nnz-online

Wackers Neue: Jindrich Pelan

Mittwoch, 07. Dezember 2011, 12:46 Uhr
Seit dieser Saison begeistert ein „weißer Brasilianer“ in der Abwehr des Thüringenligisten FSV Wacker 90 Nordhausen. Es ist Jindrich Pelan. Sandra Arm stellt den Fußballer für die nnz-Leserschaft vor...


Er weiß mit seiner atemberaubenden Spielweise zu begeistern, ob im Nationalteam oder in seinem Verein. Daher bekam Dortmunds Jungstar Mario Götze unlängst den wohlklingenden Spitznamen, „der weiße Brasilianer“, verpasst. Vor ihm wurden bereits der ehemalige Leverkusener Bernd Schneider oder einer der Kultfiguren im deutschen Fußball, Ansgar Brinkmann, der erst kürzlich seine gleichnamige Biografie auf dem Markt brachte, mit selbigem Titel „geadelt“. Auch beim Fußball-Verbandsligisten FSV Wacker 90 Nordhausen tummelt sich seit Saisonbeginn ein „weißer Brasilianer“ - Jindřich Pelan.

Pelan im Zweikampf (Foto: Wacker Nordhausen) Pelan im Zweikampf (Foto: Wacker Nordhausen)

Pelan ist Tscheche, Brasilien kennt er nur von der Landkarte. Auch seine Spielweise erinnert nicht wirklich an die eines brasilianischen Ballkünstlers, sie wirkt zuweilen etwas hölzern. Dennoch hat der 29-jährige Innenverteidiger seine Qualitäten. Aufgrund seiner Körpergröße von 1,84 Meter ist er ein ausgezeichneter Kopfballspieler und verfügt zudem über eine enorme Schussstärke, denn kommt der Linksfuß einmal ungehindert zum Torschuss, dann sorgt er stets für Gefahr.

Allerdings fehlt es oftmals an der nötigen Präzision. Seine Schwäche ist der rechte Fuß. „Der ist wie Holz und nicht so gut“, macht er im gebrochenen deutsch bildhaft (er zeigt auf seinen rechten Fuß) auf sein Handicap aufmerksam. Hart im Nehmen sei er ebenfalls. Im Training beim Zweikampf, rasselten er und Matti Langer mit den Köpfen aneinander. Ein großes „Veilchen“ unter dem linken Auge blieb als Andenken zurück. „So ist Fußball“, kommentiert er das Geschehene. Das kommt wiederum seiner Devise, „hart arbeiten“, gleich - allerdings nicht nur bei den Trainingseinheiten, sondern auch auf dem Platz, wenn es um Punkte geht.

Mit Routinier René Taute hat er einen starken Partner in der Innenverteidigung an seiner Seite. „Er ist für mich wie ein Trainer auf dem Platz.“ So gibt es Taute mal lautstark oder mal wild mit den Armen gestikulierend, um Pelan zu erreichen. Bisher präsentierte sich die Abwehr wie ein Bollwerk, ließ in der Hinrunde erst elf Gegentreffer zu – Ligaspitze. Das ist auch dem „weißen Brasilianer“ mit der Rückennummer 2 zu verdanken.

Auf die Frage, wie er denn nun zu diesem für ihn ungewöhnlichen Spitznamen gekommen sei, erntet man zunächst ein Schmunzeln. „Den hat mir Torsten Last gegeben.“ Dabei erlaubte sich der Fitnesstrainer nicht nur bei dieser Angabe „einen kleinen Spaß“, wohl wissend, dass der Abwehrrecke der deutschen Sprache nur bedingt mächtig ist. „Wir saßen im Café über dem Fragebogen. Ich habe mir überlegt, wie ich den Mann nach vorn bringen kann. Er hat schließlich Qualitäten“, haut er trocken heraus.

Zumal die Nordhäuser mit Dyhonne Lucas do Amaral einen richtigen Brasilianer in ihren Reihen wissen. Pelan ist der zweite Ausländer. „Eigentlich passt der Spitzname nicht so richtig, aber ich wollte einen Kontrapunkt setzen. Johnny sorgt mit seiner Art und Weise für Heiterkeit, er ist der Exotische. Während Jindřich exakt das Gegenteil verkörpert, er kommt ein wenig hölzern daher und er ist Tscheche“, holt er weiter aus und beruhigt, „beide verstehen sich gut“. Pelan nickte die Version ab, verwies aber darauf, dass er lieber „Peli“ genannt werden wolle.

In Erklärungsnot geriet Pelan dann erneut, bei seinem Lebensmotto nämlich. „Carpe noctem“ war im Bogen vermerkt. „Nutze die Nacht“, bedeutet es ins Deutsche übersetzt. Auch da half Last ein wenig nach. „Jindrich arbeitet als Fachkraft für Schutz und Sicherheit und das auch nachts. Daher die Idee für das Motto.“ Last sitzt also der Schalk im Nacken und so kommt der Spaß im Team zuweilen nicht zu kurz. „Wir haben richtig viel Spaß“, bestätigt auch sein Schützling. Noch kann Last also seine Späße treiben. Doch das könnte sich bald ändern, denn der Besuch eines Deutschkurses steht beim Neuzugang kurz bevor. Dann heißt es für Last, sich bald in Acht zu nehmen, wenn Pelan zur „Revanche“ ausholt.

Aufgewachsen ist der Ruhepol im Team unweit der deutsch-tschechischen Grenze in Plana. Sein Vater, selbst aktiver Fußballer, weckte in seinen Sprössling ebenfalls die Leidenschaft für das runde Leder. Zunächst im Heimatland aktiv, wechselte er vor fünf Jahren zum VfB Fortuna Chemnitz, der in der Sachsenliga kickte. Nach nur einer Saison schloss er sich dem bayrischen Verein DJK Vilzing an. Für die Oberpfälzer war er ebenfalls nur eine Serie in der Landesliga aktiv.

Danach kehrte er wieder in die Heimat zurück. So stand er beispielsweise in der abgelaufenen Saison für einen Sechsligisten aus Pilsen auf dem Platz. Währenddessen konnte er in aller Ruhe in Liberec seine dreimonatige Schnellkurs-Ausbildung als Polizist absolvieren. „Sie brauchen Leute, weswegen sie im Schnellkurs ausbilden.“ Nun also der Wechsel nach Nordhausen, der gar nicht so geplant war. „Ich wollte für einen neuen Verein eigentlich nicht so weit reisen. Ein guter Freund sagte mir, dass ich zum Probetraining nach Nordhausen fahren sollte. Ich wusste gar nicht, wo das lag und musste erst nachschauen.“

Die mehr als 400 Kilometer schreckten ihn dennoch nicht ab, die Fahrt in die Rolandstadt anzutreten. Ein Glücksfall, wie sich nur einige Tage später herausstellen sollte. Pelan überzeugte, erhielt einen Ein-Jahres-Vertrag sowie eine Anstellung als Fachsicherheitskraft. „Es ist super hier“, befindet der nun schon seit fast einem halben Jahr bei Wacker spielende Akteur und zeigt sich zudem auch beeindruckt vom Altstadtflair des Südharzstädtchens. Noch schöner wäre es allerdings, wenn er die vielen Freuden mit seiner Freundin teilen könnte. „Das ist schwierig. Sie arbeitet an der Hochschule für Ökonomie in Pilsen und geht demnächst noch für einen Monat nach China.“

Es ist plötzlich still geworden, um den Abwehrriesen, der sich zwar nicht wie ein „weißer Brasilianer“ fühlt, aber dennoch mit seiner Spielweise wie ein Mario Götze zu begeistern weiß.
Sandra Arm
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de