Wacker's Neue: Pascal Biank
Freitag, 25. November 2011, 11:24 Uhr
Es ist kurz vor 18 Uhr, als Pascal Biank, wie immer gut gelaunt und mit seinem Kulturbeutel unter dem rechten Arm, den Albert-Kuntz-Sportpark betritt. Die Fahrt nach Nordhausen hat ein wenig länger gedauert, entschuldigt sich der gebürtige Hannoveraner, der seit Saisonbeginn die Töppen für den Fußball-Verbandsligisten FSV Wacker 90 Nordhausen schnürt…
Man, ist das kalt hier, schaut auf sein Handy, das eine Temperatur um den Gefrierpunkt anzeigt, reibt sich die Hände und entgegnet, in Hannover war es noch wärmer. Auch wenn Kalle, wie er von allen nur gerufen wird, den Sommer lieber mag, ist er dennoch keine Frostbeule, wie der 24-Jährige spätestens beim Training anschaulich beweist. So trägt er an den Beinen nur seine Stutzen, darüber seine kurze Hose. Das reicht. Hauptsache, ich bin oben herum gut eingepackt. Getreu dem Zwiebelschalenprinzip trägt er zwei T-Shirts, einen Pullover und seine Trainingsjacke übereinander. Eine Mütze für seinen kahlgeschorenen Kopf sucht man allerdings vergeblich. Die brauche ich nicht, meint er und steuert zielgerichtet auf den Nebenplatz zu.
Der Trainingsstart verzögert sich. Warum ist es auf dem Platz noch kein Licht?, fragt sich nicht nur der eine oder andere auf den Platz schleichende Protagonist angesichts der noch dunklen Kulisse auf dem zum Teil mit Raureif überdeckten und leicht angefrorenen Nebenplatz. Die Zeit wissen die Akteure bis zum Einschalten des Flutlichts gut zu überbrücken, das Netz mit den Bällen hat es ihnen angetan. Also wird gleich mal eine Runde gekickt. Mit dabei ist auch Biank, der ständig in Bewegung sein muss. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch, kann auch zu Hause nicht lange stillsitzen, verrät der Mittelstürmer am Rande. Daher ist das Aufwärmprogramm von Fitnesstrainer Torsten Last ganz nach seinem Geschmack. Quer über den Platz scheucht Last seine Schützlinge, mal im Froschgang oder mal Huckepack tragend. Immer wieder korrigiert und vor allem motiviert Last lautstark.
Viel Motivation war auch bei Biank vonnöten, als er vor vier Jahren fast den Spaß am Fußballspielen verlor. Das war der Knackpunkt in meiner Karriere, sagt er mit leiser Stimme. Dabei begann seine Karriere eigentlich wie im Bilderbuch. Mit acht Jahren wechselte er von seinem Heimatverein zur D-Jugend des TSV Havelse und wurde in diesem speziell im zentralen Mittelfeld ausgebildet. Ich kann eigentlich alles spielen, merkt er an und schiebt nach, ich wurde schon als Links- und Rechtsverteidiger eingesetzt, aber am wohlsten fühle ich mich im offensiven Mittelfeld. Das Talent blieb nicht unentdeckt – 2000 folgte der Wechsel zu Hannover 96.
Ein Fan ist er bis heute nicht von diesem Verein. Viel mehr schlägt sein Herz seit Kindertagen für den 1. FC Köln. Als ich den Geißbock Hennes gesehen habe, war es um mich geschehen. Während er den Kölnern also bis heute die Treue hält, waren es neun Jahre bei den Roten. Diese erlebte er wie in einer Achterbahn mit dem Höhepunkt im Jahr 2006, als Peter Neururer, der damalige Erstligatrainer von Hannover 96, großes Interesse am Youngster bekundete. Zu der Zeit habe ich bei den Amateuren in der Regionalliga gespielt und bei der ersten Mannschaft mittrainiert, klärt Biank auf.
Angesichts der Perspektive war die Freude, die allerdings nur zehn Tage hielt, groß. Das Schicksal nahm seinen Lauf: Neururer wurde im Spätsommer entlassen, Dieter Hecking übernahm. Er sagte mir nach dem Training, dass ich nicht sein Spielertyp sei. Der Traum vom Profifußballer war in diesem Moment ausgeträumt. Also lief er nun weiter für die Reserve auf. Im ersten Jahr lief alles noch super, bis Andreas Bergmann die Mannschaft übernahm. Die zwei Jahre waren für mich Katastrophenjahre, erinnert er sich nur ungern zurück. Biank holt weiter aus: Er hat mir den Spaß am Fußball genommen. Die Gründe will er allerdings nicht nennen.
Der sonst so lebenslustige Fußballer zog sich zurück, nahm eine einjährige Auszeit. Doch ein Leben ohne Fußball konnte sich der Rechtsfuß nicht vorstellen. In der 7. Liga machte er sich wieder fit, um anschließend beim SC Langenhagen in der Oberliga neu anzufangen. Ich habe mich in beiden Mannschaften sehr wohlgefühlt, begründet er seine aktive Rückkehr auch im Hinblick darauf, dass ich den Spaß wiedergefunden habe.
Spaß hat Biank nun auch beim FSV Wacker 90 Nordhausen. Ob im Training, bei den Spielen oder außerhalb des Platzes. Diesen hat er insbesondere Trainer Jörg Goslar zu verdanken, der ebenfalls im Sommer beim FSV anheuerte. Ich wollte einfach mit ihm arbeiten, weil ich seine Arbeit sehr schätze, entgegnete er auf die Frage, warum er in der Sommerpause zu Wacker gewechselt sei. Noch dazu kennen sich beide bereits aus gemeinsamen Tagen bei Hannover 96.
Auch das visionäre Konzept des Vereins überzeugte Biank. Trotz anfänglicher Startschwierigkeiten hat er sich inzwischen eingelebt. Ich habe es am Anfang schwer gefunden, als neuer Spieler auf die Mannschaft zu treffen. Ich fühle mich sehr wohl, sagt er ehrlich und direkt, so wie es seiner Art entspricht. Ich sage immer, was ich denke. So bin ich und das wird sich in meinem Leben niemals ändern. Die direkte Art bekommen dann die Teamkollegen ebenfalls zu spüren.
Auf dem Platz bin ich ein Hitzkopf. Dann wird es auch schon einmal laut. Auch in den wöchentlichen Einheiten, denn für das große Ziel – Aufstieg in die Oberliga – gilt es nach seiner Auffassung, immer 110 Prozent zu geben. Wir liegen absolut im Soll. Wir haben acht Punkte Vorsprung auf den Zweiten, haben noch kein Spiel verloren und wollen auch am Sonnabend gegen Arnstadt nicht verlieren, verdeutlicht er die aktuelle Situation.
Abseits des Platzes mag es der Auszubildende zum Fachlageristen gern rasant. Ich liebe schnelle Autos, kommt er ein wenig ins Schwärmen. Selbst fährt er einen umgebauten Oper Kadett. Doch schon bald soll ein neuer und vor allem großer Geländewagen für Freundin Franzi und Mischlingshündin Paris, den Namen hat meine Mutter ausgesucht, vor der Haustür stehen. Darauf spare ich, verrät Biank, der trotz dieses Wunsches, wie er selbst sagt, immer auf dem Boden geblieben ist.
Trainingsschluss. Es ist mittlerweile kurz nach 20 Uhr, als Jörg Goslar seine Akteure zum Duschen schickt. Die Zeit drängt, denn gemeinsam mit Trainer, Torsten Last und Teamkollege Dyhonne Lucas do Amaral fährt er anschließend wieder zurück ins mehr als 200 Kilometer entfernte Hannover.
Sandra Arm
Autor: nnzMan, ist das kalt hier, schaut auf sein Handy, das eine Temperatur um den Gefrierpunkt anzeigt, reibt sich die Hände und entgegnet, in Hannover war es noch wärmer. Auch wenn Kalle, wie er von allen nur gerufen wird, den Sommer lieber mag, ist er dennoch keine Frostbeule, wie der 24-Jährige spätestens beim Training anschaulich beweist. So trägt er an den Beinen nur seine Stutzen, darüber seine kurze Hose. Das reicht. Hauptsache, ich bin oben herum gut eingepackt. Getreu dem Zwiebelschalenprinzip trägt er zwei T-Shirts, einen Pullover und seine Trainingsjacke übereinander. Eine Mütze für seinen kahlgeschorenen Kopf sucht man allerdings vergeblich. Die brauche ich nicht, meint er und steuert zielgerichtet auf den Nebenplatz zu.
Der Trainingsstart verzögert sich. Warum ist es auf dem Platz noch kein Licht?, fragt sich nicht nur der eine oder andere auf den Platz schleichende Protagonist angesichts der noch dunklen Kulisse auf dem zum Teil mit Raureif überdeckten und leicht angefrorenen Nebenplatz. Die Zeit wissen die Akteure bis zum Einschalten des Flutlichts gut zu überbrücken, das Netz mit den Bällen hat es ihnen angetan. Also wird gleich mal eine Runde gekickt. Mit dabei ist auch Biank, der ständig in Bewegung sein muss. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch, kann auch zu Hause nicht lange stillsitzen, verrät der Mittelstürmer am Rande. Daher ist das Aufwärmprogramm von Fitnesstrainer Torsten Last ganz nach seinem Geschmack. Quer über den Platz scheucht Last seine Schützlinge, mal im Froschgang oder mal Huckepack tragend. Immer wieder korrigiert und vor allem motiviert Last lautstark.
Viel Motivation war auch bei Biank vonnöten, als er vor vier Jahren fast den Spaß am Fußballspielen verlor. Das war der Knackpunkt in meiner Karriere, sagt er mit leiser Stimme. Dabei begann seine Karriere eigentlich wie im Bilderbuch. Mit acht Jahren wechselte er von seinem Heimatverein zur D-Jugend des TSV Havelse und wurde in diesem speziell im zentralen Mittelfeld ausgebildet. Ich kann eigentlich alles spielen, merkt er an und schiebt nach, ich wurde schon als Links- und Rechtsverteidiger eingesetzt, aber am wohlsten fühle ich mich im offensiven Mittelfeld. Das Talent blieb nicht unentdeckt – 2000 folgte der Wechsel zu Hannover 96.
Ein Fan ist er bis heute nicht von diesem Verein. Viel mehr schlägt sein Herz seit Kindertagen für den 1. FC Köln. Als ich den Geißbock Hennes gesehen habe, war es um mich geschehen. Während er den Kölnern also bis heute die Treue hält, waren es neun Jahre bei den Roten. Diese erlebte er wie in einer Achterbahn mit dem Höhepunkt im Jahr 2006, als Peter Neururer, der damalige Erstligatrainer von Hannover 96, großes Interesse am Youngster bekundete. Zu der Zeit habe ich bei den Amateuren in der Regionalliga gespielt und bei der ersten Mannschaft mittrainiert, klärt Biank auf.
Angesichts der Perspektive war die Freude, die allerdings nur zehn Tage hielt, groß. Das Schicksal nahm seinen Lauf: Neururer wurde im Spätsommer entlassen, Dieter Hecking übernahm. Er sagte mir nach dem Training, dass ich nicht sein Spielertyp sei. Der Traum vom Profifußballer war in diesem Moment ausgeträumt. Also lief er nun weiter für die Reserve auf. Im ersten Jahr lief alles noch super, bis Andreas Bergmann die Mannschaft übernahm. Die zwei Jahre waren für mich Katastrophenjahre, erinnert er sich nur ungern zurück. Biank holt weiter aus: Er hat mir den Spaß am Fußball genommen. Die Gründe will er allerdings nicht nennen.
Der sonst so lebenslustige Fußballer zog sich zurück, nahm eine einjährige Auszeit. Doch ein Leben ohne Fußball konnte sich der Rechtsfuß nicht vorstellen. In der 7. Liga machte er sich wieder fit, um anschließend beim SC Langenhagen in der Oberliga neu anzufangen. Ich habe mich in beiden Mannschaften sehr wohlgefühlt, begründet er seine aktive Rückkehr auch im Hinblick darauf, dass ich den Spaß wiedergefunden habe.
Spaß hat Biank nun auch beim FSV Wacker 90 Nordhausen. Ob im Training, bei den Spielen oder außerhalb des Platzes. Diesen hat er insbesondere Trainer Jörg Goslar zu verdanken, der ebenfalls im Sommer beim FSV anheuerte. Ich wollte einfach mit ihm arbeiten, weil ich seine Arbeit sehr schätze, entgegnete er auf die Frage, warum er in der Sommerpause zu Wacker gewechselt sei. Noch dazu kennen sich beide bereits aus gemeinsamen Tagen bei Hannover 96.
Auch das visionäre Konzept des Vereins überzeugte Biank. Trotz anfänglicher Startschwierigkeiten hat er sich inzwischen eingelebt. Ich habe es am Anfang schwer gefunden, als neuer Spieler auf die Mannschaft zu treffen. Ich fühle mich sehr wohl, sagt er ehrlich und direkt, so wie es seiner Art entspricht. Ich sage immer, was ich denke. So bin ich und das wird sich in meinem Leben niemals ändern. Die direkte Art bekommen dann die Teamkollegen ebenfalls zu spüren.
Auf dem Platz bin ich ein Hitzkopf. Dann wird es auch schon einmal laut. Auch in den wöchentlichen Einheiten, denn für das große Ziel – Aufstieg in die Oberliga – gilt es nach seiner Auffassung, immer 110 Prozent zu geben. Wir liegen absolut im Soll. Wir haben acht Punkte Vorsprung auf den Zweiten, haben noch kein Spiel verloren und wollen auch am Sonnabend gegen Arnstadt nicht verlieren, verdeutlicht er die aktuelle Situation.
Abseits des Platzes mag es der Auszubildende zum Fachlageristen gern rasant. Ich liebe schnelle Autos, kommt er ein wenig ins Schwärmen. Selbst fährt er einen umgebauten Oper Kadett. Doch schon bald soll ein neuer und vor allem großer Geländewagen für Freundin Franzi und Mischlingshündin Paris, den Namen hat meine Mutter ausgesucht, vor der Haustür stehen. Darauf spare ich, verrät Biank, der trotz dieses Wunsches, wie er selbst sagt, immer auf dem Boden geblieben ist.
Trainingsschluss. Es ist mittlerweile kurz nach 20 Uhr, als Jörg Goslar seine Akteure zum Duschen schickt. Die Zeit drängt, denn gemeinsam mit Trainer, Torsten Last und Teamkollege Dyhonne Lucas do Amaral fährt er anschließend wieder zurück ins mehr als 200 Kilometer entfernte Hannover.
Sandra Arm



