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Digitales Radio? Na klar!

Sonntag, 23. Oktober 2011, 07:58 Uhr
Und deutlich auch. Ohne Rauscheinbrüche, brasselnde oder knisternde Geräusche hinter der Straßenbahn, Phasenverzerrungen und ähnliches dringen die Sender des thüringer mdr-Paketes ans Ohr. Dazu ein Beitrag von Jürgen Wiethoff...


Zumindest seit ein paar Tagen hat der mdr den Sender auf dem Kulpenberg so weit in Ordnung gebracht, dass man in Nordhausen weitestgehend ungestörten Empfang hat. Zeit also, dem interessierten Hörer, aber auch dem ängstlichen Beobachter der Szene ein paar allgemeinverständliche Informationen zum Thema anzubieten.

Seit August diesen Jahres ist das digitale Radio neu gestartet. Diesmal mit dem Standard DAB+. Seither kann man eine positive Entwicklung auch außerhalb von Bayern beobachten und eigene Tests sind relativ preiswert möglich. Bayern hat bereits seit längerem ein gut funktionierendes DAB-Sendernetz und Berichte von Ohrenzeugen besagen, dass man von Hof bis München und in allen umliegenden Ortschaften mit einem DAB-Radio im Auto immer einige Sender in bester Qualität empfangen kann.

Von diesem Neustart und bayrischen Erfahrungen hatte man in einem Nordhäuser Elektronikmarkt vor ca. 3 Wochen offenbar noch nichts gehört. Ein Informationsgespräch mit einer Kundenberaterin zum fehlenden Angebot von auch oder nur für DAB-Empfang geeigneten Geräten ergab: „Das Sortiment führen wir nicht. Das funktioniert sowieso nicht richtig und irgendein Bundesland hat auch die Sendetätigkeit schon wieder eingestellt.“ Wenn Sie auch diese Informationen erhalten haben – vergessen Sie´s einfach.

Was kann man nun in und um Nordhausen wirklich für digitale Sender hören? Ganz sicher und auch mobil die 6 Programme auf Kanal 12B, abgestrahlt mit 1kW Strahlungsleistung vom Kulpenberg. Dort soll dem Vernehmen nach auch ein Sender für das mdr-Paket von Sachsen-Anhalt (Kanal 12C) stehen, welcher 8 Programme abstrahlt, aber ob und wohin dieser sendet, ist mir unklar. In Teilen des Stadt- und Kreisgebietes ist Kanal 12C dennoch zu empfangen, auch mobil. Das schafft der gleichkanalige Sender auf dem Brocken.

Vor etwa 3 Wochen wurde dessen Sendeleistung von 0,5 auf 1 kW Strahlungsleistung erhöht, was man auch deutlich bemerkt hat. Zum Vergleich: Ein normaler, analoger UKW-Sender auf dem Brocken und den beiden Torfhaus-Standorten strahlt ein einziges Programm mit 60 bis 100 kW (also bis zu hundertfacher) Strahlungsleistung ab.

Mit etwas Geduld bei der Standortsuche für eine einfache Antenne kann man dann auch noch die 20 Programme des Kanal 5C empfangen. Dieser Kanal soll im Endausbau des Sendernetzes deutschlandweit zu empfangen sein. Wann das sein wird, ist offiziell noch nicht bekannt. Gerüchteweise ist von 2015 die Rede. Zur Zeit ist man im Landkreis noch auf den Sender auf dem Ettersberg angewiesen, der immerhin über 10 kW Strahlungsleistung verfügt. Tipps für eine Vorgehensweise bei der Standortsuche können nicht gegeben werden, weil keine 100%-igen Analogien zu den bekannten Tipps (möglichst hoch, möglichst frei) für analoge Sender bestehen. Wichtig ist lediglich, dass die Antennen vertikal polarisiert sein sollten. Wenn Sie also noch eine „gute, alte“ TV-Antenne für Band III haben sollten, entnehmen Sie der die Schleife mit dem Kabelanschluss und hängen diese irgendwo vertikal auf. Sollten Sie nichts empfangen, probieren Sie es einfach 20 cm höher, tiefer, rechts oder links davon.

Womit kann man das neue Radio nun empfangen? Der Internethändler Ihres Vertrauens hat bereits ein großes Geräteangebot unter dem Suchwort „DAB+“ vorrätig. Geräte, die für DAB+ tauglich sind, empfangen auch den alten DAB-Standard. Umgekehrt ist das nicht der Fall.

Preislich unschlagbar – unter 20 € - ist ein NOXON-DAB-Stick für den Empfang mit einem Computer. Das größte Bauteil darin ist offenbar die ganz normale Antennenbuchse, die Ihnen gleich bekannt vorkommen dürfte. Die Software dazu ist supereinfach zu installieren und zu bedienen. Das gilt auch, wenn Sie die neuen Zusatzdienste wie Journaline nutzen wollen. Der Sender „Lounge FM“ (Kanal 5C) bietet dort manchmal eine Auswahl österreichischer Zeitungsartikel an. Es ist interessant, die Welt aus der Sicht unserer Nachbarn zu betrachten.

Auch noch erschwinglich – unter 120 € - ist ein Gerät, was eigentlich die „eierlegende Wollmilchsau“ des DAB+-Empfangs werden könnte, wenn da nicht eine technisch vollkommen unzulängliche Antennenbuchse Verwendung finden würde: Pure Highway. Zwar wird eine Aktivantenne mitgeliefert, aber diese muss für optimalen Empfang an eine Autoscheibe geklebt werden und ist daher nur in einem einzigen Auto verwendbar. Ein Unding bei einem portablen Gerät. Die Antennenbuchse selbst ist ursprünglich für Niederfrequenz-Anwendungen konzipiert.

Dennoch gibt es im Handel auch einen Adapter auf eine gewöhnliche Antennenbuchse, aber dieser ist aus konstruktiven Gründen für Pure Highway nicht geeignet und würde vermutlich bei Verwendung dauerhaft das Gerät zerstören. Ansonsten ist das Gerät etwa so groß wie ein Navigationssystem und wird im Auto auch so befestigt. Es verwandelt jedes normale UKW-Radio vom Stereo-HiFi-System bis zum „Gaakrachen“ in Küche oder Bad in einen DAB-Empfänger ohne Zwischenschalten von Kabeln, WLAN-Teilen oder Bluetooth. Schade, dass dieses enorme Potential nur dem zugänglich ist, der sich einen geeigneten Antennenadapter selbst basteln kann.

Aber es gibt noch eine Menge mehr Ungereimtheiten bei der Einführung des Digitalen Radios in Deutschland. Theoretisch müsste, gerade auch vor dem Hintergrund wachsender Energiesorgen und „Strahlen“-Angst in Deutschland, die Einführung mit allen Mitteln vorangetrieben werden. Welche Hindernisse und Befindlichkeiten da im Wege stehen, wird demnächst ein weiterer Beitrag versuchen zu erhellen. Für heute gilt: Fortsetzung folgt.
Jürgen Wiethoff
Autor: nnz

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