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Stiftung plant Rating-Agentur

Freitag, 09. Dezember 2011, 12:39 Uhr
Angesichts der weitreichenden Kritik an der Arbeit der internationalen Finanz-Ratingagenturen hat die deutsche Bertelsmann Stiftung die zügige Ent­wicklung eines Modells für eine Non-Profit-Ratingagentur angekündigt. Mit einem Kreis internatio­naler Experten will sie dazu in den kommenden Monaten eine Studie für eine neue Agentur erar­beiten, die sich ausschließlich auf die Bewertung von Staaten konzentrieren soll...


Zur Begründung sagte Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung: „Die Eurokrise hat gezeigt, dass die bestehenden Ratingagenturen Akzeptanzdefizite aufweisen. Den Agenturen mangelt es an Legitimität und Transparenz, und ihre Kriterien zur Bewertung von Ländern sind zu eng ge­fasst.“

Um vor allem die Unabhängigkeit und Akzeptanz dieser neuen Ratingagentur zu erhöhen, soll sie als Non-Profit-Institution operieren. Die von ihr erarbeiteten Länder-Ratings sollen dabei – neben den klassischen Kennzahlen zur Wirtschafts- und Finanzkraft – weitere Kriterien umfassen, die die politischen Gestaltungsleistungen mit Blick auf Reformbereitschaft und Umsetzungsfähigkeit von Regierungen messen. Der Offenlegung von Bewertungskriterien, der Transparenz und Nachvoll­ziehbarkeit von qualitativen Bewertungen und der Verfügbarkeit aller zu Rate gezogenen Daten und Informationen kommt dabei nach Auffassung der Stiftung entscheidende Bedeutung zu. Politi­sche Bewertungen würden auch von den klassischen Ratingagenturen vorgenommen, allerdings oft auf Grundlage schwer nachvollziehbarer Informationen.

„Ganz entscheidend ist es“, so Gunter Thielen, „dass die angewandten Kriterien möglichst umfas­send sind und nicht nur die finanz- und wirtschaftspolitischen Realitäten abbilden, sondern auch das politische Management eines Landes und seine Durchsetzungsfähigkeit bei Reformprozes­sen.“

Thielen betonte, dass es sich bei der angestrebten Einrichtung um eine Ergänzung zu den beste­henden Ratingagenturen handeln solle. Als Voraussetzung müssten die politischen Entscheider in Europa und den USA gemeinsam den Bedarf für eine neue umfassende Bewertung von Ländern erkennen. Denn es solle kein europäisches „Gegenmodell“ zu einem „angelsächsischen“ Modell entstehen. „Unser Modell ist vielmehr ein zusätzliches ‚Fieberthermometer‘, das die Länder umfas­sender und langfristiger unter die Lupe nehmen wird.“

Ein erster Entwurf der Studie soll im Frühjahr 2012 auf der Finanzkonferenz der Bertelsmann Stif­tung in Washington vorgestellt werden, die traditionell parallel zu den Tagungen von IWF und Weltbank organisiert wird. In die Entwicklungsarbeit will die Stiftung bis dahin neben den eigenen Expertennetzwerken weitere internationale Think Tanks einbeziehen.

Die Bertelsmann Stiftung beschäftigt sich seit über zehn Jahren, z. B. im Rahmen des Transfor­mationsindex (BTI) und den Sustainable Governance Indicators (SGI), mit der Entwicklung von Indikatoren zur Messung von wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Entwicklungen. Im Rahmen dieser internationalen Untersuchungen zur Qualität von politischem Management arbeitet sie mit einem Netzwerk von mehr als 300 Experten und Gutachtern in über 150 Ländern zusammen.
Autor: nnz

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