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„Ein Geist zu sinnen und ein Herz zu lieben“

Mittwoch, 16. November 2011, 10:43 Uhr
Vor einer zahlreich erschienenen neugierig-aufgeschlossenen Hörerschaft wurde gestern Abend im Tabakspeicher in Nordhause ein Buch vorgestellt, ein Lesebuch, das Auszüge aus dem umfänglichen Lebenswerk der Schriftstellers und Dichters Rudolf Hagelstange auf 238 Seiten zusammenfügt. Anmerkungen von Heidelore Kneffel in Ihrer nnz...


Hagelstange 1947 (Foto: privat) Hagelstange 1947 (Foto: privat) In Nordhausen am Harz am 14. Januar 1912 in der damaligen Moltkestraße, jetzt Oskar-Cohn-Straße, geboren, also direkt neben der von ihm geliebten Harzquerbahn, der er später in dem Prosastück „Quirl“ ein literarisches Denkmal setzt, wird Rudolf Hagelstange sich zu einem angesehenen Autor entwickeln, dessen Sonettenzyklus „Venezianisches Credo“ sofort nach dem Krieg Aufsehen erregt und ihn sogleich als Autor bekannt macht.

Thema ist, so erklärt es Hagelstange selbst, „die Überwindung des zeitlichen Chaos durch Besinnung auf über- und außerzeitliche Kräfte des Menschen, und die Sonette boten sich an wie Quader, mit denen man bauen konnte. In ihrer strengen Form, so scheint mir, manifestierte sich schon äußerlich der Wille gegen das Formlose, der Wille zum neuen Gesetz.“

Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) eröffnete die Buchvorstellung mit einigen aufschlussreichen biographischen Fakten über den Poeten, erwähnte dabei seinen nur einjährigen, aber produktiven Nachkriegsaufenthalt in seiner bombenzerstörten Geburtsstadt, bevor er mit seiner Frau, Carola Dittel (Bild), die Tanzmeisterin am Nordhäuser Stadttheater gewesen war, und den Kindern in die westlichen Besatzungszonen umzog.

Karola Dittel Hagelstange (Foto: privat) Karola Dittel Hagelstange (Foto: privat) Aus ihm wird ein großer Reisender, was sich in seiner Jugend in zwei umfänglichen Faltboottouren schon andeutete. So manches, was sein Leben ausmachte, kann der Leser in dem abwechslungsreich zusammengestellten Lesebuch erfahren, in dem sich Lyrik, Prosa und Essays abwechseln. Ein kurzweiliges Lesen ist garantiert. Dieses Druckwerk soll ja dazu animieren, dass Menschen unterschiedlichen Alters erfahren, welch’ talentierter Autor aus Nordhausen stammt, der ernst und heiter auf die Vielfalt des Lebens reagiert hat.

Kostproben daraus boten gestern Stephanie Knoche, Christine Gerull und die Autorin des nnz-Beitrags. Gert Franzke gab eine abwechslungsreiche klassische Musik hinzu. Auf einer Leinwand war Hagelstange stets auch mit fotografischen Abbildungen präsent. Als Überraschung des Abend, im Programm nicht angekündigt, ertönte zum Schluss eine Aufnahme, auf der Rudolf Hagelstange aus seinem Buch „Zeit für ein Lächeln“ las und darstellte, warum und wie er zum Schreibenden wurde. Seine klangvolle Erzählstimme erfüllte den großen Raum und die zahlreichen humorigen Hinweise führten im Publikum zu entsprechenden Reaktionen.

Im Anschluss gab es mehrere Gesprächsrunden, in denen Einstimmigkeit herrschte, das dieses Buch ein gelungener Einfall der Stadtverwaltung und einiger Verbündeter war. Zu letzteren zählen die Autorin des Beitrages, Dr. Jörg Trenkner, David Fleischer und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen Thüringen und die Kreissparkasse Nordhausen.

Der Verkaufserfolg des Abends stimmte hoffnungsvoll, dass das Lesebuch seine Leserschar haben wird. Ab sofort ist es für 19,90 Euro im Buchhaus Rose, in der Stadtinformation und in der Stadtbibliothek zu erwerben.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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