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nnz-Betrachtung: Auf in den Kampf...

Mittwoch, 16. November 2011, 14:40 Uhr
Nun stehen sie (fast) alle fest: Die Kandidaten, die ab dem kommenden Mai diese Stadt oder diesen Landkreis regieren wollen. Zeit also für eine erste kleine Erwärmung vor dem heißen Wahlkampf...


Die Namen sind hinlänglich bekannt, die Hauptakteure wissen nun, mit wem sie es zu tun haben. Letztlich dreht es sich um die Kandidaten der drei großen Parteien: CDU, SPD und LINKE. Bündnis90/Grüne und FDP mögen es mir nachsehen, wenn sie als zu vernachlässigende Größe in diesem Geschehen gelten.

Das, was die drei Großen aufzubieten haben, ist – unterm Strich – ein Armutszeugnis. Es ist wie ein letzter Versuch. Für die Partei und für die Kandidaten selbst. Mit der Ausnahme der SPD-Kandidaten steht bei allen anderen hinter der Altersangabe eine 5 als erste Ziffer. Für die CDU-Kandidaten Egon Primas und Dr. Klaus Zeh ist es darüber hinaus die letzte Möglichkeit, ein kommunales Spitzenamt hauptamtlicher Natur zu erklimmen. Nachwuchsarbeit sieht anders aus.

Drei der Kandidaten – Birgit Keller (LINKE), Egon Primas und Klaus Zeh – können diese Wahl eigentlich auch ganz entspannt angehen. Sie sind als Landtagsabgeordnete im Fall einer Wahlniederlage abgesichert. Primas und Zeh machen das dann weiter, was sie seit über 20 Jahren machen: Politik. Für beide wird es – im Falle eines Wahlsieges – die erste und zugleich letzte Legislatur als Oberbürgermeister oder Landrat. Das bringt durchaus auch Vorteile mit sich, beide müssen ihre Politik nicht auf eine Wiederwahl ausrichten, sind also zumindest in dieser Richtung frei.

Nun aber zu meiner Prognose des ersten Wahlgangs am 22. April nächsten Jahres. Es wird in beiden Fällen eine Stichwahl gebe. Im Landkreis werden sich Birgit Keller und Egon Primas noch einmal in der Stichwahl sehen. Und: Birgit Keller wird das Rennen machen.

Ja, ich lehne mich so weit aus dem Fenster und will das auch begründen. Egon Primas steht in der polarisierten CDU ganz vorn am Pol des Landkreises. Diese „Hauptsache-nicht-in-die-Stadt-Politik“ hat ihm nicht sonderlich viele Pluspunkte im eigenen Lager eingebracht. Ob es nun die versuchte Ansiedlung eines Schlachthofes in Bleicherode oder eine Dreifelder-Halle in der gleichen Stadt war – egal: Hauptsache, die Millionen fließen nicht nach Nordhausen, beschreibt man ihn selbst in den eigenen Reihen. Ich könnte mir also vorstellen, dass Egon Primas das christdemokratische Potential bei einer Stichwahl gegen Keller nicht ausschöpfen kann, um es vorsichtig auszudrücken. Und so könnte es ausgerechnet die CDU ermöglichen, dass der erste Landkreis, der in Thüringen „links“ regiert wird, der Landkreis Nordhausen ist.

Zur Kreisstadt: Hier wird es eine Stichwahl zwischen Matthias Jendricke und Klaus Zeh geben. Deren Ausgang ist für mich ungewiss, obwohl ich von vielen Menschen umzingelt bin, die Jendricke als klaren Sieger sehen. Doch: Matthias Jendricke ist nicht Barbara Rinke, er hat nicht das Väterliche, er besitzt (noch) nicht die Lockerheit. Der Mann wirkt immer noch steif, für einige auch arrogant, für viele zu jung für diesen Job. Eines muss man Jendricke lassen, er hat bisher immer erfolgreich an seiner Politkarriere gebastelt. Seit dem Zeitpunkt, als er als neugewähltes Stadtratsmitglied 1994 mit einem dicken Koffer zur ersten Sitzung in die Festhalle von Sundhausen einzog.

Doch – ähnlich wie Primas – polarisiert Jendricke. Nicht nur in seiner politischen Arbeitsweise, auch innerhalb seiner Partei. So werden zum Beispiel Dagmar Becker und er in beider Leben keine wirklichen Freunde mehr. Und Matthias Jendricke war für die „Teilnehmer“ der Stepel-Koalition das Feindbild Nummer eins nach der 2009er Wahl, was sich in vielen kommunalpolitischen Rochaden verdeutlicht hatte. Aber Matthias Jendricke hat bei einer solchen Personenwahl vier entscheidende Vorteile: Er hat einen Beinahe-Amtsbonus und wird den bis zum Wahltag erbarmungslos ausreizen. Er entstammt einer Ur-Nordhäuser Familie und er ist Protestant. Hinzu kommt, dass die Nordhäuser Sozialdemokratie außer Jendricke nichts an Personal aufzubieten hat, was wirklich in den Kampf ziehen könnte und ähnliche Erfolgschancen garantiert.

Ach ja – mein Tipp: Matthias Jendricke wird in der Stichwahl knapp das Rennen vor Klaus Zeh machen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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