Schule macht Spaß
Dienstag, 09. September 2003, 15:05 Uhr
Nordhausen/Kleinberndten (nnz). Es erfreut garantiert jeden Pädagogen, wenn sein Unterricht so gut bei seinen Schülern ankommt. In der Förderschule St. Martin ist das der Fall, aber die Kinder und Jugendlichen lernen auch ganz andere Dinge. nnz war für Sie zum Tag der offenen Tür dabei.
Michael (19) gehört schon zu den ganz großen St. Martin Schülern. Am besten gefällt ihm der Tag in der Praxis. Die Jungen stellen Ziegeln aus Lehm her und setzen Fachwerkhäuser instand. Auf dem Bau würde Michael gern arbeiten, wenn er 2004 die Schule verläßt. Sein Freund Thomas stimmt ihm zu, der Betonmischer hat es ihm besonders angetan. Am liebsten wäre er die ganze Woche in Kleinberndten. Aber auch sonst bietet der Unterricht der Werkstufe viel Abwechslung. Das Klassenzimmer verfügt über eine eigene Küche, wo die Schüler kochen und backen können. Gemeinsam einzukaufen gefällt den jungen Leuten sehr gut. Hier lernen sie für ein eigenständiges Leben. Viele Schüler können nämlich trotz ihrer Behinderung leben wie wir anderen, die Normalen. Denn ganz nach dem Motto der Schule ist es einfach normal, verschieden zu sein.
Wer einmal mit den Schülern ins Gespräch kommt merkt, daß Mitleid völlig fehl am Platz ist. Die Kinder und Jugendlichen sind sehr offen und verstehen, daß man sich so annehmen muß, wie man ist. Die Lehrer um Schulleiterin Annelies Bergmann arbeiten sehr engagiert, so daß ein angenehmes Klima entsteht, was sich auf Schüler und Besucher überträgt. Dieses Jahr kamen zahlreiche Interessierte, auch Schulklassen, die sich über die Arbeit mit den Behinderten informieren wollten. Über die vielen Besucher freuten sich die Kinder, da konnten sie zeigen, was sie alles gelernt haben. Einige Schüler können lesen und schreiben, andere sind so schwer und mehrfach behindert, daß sie nicht einmal sprechen können.
Für jeden findet sich ein individuelles Lern und Förderprogramm. Wasserbett, Lichtkugel oder Bällchenbad bieten Sinneseindrücke für Schwerbehinderte, die Probleme haben ihren Körper und ihre Umwelt wahrzunehmen. Physiotherapeuten kümmern sich und körperbehinderte und spastisch gelähmte Kinder. Ihre Muskeln sollen elastisch bleiben, dann ist auch ihre Pflege zuhause leichter.
Viele der 109 Kinder kommen schon aus Frühfördereinrichtungen hierher. An einer normalen Schule würden sie nicht mitkommen, aber hier finden sie Freunde und Lehrer, die ihnen eine Menge Wissen sowie praktische Fähigkeiten vermitteln können. Zur Ausgestaltung der Klassenräume während der Weihnachtszeit fertigen die Schüler zum Beispiel Pyramiden an. Sechseckige und runde Bauteile aus Sperrholz müssen dafür ausgesägt und geschliffen werden. Für Kinder, die Schwierigkeiten haben ihre Bewegungen zu koordinieren, ist das eine große Herausforderung. Mit Hilfe ihres Lehrers Herrn Eiling findet jeder eine passende Aufgabe. Das Ergebnis macht stolz auf die eigene Leistung. Yvonne wollte sich deshalb gern fotografieren lassen, während sie konzentriert sägte. Gemeinsam bewerten die jungen Leute die Arbeiten ihrer Kameraden. Welche Note geben wir Michael?” fragte der Werklehrer, und Christian, der die Leistung einschätzen soll, meinte: Eine Eins.” Dabei bekommen die Schüler eigentlich gar keine Zensuren.
Die Schule in Trägerschaft der Nordthüringer Lebenshilfe kann aber eine glatte Eins bekommen. Freundliche helle Räume laden direkt zum Lernen ein. Vielleicht auch bald normale Schüler, denn dank des neuen Förderschulgesetz ist die integrative Beschulung endlich möglich. Eine Zusammenarbeit mit dem christlichen Schulzentrum wird deshalb angestrebt. Wer vielleicht selbst ein behindertes Kind hat und eine passende Schule sucht, der findet im Internet weitere Informationen. Und alle Normalen” können die Schüler am 2. Oktober beim Erntedankfest in der Ballspielhalle kennenlernen.
nnz-Text und Fotos: Wiethoff
Autor: nnz
Michael (19) gehört schon zu den ganz großen St. Martin Schülern. Am besten gefällt ihm der Tag in der Praxis. Die Jungen stellen Ziegeln aus Lehm her und setzen Fachwerkhäuser instand. Auf dem Bau würde Michael gern arbeiten, wenn er 2004 die Schule verläßt. Sein Freund Thomas stimmt ihm zu, der Betonmischer hat es ihm besonders angetan. Am liebsten wäre er die ganze Woche in Kleinberndten. Aber auch sonst bietet der Unterricht der Werkstufe viel Abwechslung. Das Klassenzimmer verfügt über eine eigene Küche, wo die Schüler kochen und backen können. Gemeinsam einzukaufen gefällt den jungen Leuten sehr gut. Hier lernen sie für ein eigenständiges Leben. Viele Schüler können nämlich trotz ihrer Behinderung leben wie wir anderen, die Normalen. Denn ganz nach dem Motto der Schule ist es einfach normal, verschieden zu sein. Wer einmal mit den Schülern ins Gespräch kommt merkt, daß Mitleid völlig fehl am Platz ist. Die Kinder und Jugendlichen sind sehr offen und verstehen, daß man sich so annehmen muß, wie man ist. Die Lehrer um Schulleiterin Annelies Bergmann arbeiten sehr engagiert, so daß ein angenehmes Klima entsteht, was sich auf Schüler und Besucher überträgt. Dieses Jahr kamen zahlreiche Interessierte, auch Schulklassen, die sich über die Arbeit mit den Behinderten informieren wollten. Über die vielen Besucher freuten sich die Kinder, da konnten sie zeigen, was sie alles gelernt haben. Einige Schüler können lesen und schreiben, andere sind so schwer und mehrfach behindert, daß sie nicht einmal sprechen können.
Für jeden findet sich ein individuelles Lern und Förderprogramm. Wasserbett, Lichtkugel oder Bällchenbad bieten Sinneseindrücke für Schwerbehinderte, die Probleme haben ihren Körper und ihre Umwelt wahrzunehmen. Physiotherapeuten kümmern sich und körperbehinderte und spastisch gelähmte Kinder. Ihre Muskeln sollen elastisch bleiben, dann ist auch ihre Pflege zuhause leichter.
Viele der 109 Kinder kommen schon aus Frühfördereinrichtungen hierher. An einer normalen Schule würden sie nicht mitkommen, aber hier finden sie Freunde und Lehrer, die ihnen eine Menge Wissen sowie praktische Fähigkeiten vermitteln können. Zur Ausgestaltung der Klassenräume während der Weihnachtszeit fertigen die Schüler zum Beispiel Pyramiden an. Sechseckige und runde Bauteile aus Sperrholz müssen dafür ausgesägt und geschliffen werden. Für Kinder, die Schwierigkeiten haben ihre Bewegungen zu koordinieren, ist das eine große Herausforderung. Mit Hilfe ihres Lehrers Herrn Eiling findet jeder eine passende Aufgabe. Das Ergebnis macht stolz auf die eigene Leistung. Yvonne wollte sich deshalb gern fotografieren lassen, während sie konzentriert sägte. Gemeinsam bewerten die jungen Leute die Arbeiten ihrer Kameraden. Welche Note geben wir Michael?” fragte der Werklehrer, und Christian, der die Leistung einschätzen soll, meinte: Eine Eins.” Dabei bekommen die Schüler eigentlich gar keine Zensuren. Die Schule in Trägerschaft der Nordthüringer Lebenshilfe kann aber eine glatte Eins bekommen. Freundliche helle Räume laden direkt zum Lernen ein. Vielleicht auch bald normale Schüler, denn dank des neuen Förderschulgesetz ist die integrative Beschulung endlich möglich. Eine Zusammenarbeit mit dem christlichen Schulzentrum wird deshalb angestrebt. Wer vielleicht selbst ein behindertes Kind hat und eine passende Schule sucht, der findet im Internet weitere Informationen. Und alle Normalen” können die Schüler am 2. Oktober beim Erntedankfest in der Ballspielhalle kennenlernen.
nnz-Text und Fotos: Wiethoff
