Einmal war schlimm genug!
Dienstag, 16. September 2003, 14:21 Uhr
Nordhausen (nnz). Wer vergißt, was während der Nazidiktatur für unserer eigenen Haustür geschah, der läßt auch zu, daß solche Grausamkeiten wieder passieren können. Damit die Erinnerung an die Opfer der V2 Produktion wachgehalten werden, weihten Vertreter der Städte Nordhausen und Antwerpen heute einen Gedenkstein ein.
Schlimmer als Tiere wurden die Häftlinge in den Stollen des Kohnstein gehalten. Sie mußten ihre eigene Behausung und Arbeitsstätte unter unwürdigen Bedingungen in den Stein hauen, der für viele ihr eigenes Grab wurde. Die Arbeit bei über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, mit 5000 Menschen je 12 Stunden Arbeitsschicht zusammen, kann man sich selbst beim Besuch des Stollens kaum vorstellen. Das Leid der Menschen, die hierher als moderne Sklaven verschleppt worden waren, ist einfach unglaublich, wenn es nicht Überlebende wie den Belgier Leopold Claessens gäbe, der beeindruckend von seiner schrecklichen Zeit als KZ-Häftling erzählte.
In den zahlreichen jungen Gästen der Veranstaltung dürfte seine Darstellung einiges bewegt haben, was Geschichtsunterricht nicht kann. Solange die Überlebenden von Dora und anderen Konzentrationslagern leben, ist es ganz wichtig, daß sie ein Zeugnis geben von ihren Erlebnissen, von der Hölle durch die sie gehen mußten, nur weil andere Menschen davon besessen waren, die Herrenmenschen zu sein.
Nach dem Angriff auf Penemünde wurde das als Öllager gedachte Stollensystem zur Produktion der fanatisch V2 (Vergeltungswaffe) genannten Bombe genutzt. Das Prinzip der Vernichtung durch Arbeit wurde hier auf die Spitze getrieben. Während die SS Soldaten Schutzkleidung und Gasmasken trugen und den Sprengungen aus sicher Entfernung zusahen, mußten die nur mit ihrer gestreiften Gefangenenuniform bekleideten Häftlinge die Sprengungen aus nächster Nähe durchführen, beschreibt Leopold Claessens. Auch er erkrankte an Tuberkulose und wog nur noch 36 kg, als er in ein Krankenhaus kam. Nicht einmal seine eigene Mutter erkannte ihn noch wieder. Mehr als 40 Jahre brauchte er um vom Tier wieder ein Mensch werden zu können. Bis 1990 hat er sich nicht getraut mit jemandem über seine Erfahrungen zu sprechen. Für uns, die das NS Regime nicht selbst erleben mußten, ist es ein wichtiges Zeichen, daß er endlich sein Schweigen gebrochen hat.
Für einen Menschen ist es besonders schlimm zu erfahren, daß die von ihm gefertigten Waffen gegen die eigenen Familienangehörigen und Landsleute verwendet wurden. Die Stadt Antwerpen in Belgien wurde von 3709 Bombeneinschlägen stark zerstört. Rund 3500 Bürger kamen uns Leben getötet, 6000 wurden schwer verletzt. 159 Tage, vom 07. Oktober 1944 bis 30. März 1945 dauerte der Bombenregen, wo auch 1261 V2 Waffen auf die Stadt und den Hafen fielen, wie der Antwerpener Stadtverordnete Philip Heylen berichtete. Aber er blickte mit Hoffnung in die Zukunft. Mit den Lehren aus der Vergangenheit in Erinnerung haben wir eine neue, schönere Seite in der Geschichte umgeschlagen.” meinte er in seiner Rede.
Nordhausens Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) mahnte an, daß man immer die Vergangenheit erinnern und etwas gemeinsam für die Zukunft tun soll. Im nächsten Jahr will sie daher Antwerpen besuchen und dafür sorgen, daß die Städtepartnerschaft bald zustande kommt. Mit dem heute enthüllten Gedenkstein sollen die Opfer dem Vergessen entrissen werden, sagte die Oberbürgermeisterin. Die belgische Delegation besuchte im Anschluß an die Ansprachen das Stollensystem und gedachte der vielen getöteten Landsleute.
Autor: nnz
Schlimmer als Tiere wurden die Häftlinge in den Stollen des Kohnstein gehalten. Sie mußten ihre eigene Behausung und Arbeitsstätte unter unwürdigen Bedingungen in den Stein hauen, der für viele ihr eigenes Grab wurde. Die Arbeit bei über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, mit 5000 Menschen je 12 Stunden Arbeitsschicht zusammen, kann man sich selbst beim Besuch des Stollens kaum vorstellen. Das Leid der Menschen, die hierher als moderne Sklaven verschleppt worden waren, ist einfach unglaublich, wenn es nicht Überlebende wie den Belgier Leopold Claessens gäbe, der beeindruckend von seiner schrecklichen Zeit als KZ-Häftling erzählte. In den zahlreichen jungen Gästen der Veranstaltung dürfte seine Darstellung einiges bewegt haben, was Geschichtsunterricht nicht kann. Solange die Überlebenden von Dora und anderen Konzentrationslagern leben, ist es ganz wichtig, daß sie ein Zeugnis geben von ihren Erlebnissen, von der Hölle durch die sie gehen mußten, nur weil andere Menschen davon besessen waren, die Herrenmenschen zu sein.
Nach dem Angriff auf Penemünde wurde das als Öllager gedachte Stollensystem zur Produktion der fanatisch V2 (Vergeltungswaffe) genannten Bombe genutzt. Das Prinzip der Vernichtung durch Arbeit wurde hier auf die Spitze getrieben. Während die SS Soldaten Schutzkleidung und Gasmasken trugen und den Sprengungen aus sicher Entfernung zusahen, mußten die nur mit ihrer gestreiften Gefangenenuniform bekleideten Häftlinge die Sprengungen aus nächster Nähe durchführen, beschreibt Leopold Claessens. Auch er erkrankte an Tuberkulose und wog nur noch 36 kg, als er in ein Krankenhaus kam. Nicht einmal seine eigene Mutter erkannte ihn noch wieder. Mehr als 40 Jahre brauchte er um vom Tier wieder ein Mensch werden zu können. Bis 1990 hat er sich nicht getraut mit jemandem über seine Erfahrungen zu sprechen. Für uns, die das NS Regime nicht selbst erleben mußten, ist es ein wichtiges Zeichen, daß er endlich sein Schweigen gebrochen hat.
Für einen Menschen ist es besonders schlimm zu erfahren, daß die von ihm gefertigten Waffen gegen die eigenen Familienangehörigen und Landsleute verwendet wurden. Die Stadt Antwerpen in Belgien wurde von 3709 Bombeneinschlägen stark zerstört. Rund 3500 Bürger kamen uns Leben getötet, 6000 wurden schwer verletzt. 159 Tage, vom 07. Oktober 1944 bis 30. März 1945 dauerte der Bombenregen, wo auch 1261 V2 Waffen auf die Stadt und den Hafen fielen, wie der Antwerpener Stadtverordnete Philip Heylen berichtete. Aber er blickte mit Hoffnung in die Zukunft. Mit den Lehren aus der Vergangenheit in Erinnerung haben wir eine neue, schönere Seite in der Geschichte umgeschlagen.” meinte er in seiner Rede.Nordhausens Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) mahnte an, daß man immer die Vergangenheit erinnern und etwas gemeinsam für die Zukunft tun soll. Im nächsten Jahr will sie daher Antwerpen besuchen und dafür sorgen, daß die Städtepartnerschaft bald zustande kommt. Mit dem heute enthüllten Gedenkstein sollen die Opfer dem Vergessen entrissen werden, sagte die Oberbürgermeisterin. Die belgische Delegation besuchte im Anschluß an die Ansprachen das Stollensystem und gedachte der vielen getöteten Landsleute.
