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Stärken vor Ort gefördert

Dienstag, 15. November 2011, 11:48 Uhr
„Wir haben sehr viele Stärken vor Ort in den letzten zwei Jahren gesammelt.“ So fasste Loni Grünwald (LINKE), Beigeordnete des Landkreises Nordhausen, die Erfahrungen des Förderprogramms STÄRKEN vor Ort zusammen. Etwas ausführlicher wird es nach dem bekannten Klick...

Gefilzt (Foto: J. Piper) Gefilzt (Foto: J. Piper)

2009 hatte sich der Landkreis erfolgreich bei diesem Bundesförderprogramm beworben, das eine Projektförderung bis zu 10.000 Euro für Vereine, freie Träger, andere Organisationen aber auch Einzelpersonen ermöglicht. Zur Abschlussveranstaltung im Mehrgenerationenhaus stellte sich gestern die Mehrzahl der Projekte vor und die Akteure tauschten ihre Erfahrungen mit dem Programm aus, das das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Europäische Sozialfonds der Europäischen Union fördern.

Zum Jahresende lässt der Bund das Programm auslaufen, dennoch setzt Loni Grünwald auf den Gedanken der Nachhaltigkeit: „Ich hoffe, dass die Projektakteure weiter in Kontakt bleiben, sich vernetzen, so dass sie gegenseitig von ihren Erfahrungen und Stärken profitieren können.“ Die Zielgruppen der 26 realisierten Projekte, von denen einige noch bis zum Jahresende laufen, waren Jugendliche, junge Erwachsene sowie Frauen, die beim Einstieg bzw. Wiedereinstieg ins Berufsleben unterstützt werden sollten, und Migranten.

Insgesamt flossen fast 200.000 Euro Fördergelder in die Projekte. Rund 650 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, in den ganz unterschiedlichen Projekten ihre Kenntnisse und Fertigkeiten auszubauen – Geld erhielten sie dafür nicht. „Den Teilnehmern wurden Erfahrungen und Qualifikationen vermittelt, die ihnen langfristig bei der Integration im sozialen Umfeld und im Berufsleben nutzen werden“, sagte Roland Maciej von der Koordinierungsstelle, die die Lift gGmbH im Auftrag des Landkreises betreute. „Besonders erfreulich ist es auch, dass durch die Projekte nachhaltig im Landkreis feste Anlaufpunkte für die Teilnehmer geschaffen werden konnten, zum Beispiel mit dem Treffpunkt Kultur für Jugendliche oder dem Café Contact, einem internationalen Frauen- und Familiencafé in Nordhausen Ost, beides initiierte der Kreisjugendring.“

Auch in anderen Projekten sind nachhaltige Strukturen entstanden, die fortwirken – wie beim Harzer-Sagen-Pfad, einem Filz-Wanderweg auf der Langen Wand in Ilfeld. „Der Weg wird nie ganz fertig“, schmunzelt Ulrike Tuschy. Gemeinsam mit einer Frauengruppe hat die Betreiberin des Ilfelder Färberhofs Sagen der Region in Filz-Figuren dargestellt. Seit September ist der Weg geöffnet. Zurzeit filzen die Frauen fleißig weiter, im kommenden Frühjahr werden weitere Figuren aufgestellt. „Ich hoffe, dass sich später andere mitbeteiligen, zum Beispiel Schulklassen oder Vereine“, sagte Ulrike Tuschy.

Die persönliche Entwicklung der Frauen habe sie beeindruckt. Toll finde sie, wie das Projekt auf die Familien gewirkt habe, wie stolz die Kinder auf das seien, was ihre Mütter geschaffen haben. Auch in anderen Bereichen seien die Frauen gestärkt worden. „Ich bin ruhiger und selbstbewusster geworden und ich kann besser mit den Schwierigkeiten der Teamarbeit umgehen“, beschrieb eine Teilnehmerin.

Stolz auf das Geschaffte sind auch die Teilnehmer eines Projekts des Kreisjugendrings: Sie haben einen großen Pavillon vor dem Jugendclub in Nordhausen Ost gebaut. „Die Jugendlichen haben unter der ehrenamtlichen Anleitung von Handwerkern den Pavillon gebaut“, so Dustin Hoffmann. Klar, sei eine Portion Motivation nötig gewesen, um die Jugendlichen zu begeistern. „Aber als sie einmal dabei waren, hat es ihnen Spaß gemacht.“ Reflektionsgespräche mit den Jugendlichen haben die Projektakteure auch genutzt, um die Thematik Berufsfindung anzureißen.

In eine ähnliche Richtung ging das „Training zu mehr Mut und Selbstsicherheit“ der Thüringer Arbeitsloseninitiative-Soziale Arbeit in Nordhausen. Dazu gehörten nicht nur Computerübungen und Bewerbungstraining. „Wir haben zum Beispiel über gesunde Ernährung gesprochen, Tipps gegeben, wo man sparen kann und wie man ein Haushaltsbuch führt“, erzählte Christine Telemann, die das Projekt betreut. So ganz nebenbei haben die Frauen auch gestrickt: warme Socken und Schals. „Die werden wir bei unserer Weihnachtsfeier an bedürftige Kinder verschenken“, sagte Christine Telemann.

Auf die selbst gefertigten Sachen arbeiten die Teilnehmerinnen des Projekts „Design your future“ von studio44 e.V. noch hin. Dreimal wöchentlich treffen sich die Frauen zwischen 20 und 60 Jahren mit der Schneiderin Wilma Busch und üben das Nähen mit der Nähmaschine, erfahren mehr über Design, Schnitte und Stoffauswahl. Zum Jahresende soll eine Modenschau die Projektergebnisse vorführen – von den gelernten Fähigkeiten werden die Teilnehmerinnen noch darüber hinaus profitieren.
Autor: nnz

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