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Wie man Helden bedenken kann

Mittwoch, 16. November 2011, 10:39 Uhr
Am vergangenen Sonntag wurde der Volkstrauertag begangen. Es wird um die Opfer von Kriegen getrauert. Gleichzeitig befinden wir uns alle in einer Friedensdekade. Dazu ein Gastbeitrag von Peter Kube...


Kinder singen vom Frieden. „Wir wünschen Frieden euch allen..., Frieden, Frieden, Frieden aller Weltt“. Mit diesem israelischen Tanzlied zogen sie in die Kirche ein. Das sollte ansteckend sein. Zurückhaltender singt die Gemeinde mit. Die Kinderstimmen weckten vielleicht das Gefühl, dass freimütiges Herbeisingen nicht reichen könnte. Später kam der Gesang noch in Gang. Als Kinder ihre Angst formulierten: Das Dunkel im Haus, der atomare Krieg, die eigene Wut, schlechte Zensuren... und die Antwort aller : „...Erbarme dich...!“Wer? Gott oder...?

Helden sind im Blick. Und ausgerechnet Petrus. Er ein Held? Ja wie denn, wenn es so stolpernd zwischen wollen und nicht allein können vorangeht? Drei Geschichten mit ihm erzählen, was wir überwinden bzw. freimütig annehmen können.
Erst Alltagsmensch als Fischer, dann Meisterschüler, dann rehabilitierter Versager – so kann man die Geschichten übersetzen. Fotostories und Anspiel bringen ihn in Szene.

Die Kinder haben diesen „Na-Ja-Helden“ beleuchtet. In ein besseres Licht kommt er nicht. Petrus' Weg wurde in der evangelischen Grundschule gespielt. Die Fotos davon und die dazu gelesenen Texte zeigten keine Erfolgsstory eines übermächtigen Helden. Sein Selbstvertrauen musste sich umorientieren, seine Begabungen erhielten einen neuen Sinn. Ihm geschenkt und zugemutet. Diesen Gewinn konnte er abschöpfen ohne andere zu opfern.

Wie er können wir damit über Wasser laufen. Wer in diesem Sinne 'flüssig' bleibt, wird schlüssig handeln und diesen Erfolgsschlüssel weitergeben. So bleiben wir im Fluss für das (Über)Leben der nachfolgenden Generationen, statt auf einem Fundament zum Heiligen zu erstarren (zu wollen) oder hoffnungsarm abzusaufen. Das spielten interessanterweise die Lehrer- und Erzieherinnen live, nicht die Kinder.

Vielleicht auch, weil es die Kinder sind, sagte Elisabeth Alpers – von Biela, die uns Beobachtungen zum Frieden bündeln lassen. Kinder werden damit wie ein Schlüssel für unser Tun und Lassen, öffnen Türen, dahinter ihre Ängste, die bestimmten die Fürbitten, sagten an, was Bedrohungen untergehen und Zukunftshoffnungen aufstehen lassen soll. „Meine Hoffnung...“, Freude, Stärke, Licht, Zuversicht kommen aus dem Vertrauen, zu dem Christus einlädt. Furcht schwindet!...?

Aus diesen Wahrnehmungen forderten wir uns auf: „Suchet zuerst Gottes Reich in DIESER Welt, seine Gerechtigkeit... “, viel- und mehrstimmig, lebendig. Als es zum stimmigen Wechselgesang wurde, hörte es leider schon auf und hat doch noch so viele Strophen.

Am Ende mündete alles wieder ins Meer des „...Frieden für alle ...“. Doch als der Kinder heller Gesang mit ihnen aus der Kirche wanderte, sang in der Kirche kaum eine Stimme weiter. War es zu kalt? Ungewohnt, so einfach davon zu singen? Zuschauer bleiben lässt erschaudern, wenn es um's Ganze geht.

Aber klarer stand allen in der Blasii-Kirche vor Augen, dass die Schlüsselerlebnisse des Petrus eine Tür öffneten. Für ihn der Ausblick auf eine Gemeinde (in Jerusalem), die neue Maßstäbe setzen muss, weil die Einsicht in eine gerechter organisierte Gemeinschaft praktische Folgen hat. Anstößig wie ihr Protagonist Jesus. Sein Handeln regte sie auf – die Spekulanten, die Rückversicherer, die Schwert-Helden, die Macht-Gierigen, die Geldeintreiber und Gleichgültigen.

Doch Petrus wurde vom frustrierten Gewohnheitsfischer zum Netzwerkmanager für Friedens- und GerechtigkeitsaktivistInnen. Ein starkes Stück Ermutigung. Volkstrauer ehrt Opfer von Gewalt und Krieg und sagt für die Kinder: Wir sind das Volk, dessen Herzschlag die Vision einer gerechteren Welt für alle okkupiert hat. Vor Missbrauch schützen und als Segen verteilen, alltäglich. Danke, Kindern und Mitarbeiterinnen der Evangelischen Grundschule und Elisabeth.
Peter Kube
Autor: nnz

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