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Es könnte knallen!

Mittwoch, 17. September 2003, 09:23 Uhr
Nordhausen (nnz). Bereitschaftsdienst als Arbeitszeit in Krankenhäusern. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes wird die Krankenhauslandschaft in Deutschland „aufmischen“. Welche Folgen das alles für das Südharz-Krankenhaus haben könnte, das wollte die nnz wissen.


Eigentlich könne Krankenhaus-Geschäftsführer Antonius Pille dazu keinen Kommentar abgeben, schließlich müsse das Luxemburger Urteil erst in deutsches Arbeitsrecht umgesetzt werden. Doch jetzt schon ist für Pille klar, dass eine Umsetzung „äußerst schwierig“ sein werde. „Es fehlt uns Geld und es fehlen uns Ärzte!“. Wenn Bereitschaftsdienste künftig als Arbeitszeit bezahlt werden müssen, dann müsste das Krankenhaus rund 25 neue Assistenzärzte einstellen, könnte sie aber nicht bezahlen. Die Ärzte sind jedoch auf dem Arbeitsmarkt überhaupt nicht da. Und es kommt noch dicker: Die Assistenzärzte müssten zudem auf etwa 30 Prozent ihres Gehaltes verzichten.

Es werde fürchterlich knallen in den deutschen Krankenhäusern, ist sich Pille sicher und plädiert deshalb dringend für eine Übergangslösung. Das Urteil habe nicht nur auf die Krankenhäuser Auswirkungen, sondern zum Beispiel auch auf den Rettungsdienst. Für den Landkreis Nordhausen bedeute dies die Einstellung von sechs Notärzten. Das sei nicht zu bezahlen. Also heißt es für Antonius Pille und seine Kollegen in den anderen Krankenhäusern erst einmal abwarten. Und so einfach, wie sich das Politiker oder Verbandsfunktionäre derzeit mit ihren Aussagen machten, so einfach werde es nicht funktionieren. Vielleicht sollten sich diese Damen und Herren in den kommenden Tagen und Wochen mal an der „Krankenhausbasis“ umhören, empfiehlt die nnz.
Autor: nnz

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