vom Rittergut Friedland ist während des Flügens während des Schneesturmes umgekommen. Ein Reisender aus Heiligenstadt fand an dem Wege von Friedland nach Reckershausen die Leiche des Verunglückten zwischen dem Ackerflug und den Zugtieren liegen."
3. Dezember 1910: "Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich unweit Reinhausen. Durch einen Fehltritt des Pferdes stürzte der zwischen Diemarden und Bremke verkehrende Postomnibus, in dem sich außer dem Kutscher noch drei Personen befanden, die vier Meter hohe Böschung hinunter in den Wendebach. Der Wagen überschlug sich und die Fahrgäste stürzten ins Wasser. Das Pferd brach das Genick und blieb tot liegen. Von den Insassen hat einer eine Arm- und Rückenverletzung davongetragen."
Die Reihe wird in loser Folge zu verschiedenen Themen und Schwerpunkten fortgesetzt. Zitiert und kommentiert von
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzNatürlich war auch das Jahr 1910 nicht frei von menschlichen Dramen, Mord, Totschlag und Unfällen. Während Neid, Missgunst und private Probleme zeitlose Anlässe für Gewalt sind, so zeigen sich bei Unfällen und deren Ursachen Unterschiede zur Gegenwart. Die heutige moderne Technik ist zwar sicherer, als die damalige, aber sie fordert, unvollkommen wie ihr Urheber, dennoch Opfer. - Vielleicht ein wenig anders und oft schneller als damals.
Es scheint zudem so zu sein, als sei der Unfall oder gar der Unfalltod vor 100 Jahren noch viel mehr Teil des damaligen Alltags gewesen. Seine Grausamkeit für die Opfer und ihre Angehörigen indes ist gleichgeblieben. Keine menschliche Erfindung oder Erkenntnis konnte dies leider bisher verhindern. Der Tod aber war und ist ein unverzichtbarer Teil des Lebens. Ein Naturgesetz wie das Leben selbst. Hoffen wir, dass es dem Menschen nie gelingen wird, an beidem etwas Grundlegendes zu ändern. Die Folgen wären fatal. Vielmehr sollte er seine Aufgabe darin sehen, die Gefahren für Unfälle durch technische Sicherheit ebenso zu verkleinern, wie durch eine zielführende Gestaltung enbtsprechender, unfallverhütender Schulungen.
Hier einige Beispiele für Todesfälle unterschiedlichster Art aus dem Jahre 1910 in unserer Region. Die in der Zeitung angegebenen Namen wurden von mir bis auf den Anfangsbuchstaben gestrichen. Die hier aufgewählten Unfälle stellen nur eine Auswahl dar. In den zitierten Zeitungen waren noch mehr angegeben.
Volksblatt für Thüringen
8.10.1910:"In Sollstedt wollte die 60-jährige Botenfrau W. auf eine brennende Lampe Petroleum nachgießen. Hierbei schlug die Flamme in die Kanne, diese explodierte und setzte die Kleider der Frau in Brand, wodurch sie schreckliche Brandwunden am ganzen Körper davon trug. Der ärztlichen Hilfe war es nicht mehr möglich, die Frau am Leben zu erhalten; sie starb unter qualvollen Schmerzen."15.10.1910: "In Herrmansacker schoss ein junger Mann dem zehnjährigen Sohn des Tischlers M. mit einer Luftbüchse ins Auge. Die erhaltenen Verletzungen waren derart, dass sich die Überführung nach der Nordhäuser Augenklinik notwendig machte. Hoffentlich bleiben die Prügel für den unvorsichtigen Schützen nicht aus."
29.10.1910: "Ein erschütternder Todesfall wird aus Nordhausen gemeldet. Der Böttchermeister G., ein 67-jähriger geachteter Bürger der Stadt, in Altendorf wohnhaft, befand sich gegen 7 Uhr abends in Gesellschaft seiner Gattin und befreundeter Familien auf dem Heimweg von einem Nachmittagsspaziergang. An der Ecke Geiersberg stürzte er plötzlich von einem Herzschlag getroffen leblos zu Boden. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte nur den schon eingetretenen Tod feststellen."
"Auf dem Gütherbahnhofe in Nordhausen verunglückte der Schaffner Karl L. aus Uthleben. Beim Überschreiten der Gleise wurde er von einer Lokomotive erfasst und überfahren. Der Unglückliche, dem beide Beine abgefahren waren, wurde sofort in das Krankenhaus geschafft. Aber schon nach wenigen Stunden, um 2 1/2 Uhr, erlöste der Tod den Armen von seinen Qualen."
05.11.1910: "Auf dem Königl. Salzwerk in Bleicherode verunglückte der Schachtarbeiterb Paul R. aus Niedergebra, indem er beim Auskoppeln der Förderlowris zwischen dieselben geriet, wodurch ihm der Kopf zerquetscht wurde."
19.11.1910: "Die ersten Schneestürme sind über unsere Heimat hinweggebraust. Leider haben sie auf dem Eichsfelde ein Menschenopfer gefordert. Ein Ackerknecht vom Rittergut Friedland ist während des Flügens während des Schneesturmes umgekommen. Ein Reisender aus Heiligenstadt fand an dem Wege von Friedland nach Reckershausen die Leiche des Verunglückten zwischen dem Ackerflug und den Zugtieren liegen."
3. Dezember 1910: "Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich unweit Reinhausen. Durch einen Fehltritt des Pferdes stürzte der zwischen Diemarden und Bremke verkehrende Postomnibus, in dem sich außer dem Kutscher noch drei Personen befanden, die vier Meter hohe Böschung hinunter in den Wendebach. Der Wagen überschlug sich und die Fahrgäste stürzten ins Wasser. Das Pferd brach das Genick und blieb tot liegen. Von den Insassen hat einer eine Arm- und Rückenverletzung davongetragen."
Die Reihe wird in loser Folge zu verschiedenen Themen und Schwerpunkten fortgesetzt. Zitiert und kommentiert von
Bodo Schwarzberg
