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nnz-Wetterrückblick: Null komma sechs

Montag, 05. Dezember 2011, 17:50 Uhr
Null Komma sechs Liter pro Quadratmeter Niederschlag verzeichnete die Wetterstation auf dem Campus der FH Nordhausen im November 2011. An vielen Stationen deutschlandweit, auch in Thüringen wurde gar kein Niederschlag registriert. Ein neues Extrem, gilt doch der Herbst als relativ stabile, sich wenig ändernde Periode in den Zeiten des Klimawandels...


Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat) Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat) Nicht nur extrem wenig Niederschlag, sondern auch viel Sonne zeichnete die Nordhäuser Station auf. Das Pyranometer berechnete 98 Stunden Sonnenschein, rund drei Stunden pro Tag. Üblich oder normal sind im Nordhäuser November 1,5 Stunden pro Tag. Astronomisch möglich wären aufgrund der Lage auf dem 51. Breitengrad immerhin neun Stunden. Im Jahr 2011 schien die Sonne bisher 1958 Stunden.

Im gesamten Jahr 2010 waren es 700 Stunden weniger. Es ist zu erwarten, dass in 2011 im Südharz die 2000 Stunden erreicht werden. Normalerweise scheint in Nordhausen, gemittelt über 25 Jahre, die Sonne 1660 Stunden, deutschlandweit 1550 Stunden pro Jahr. Der Südharz profitiert von der Lage im Wolken- bzw. Regenschatten von Harz und Ohmgebirge. Mehr als 2000 Stunden Sonne gibt es üblicherweise an den Küsten von Nord- und Ostsee.

Zurück zum Niederschlag: Die Station hat immerhin 0,6 Liter pro Quadratmeter am 10. und 26. November registriert (LJM: 50mm). Hierbei handelt es sich allerdings nicht um das absolute Nordhäuser Niederschlagsminimum, dieses wurde im September 1959 mit 0,5 L/m² gemessen. Das bisherige November-Minimum betrug im Jahr 1978 2,8 L/m². Seit September fielen im Südharz rund 88 L/m² Niederschlag, die mittlere Niederschlagssumme im meteorologischen Herbst liegt allerdings bei 144 L/m².

Die landwirtschaftlichen Nutzflächen zeigen bereits erste Trockenschäden, hier vor allem bei Getreide. Insgesamt wurden seit Januar 2011 416 L/m² Niederschlag auf dem Campus gesammelt. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagssumme beträgt rund 600 mm, die aber wohl in diesem Jahr nicht mehr erreicht wird.

Niederschlag wird in den gemäßigten Breiten häufig an Fronten gebildet: Es entsteht großräumig Landregen, wenn warme Luft auf kalte Luftmassen aufgleitet (Warmfront) oder räumlich begrenzte Stark- oder Gewitterniederschläge, wenn kalte Luft warme Luft vom Erdboden abhebt und die Atmosphäre labil wird. Diese Fronten sind an Tiefdruckgebiete gebunden, die vom Atlantik nach Mitteleuropa ziehen.

Im November stand das Barometer im Südharz allerdings auf Hochdruck (1010 – 1035 hPa). Die Tiefdruckgebiete zogen im Norden oder Süden an Mitteldeutschland vorbei. Der fallende Niederschlag blieb in der Folge aus. Trotzdem konnte in den frühen Morgenstunden, zum Teil auch ganztägig, dichter Nebel beobachtet werden. Die Lufttemperatur sank unter die Taupunkttemperatur, der Wasserdampf kondensierte auf den Oberflächen (Vegetation, Fahrzeuge etc.) zu Wassertröpfchen. Dies wird als abgesetzter Niederschlag bezeichnet und muss in die Niederschlagssumme mit eingerechnet werden. Allerdings ist die messtechnische Erfassung von Tau sehr aufwendig. Der Anteil des abgesetzten Niederschlags an der gesamten Jahresniederschlagssumme liegt bei uns im Mittel bei etwa 5%.

Der Wind frischte in den letzten Novembertagen auf, es wurden durchschnittliche Windgeschwindigkeiten von 4-5 Meter pro Sekunde erreicht. Der Wind fegte endlich die letzten Blätter von den Bäumen. Damit einhergehend drehte der Wind auf westliche Richtungen und brachte neben einigen Tiefausläufern ausgeglichene und wärmere Temperaturen von ca. 9 °C mit sich. Die maximale Novembertemperatur betrug 17,3°C am 03. November, die minimale Temperatur wurde mit minus 6°C am 13. November gemessen. Es gab immerhin 15 Frosttage und bereits einen Eistag am 15. November. Die mittlere November-Temperatur betrug 3,9°C und entsprach damit dem langjährigen Mittel (3,8°C).

Nach einem in das Bild des Klimawandels passenden zu sonnenscheinreichen und deutlich zu trockenen November 2011 wird sich nun, so die Jahreszeiten-Prognose der Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst, ein im Vergleich zu der Zeitperiode 1961 bis 1990 zu milder Winter 2011/2012 anschließen, was bei den derzeitigen Heizöl- und Strompreisen aber gar nicht so schlimm ist.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz

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