Hagelstange-Lesebuch (2)
Mittwoch, 07. Dezember 2011, 09:39 Uhr
Am 14. November 2011 wurde im Tabakspeicher in Nordhausen die von der Stadt herausgegebene Publikation Rudolf Hagelstange, der Schriftsteller und Dichter aus Nordhausen am Harz - Ein Lesebuch vorgestellt. Hagelstange wurde am 14. Januar 1912 in Nordhausen geboren. In lockerer Folge soll in der nnz Rudolf Hagelstange den Lesern nahe gebracht werden...
Büste (Foto: privat)
Das Bild zeigt die Hagelstange-Büste von Peter Genßler, entstanden im Jahr 2001. Sie befindet sich im Treppenhaus der Kreissparkasse Nordhausen.
Neben der Ehrung, die die Stadt Nordhausen dem gebürtigen Nordhäuser Autor Rudolf Hagelstange durch die Herausgabe eines Lesebuches mit einer Textauswahl aus seinem Werk zukommen lässt, wird es ab 14. Januar 2012 im Kunsthaus Meyenburg zum 100. Geburtstag die Präsentation Rudolf Hagelstange - Kunst und Literatur geben. Hagelstange hat Zeit Lebens Wert darauf gelegt, die Bekanntschaft mit Künstlern zu machen und wenn möglich, seine Bücher von ihnen illustrieren zu lassen.
Bibliophile Ausgaben seiner Werke waren ihm gleichfalls Bedürfnis. So wird der Besucher ab 14. Januar einer ganzen Reihe solcher exquisiten Buchausgaben begegnen, die von privaten Sammlern und von der Stadtbibliothek Rudolf Hagelstange zur Verfügung gestellt werden. Zu den Büchern werden in allen Räumen des Hauses originale Kunstwerke einer ganzen Anzahl von Künstlern präsentiert, die Hagelstanges Bücher zu seiner Freude mit ihrer Kunst bereicherten. Einige der bekanntesten seien genannt: Frans Masereel, HAP Grieshaber, Hansen-Bahia, Eduard Prüssen, Richard Seewald, Helmut Bibow, Bernhard Kühlewein.
Ein Künstler, der ihn sehr angesprochen hat, war der bedeutende belgische Graphiker, Zeichner und Maler Frans Masereel (1889-1972), der vor allem durch seine von starken Emotionen geprägten Holzschnitte bekannt wurde. Er vertrat in seiner Kunst konsequent die Ideen des Humanismus.
Masereel wurde 1889 in Belgien geboren. besuchte in Gent eine Kunsthochschule, beendete sie nicht und unternahm mehrere Reisen. 1911 ließ er sich in Paris nieder und emigrierte dann in die Schweiz, wo er für verschiedene Journale und Zeitschriften als Grafiker und Illustrator arbeitete.
Um 1920 entstanden seine berühmten Holzschnittserien als Bilderromane wie Passion eines Menschen, Mein Stundenbuch, Die Idee, Die Sonne und Geschichte ohne Worte. Diese Arbeiten sind größtenteils sozialkritischen Inhaltes und trugen zu Masereels internationaler Bekanntheit bei. Er bediente sich der expressionistischen Formensprache und stellte die Menschen oft in ihrer Verlorenheit und Verlassenheit in der modernen Zivilisation dar, ohne indessen Pessimismus zu propagieren. Er zeigte gleichfalls Beispiele für Handlungsmöglichkeiten, um die Menschenwürde zu bewahren.
In den 20er Jahren entstehen auch Illustrationen zu Werken von Thomas Mann, Emile Zola und Stefan Zweig, mit dem er befreundet war. 1921 kehrte er nach Paris zurück. Er stellte unter anderem in Moskau, Amsterdam, München, Hamburg, Köln, Berlin und New York
aus.
Im Juni 1940 flohen Masereel und seine Frau Pauline mit anderen zu Fuß vor den deutschen Truppen aus Paris. Sie hielten sich dann an wechselnden Orten in Südfrankreich auf. 1968 starb Masereels Frau in Nizza, er starb 1972 in Avignon und wurde in Gent beigesetzt.
Cover (Foto: privat)
Hagelstange war noch nicht lange in der Bundesrepublik, da erschien 1951 im Insel-Verlag und im Tschudy-Verlag St. Gallen ein besonderer Druck von ihm in 600 Exemplaren. Die Erzählung heißt Balthasar, ist eine moderne Erzählung der Dreikönigslegende, und zeigt acht Originalholzschnitten von Frans Masereel. Jedes Exemplar trägt eine Nummer und wurde vom Dichter und vom Künstler signiert.
In der Nordhäuser Ausstellung wird die Nr. 32 gezeigt. Vier Jahre später kam von Hagelstange im Europa Verlag in Zürich das Bändchen Die Nacht mit 37 Holzschnitten Masereels heraus, die dieser 1953 geschnitten hatte. Hagelstange wurde von Verlagen gebeten, für Bücher mit Holzschnitten des Künstlers, die nach dem 2. Weltkrieg herausgegeben werden sollten, Essays über dessen Leben und Wirken zu verfassen, die als Vor- oder Nachworte erschienen, denn Hagelstange war mit Masereel persönlich bekannt.
1957 druckte der Fackelträger-Verlag in Hannover den Band Gesang des Lebens – Rudolf Hagelstange Das Werk Frans Masereels. 150 Exemplare präsentieren sich als nummerierte Sonderausgabe mit einem signierten Originalholzschnitt von Frans Masereel. In Nordhausen wird die Buch-Nummer 107 ausgestellt.
Der Paul List-Verlag München gab 1978 von Hagelstange Und es geschah zur Nacht ... Mein Weihnachtsbuch heraus, in dem Holzschnitte von Maseereel zu sehen sind, ein Holzschnitt von HAP Grieshaber und Linolschnitte von Eduard Prüssen. Die Reihe der Buchausgaben, in denen Masereel und Hagelstange verbunden sind, ließe sich fortsetzen.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz
Büste (Foto: privat)
Das Bild zeigt die Hagelstange-Büste von Peter Genßler, entstanden im Jahr 2001. Sie befindet sich im Treppenhaus der Kreissparkasse Nordhausen.
Neben der Ehrung, die die Stadt Nordhausen dem gebürtigen Nordhäuser Autor Rudolf Hagelstange durch die Herausgabe eines Lesebuches mit einer Textauswahl aus seinem Werk zukommen lässt, wird es ab 14. Januar 2012 im Kunsthaus Meyenburg zum 100. Geburtstag die Präsentation Rudolf Hagelstange - Kunst und Literatur geben. Hagelstange hat Zeit Lebens Wert darauf gelegt, die Bekanntschaft mit Künstlern zu machen und wenn möglich, seine Bücher von ihnen illustrieren zu lassen.
Bibliophile Ausgaben seiner Werke waren ihm gleichfalls Bedürfnis. So wird der Besucher ab 14. Januar einer ganzen Reihe solcher exquisiten Buchausgaben begegnen, die von privaten Sammlern und von der Stadtbibliothek Rudolf Hagelstange zur Verfügung gestellt werden. Zu den Büchern werden in allen Räumen des Hauses originale Kunstwerke einer ganzen Anzahl von Künstlern präsentiert, die Hagelstanges Bücher zu seiner Freude mit ihrer Kunst bereicherten. Einige der bekanntesten seien genannt: Frans Masereel, HAP Grieshaber, Hansen-Bahia, Eduard Prüssen, Richard Seewald, Helmut Bibow, Bernhard Kühlewein.
Ein Künstler, der ihn sehr angesprochen hat, war der bedeutende belgische Graphiker, Zeichner und Maler Frans Masereel (1889-1972), der vor allem durch seine von starken Emotionen geprägten Holzschnitte bekannt wurde. Er vertrat in seiner Kunst konsequent die Ideen des Humanismus.
Masereel wurde 1889 in Belgien geboren. besuchte in Gent eine Kunsthochschule, beendete sie nicht und unternahm mehrere Reisen. 1911 ließ er sich in Paris nieder und emigrierte dann in die Schweiz, wo er für verschiedene Journale und Zeitschriften als Grafiker und Illustrator arbeitete.
Um 1920 entstanden seine berühmten Holzschnittserien als Bilderromane wie Passion eines Menschen, Mein Stundenbuch, Die Idee, Die Sonne und Geschichte ohne Worte. Diese Arbeiten sind größtenteils sozialkritischen Inhaltes und trugen zu Masereels internationaler Bekanntheit bei. Er bediente sich der expressionistischen Formensprache und stellte die Menschen oft in ihrer Verlorenheit und Verlassenheit in der modernen Zivilisation dar, ohne indessen Pessimismus zu propagieren. Er zeigte gleichfalls Beispiele für Handlungsmöglichkeiten, um die Menschenwürde zu bewahren.
In den 20er Jahren entstehen auch Illustrationen zu Werken von Thomas Mann, Emile Zola und Stefan Zweig, mit dem er befreundet war. 1921 kehrte er nach Paris zurück. Er stellte unter anderem in Moskau, Amsterdam, München, Hamburg, Köln, Berlin und New York
aus.
Im Juni 1940 flohen Masereel und seine Frau Pauline mit anderen zu Fuß vor den deutschen Truppen aus Paris. Sie hielten sich dann an wechselnden Orten in Südfrankreich auf. 1968 starb Masereels Frau in Nizza, er starb 1972 in Avignon und wurde in Gent beigesetzt.
Cover (Foto: privat)
Hagelstange war noch nicht lange in der Bundesrepublik, da erschien 1951 im Insel-Verlag und im Tschudy-Verlag St. Gallen ein besonderer Druck von ihm in 600 Exemplaren. Die Erzählung heißt Balthasar, ist eine moderne Erzählung der Dreikönigslegende, und zeigt acht Originalholzschnitten von Frans Masereel. Jedes Exemplar trägt eine Nummer und wurde vom Dichter und vom Künstler signiert. In der Nordhäuser Ausstellung wird die Nr. 32 gezeigt. Vier Jahre später kam von Hagelstange im Europa Verlag in Zürich das Bändchen Die Nacht mit 37 Holzschnitten Masereels heraus, die dieser 1953 geschnitten hatte. Hagelstange wurde von Verlagen gebeten, für Bücher mit Holzschnitten des Künstlers, die nach dem 2. Weltkrieg herausgegeben werden sollten, Essays über dessen Leben und Wirken zu verfassen, die als Vor- oder Nachworte erschienen, denn Hagelstange war mit Masereel persönlich bekannt.
1957 druckte der Fackelträger-Verlag in Hannover den Band Gesang des Lebens – Rudolf Hagelstange Das Werk Frans Masereels. 150 Exemplare präsentieren sich als nummerierte Sonderausgabe mit einem signierten Originalholzschnitt von Frans Masereel. In Nordhausen wird die Buch-Nummer 107 ausgestellt.
Der Paul List-Verlag München gab 1978 von Hagelstange Und es geschah zur Nacht ... Mein Weihnachtsbuch heraus, in dem Holzschnitte von Maseereel zu sehen sind, ein Holzschnitt von HAP Grieshaber und Linolschnitte von Eduard Prüssen. Die Reihe der Buchausgaben, in denen Masereel und Hagelstange verbunden sind, ließe sich fortsetzen.
Heidelore Kneffel
