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Briefe aus Bad Füssing (3)

Montag, 08. September 2003, 10:04 Uhr
Nordhausen/Bad Füssing (nnz). Die vergangene Woche hatte es in sich, vor allem aus wirtschaftlicher Sicht. Das Ringen um den Erhalt der HBM Nobas oder die Nachrichten um die insolvente WICO in Niedersachswerfen. Dazu aus der Ferne einige Betrachtungen.


Nach dem, was sich dem Beobachter hinsichtlich der Vorgänge um die Nobas zeigt, bleibt immer noch ein gewisses Quäntchen Ratlosigkeit und es bleiben vor allem Fragen. Was ist das unternehmerische Konzept der Papenburg AG? Warum wurde Ende Juli ein von der Nordhäuser Geschäftsführung, dem Betriebsrat und beauftragten Unternehmensberatern vorgelegtes Konzept in letzter „Minute“ von Günter Papenburg verworfen? Irgendwie blickten Betriebsrat und IG Metall nicht mehr durch. Sie hatten der Kündigung von mehr als 30 Mitarbeitern zugestimmt, um letztlich das Ganze zu retten. Dann aber die Papenburg-These, dass keiner entlassen werden soll. Stattdessen Umschulung und Überleitung in andere Unternehmen der AG ohne konkrete Untersetzung. Und jetzt die Ankündigung der Schließung.

Dabei ist doch auch der Unternehmerseite durchaus bewusst, dass die Schließung einer Betriebsstätte vielleicht die teuerste Variante ist, vor allem, wenn der Betrieb im Tarifgefüge verankert ist. Könnte sich die Ankündigung der Schließung doch als Drohung entpuppen, um die Belegschaft „weich zu kochen“, wie es in Gewerkschaftskreisen vermutet wird? Wie also weiter?

Was ist die Strategie in Hannover? Nach nnz-Informationen soll es in der vergangenen Woche Besuch gegeben haben. Und zwar sollen Vertreter der BOMAG-Unternehmensleitung in Nordhausen aufgetaucht sein. Das wurde der nnz bereits in der vergangenen Woche vom dortigen Betriebsrat Thomas Anhut bestätigt. Für ihn ist auch klar, dass eine Zusammenarbeit beider Unternehmen die „beste Lösung“ sei. Was unter Zusammenarbeit zu verstehen sei, dass gab Anhut nur zögernd preis: Der Kauf der Nobas durch die BOMAG. Beide Unternehmen stellen Baugeräte her, schon vor Jahren wurden Nobas-Bagger über das BOMAG-Vertriebsnetz verkauft.

Nun könnte Günter Papenburg die Nobas schließen und müsste für den Sozialplan gerade stehen. Im Gegenzug würde sich die BOMAG „erkenntlich“ zeigen und den Nordhäuser wieder „aufmachen“ und weiter das produzieren lassen, was in ihrem bisherigen Portfolio noch fehlt.

Insider der Szene meinen zu wissen, dass Günter Papenburg nicht konzeptlos agiert, wie das bisher manchmal angenommen wurde. Ob es überhaupt einen Sanierungsplan für die Nobas geben wird, wie nach einem Treffen im Nordhäuser Rathaus verlautet wurde, das könnte bezweifelt werden. Ein Sanierungsplan, wie ihn das Trio aus hiesiger Geschäftsleitung, Betriebsrat und Unternehmensberater Ende Juli vorlegten, steht mehr denn je in den Sternen über dem traditionsreichen Maschinenbaustandort an der Rothenburgstraße.

Mehr: Es gibt seitens eines anderen Unternehmens in Nordhausen schon bekundetes Interesse an der Übernahme von Produktionsstätten der Nobas-Liegenschaft. Und Werkhallen hat die Nobas immer noch genug.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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