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Steinerne Zeugen der Geschichte

Freitag, 12. September 2003, 16:30 Uhr
Nordhausen (nnz). Für Interessierte der Heimatgeschichte ist das Landratsamt schon immer eine wichtige Anlaufstelle gewesen. Jetzt lädt eine Fotoausstellung der Familie Wegmann zur Entdeckung alter Grenzsteine ein.


Text und Foto: Wiethoff Nicht erst die DDR kannte Grenzen, bereits im 7. Jahrhundert unserer Zeit wurden in Europa Grenzmarkierungen zuerst an Bäumen, später durch Pfähle und letztlich durch Steine vorgenommen. Besonders bemerkenswert sind hier die Malsteine aus dem 16. Jahrhundert. In den Grafschaften Hohnstein, Stolberg und Schwarzburg wurden verschiedene Steine mit den Symbolen der Herrschenden aufgestellt. Bekannt sind vor allem die Steine bei Rothesütte.

Wenn sich die Grenzen änderten, dann setzte die Obrigkeit die Steine einfach um oder ließ eine andere Markierung einschlagen. Wie vielfältig die Darstellung allein eines Herrschersymbols sein kann, das zeigt sich an dem Mainzer Rad. Jeder Steinmetz hatte offensichtlich eine andere Vorstellung davon. Zwei-Herren-Steine wurden auch kurzerhand zu Drei-Herren-Steinen umgeschlagen, wenn es sich für nötig erwies.

Wer sich mit den Hintergründen der Grenzsteine beschäftigt, der wird auf viele spannende Episoden der Heimatgeschichte stoßen. Familie Wegmann kam eher durch Zufall dazu. Seid acht Jahren leben Susanne und Wolfgang Wegmann in Limlingerode. Der ehemalige Geschichtslehrer und Forstwirt entdeckte bei seinen Wanderungen einen Stein mit den Buchstaben FG und FH. Niemand konnte ihm Auskunft geben, so machte er sich selbst auf die Suche nach Informationen.

Bald fand er einige Mitstreiter, die von den historischen Grenzsteinen genauso fasziniert waren wie er, Förster, Jäger und Naturfreunde gehören dazu. Im Frühjahr fotografierte er die Steine, denn nur zu dieser Jahreszeit gibt es dafür genug Licht. Susanne Wegmann faßte ihre Begeisterung in Verse, die in die phantasievollen Collagen integriert wurden. 31 Bildtafeln sind es insgesamt. Auch Bruchstücke von alten Steinen brachten die Sammler mit für die Ausstellung des Landratsamtes.

Die Steine haben ihre Bedeutung übrigens nicht verloren, wie Denkmalpfleger Jürgen Grönke betonte. Noch heute stellen sie teilweise die Grenzen der Bundesländer dar, aber auch für Jagdgebiete und Privatbesitz dienen sie als Richtlinie. Wer einen umgestürzten oder bei landwirtschaftlichen Arbeiten herausgerissenen Stein findet, der sollte ihn dort liegen lassen und die untere Denkmalschutzbehörde informieren (03631/696509), damit er wieder an seinen richtigen Platz gestellt werden kann.

Für alle, die meinen, daß so ein historischer Stein gut zu ihren Gartenzwergen paßt der Hinweis, daß es natürlich strafbar ist so ein Denkmal zu entfernen, erklärte Wolfgang Wegmann. Das Landratsamt wendet sich übrigens an alle Hobby-Historiker und Fotografen, denn gern würde Heidelore Kneffel, Pressesprecherin des Landratsamtes, auch eine Ausstellung mit den historischen Meilensteinen organisieren.

Wer nun gern wissen möchte, was es mit den Initialen FG und FH auf sich hat, der kann bis zum Jahresende die Antwort in der Ausstellung zu finden, die zu den normalen Öffnungszeiten des Historischen Landratsamtes in der Grimmelallee besucht werden kann.
Autor: nnz

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