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Fast alle Bewerber vermittelt

Montag, 07. November 2011, 14:33 Uhr
Heute sind seitens der Nordhäuser Agentur für Arbeit die Ergebnisse des Berufsberatungsjahres vorgestellt worden. Erstmals gab es in Nordthüringen mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Hier die Einzelheiten...


Für jeden Bewerber gab es in diesem Jahr rein rechnerisch eine Ausbildungsstelle“, zieht Karsten Froböse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Nordhäuser Arbeitsagentur Bilanz und erklärt die weitere Angleichung zwischen Angebot und Nachfrage auf dem hiesigen Ausbildungsmarkt. „Die demografische Entwicklung hat sich wie erwartet deutlich bei den Bewerberzahlen ausgewirkt“, so der Agenturchef. „Erfreulich ist, dass Unternehmen stärker als zuvor in den eigenen Nachwuchs investieren.“ Er wies gleichzeitig darauf hin, dass hierbei die Sicherung des Fachkräftebedarfs der Betriebe für die Zukunft eine entscheidende Rolle spiele.

Von Oktober 2010 bis September 2011 wurden der Agentur für Arbeit 1.560 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet; acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl außerbetrieblicher Stellen ging hingegen mit rund 180 um mehr als ein Drittel zurück. Das begründe sich nach Aussage der Arbeitsagentur im Anstieg betrieblicher Ausbildung. Sie genieße den Vorrang und macht öffentliche Mittel dadurch für andere Aufgaben frei.

Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich im letzten Jahr erstmals umgekehrt. Während im September 2010 rechnerisch auf 100 Bewerber 90 Ausbildungsstellen kamen, standen im aktuellen abgelaufenen Berichtsjahr 100 Bewerbern 103 Stellen gegenüber.

Ein Ergebnis, welches die Ausbildungsmöglichkeiten in Nordthüringen deutlich macht: „Die aktuellen Zahlen zeigen es“, so Agenturchef Karsten Froböse. „Die Zeiten, in denen es berufliche Perspektiven häufig jenseits der Landesgrenzen gab, sind vorbei. Junge Menschen haben hier gute Berufsperspektiven.“ Gleichzeitig ermutigt der Agenturchef Schülerinnen und Schüler, sich rechtzeitig in der Berufsberatung berufliche Möglichkeiten in ihrer Heimat aufzeigen zu lassen.

„Lassen Sie sich informieren. So können Sie vermeiden, dass aus dem Traumberuf ein Traumaberuf wird.“ Beratung sei trotz eines gewachsenen Angebotes an Lehrstellen noch immer ein wesentliches Erfordernis, insbesondere dann, wenn sich der eigene Berufswunsch nicht realisieren lässt.

Mit fast 1.000 Ausbildungsstellen und einem Zuwachs um rund 4 Prozent zum Vorjahr lagen die Fertigungsberufe an der Spitze der eingegangenen Stellenmeldungen. Vor allem die Zahl der Lehrstellen im Metallbereich ging um über die Hälfte nach oben. Über ein Drittel mehr Ausbildungsstellen als vor einem Jahr meldeten Logistik- und Transportunternehmen Elektriker, Schlosser und Mechaniker verzeichnen einen um 13 Prozent gestiegenen Ausbildungsbedarf. Damit gehören diese Berufe zu den TOP 10 der angebotenen Stellen.

Ende September waren insgesamt noch 106 Ausbildungsstellen unbesetzt, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Während bei den Büroberufen und im Dienstleistungssektor nahezu ein Ausgleich erzielt werden konnte, gibt es noch fast 80 freie Ausbildungsstellen im Bereich Metall / Elektro, in der Baubranche, bei Fleischern und Bäckern.

Thüringenweit waren Ende September nahezu 12.000 Bewerber auf Ausbildungssuche; fast acht Prozent Jugendliche weniger als 2010. Die Berufsberater der Agentur für Arbeit Nordhausen unterstützten 1.700 junge Menschen bei der Berufswahl; rund 11 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Hauptaugenmerk war die Besetzung der angebotenen Stellen in Nordthüringen. Die Sicherung des Fachkräftebedarfs und der Verbleib der Jugendlichen in der Region Nordthüringen standen im Vordergrund. Ende September waren statistisch noch 39 Jugendliche unversorgt.

Grund dafür sei auch, dass junge Leute eine Ausbildung begonnen und wieder abgebrochen. Deshalb verberge sich dahinter kein gesellschaftliches Problem. Die 39 Jugendlichen streben vor allem nach Ausbildungen in kaufmännischen Bereichen, in Verkaufsberufen aber auch in Lager und Produktion. Knapp 65 Prozent von ihnen haben einen Realschulabschluss. Für diese Jugendlichen laufen seit einigen Wochen die Nachvermittlungsaktivitäten. Gemeinsam mit den Kammern arbeitet die Agentur für Arbeit derzeit daran, den Sprung in die Ausbildung schnell zu ermöglichen.

„Schüler, die leistungswillig und engagiert sind, weisen Stärken auf, die nicht im Schulzeugnis stehen “, bekräftigt Agenturchef Froböse beim Blick auf den Anteil von Schülern mit schwächeren Schulleistungen. Motivation und praktische Begabungen seien nach seiner Ansicht wichtige Aspekte für eine berufliche Ausbildung. Hinzu käme, dass angesichts anhaltend niedriger Schülerzahlen und eines weiter steigenden Fachkräftebedarfs Flexibilität und zügige Entscheidungen der Unternehmen bei der Bewerberauswahl unumgänglich seien.

Eine gute Möglichkeit nach künftigen Auszubildenden Ausschau zu halten, bietet der „Tag der Berufe“ am 14. März 2012. An diesem Tag können Unternehmen die Türen für interessierte Schüler ab der 7. Klasse öffnen, um ihre Ausbildungsberufe vorzustellen und einen ersten Eindruck in die Arbeitswelt zu vermitteln.
Autor: nnz

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