Briefe aus Bad Füssing (2)
Sonntag, 07. September 2003, 10:27 Uhr
Nordhausen/Bad Füssing (nnz). Na, liebe nnz-Leser, haben Sie gestern auch die Null-Nummer der deutschen Elite-Kicker gesehen? Nicht das Spiel war es eigentlich, das schon heute für einen großen Medienrummel sorgte, sondern die Reaktion des Team-Chefs Rudi Völler. Was das alles mit unserem Nordthüringen zu tun hat, das erfahren Sie mit einem Klick auf MEHR.
Neunzig Minuten litt Rudi Völler am Spielfeldrand in Rejkjavik. Neunzig Minuten tobte er, ärgerte sich, griff sich in die schlohweißen Locken. Es war ein Grauen, was die Deutschen gegen den Fußballzwerg Island veranstalteten. Obwohl einige Stammspieler verletzt waren – das war die deutsche Fußball-Elite, die da gestern kickte. Wohl bemerkt: die deutsche. Die ist nicht identisch mit der Elite der Bundesligakicker. Denn dort geben die Ausländer den Ton in den 18 Mannschaften an. Der eigene Nachwuchs spielt eher die zweite Geige. Und mit der muß der Rudi zurechtkommen.
Nun wird im Deutschen Fußballbund seit Jahren schon von der Förderung des Nachwuchses geredet. Und nach jeder Niederlage, nach jedem schlechten Spiel wird das neu aufgelegt. Doch die Wurzel des Übels ist schlicht und ergreifend das Geld. Warum sollen die Spitzenvereine in Deutschland und der DFB denn in eine Nachwuchsförderung investieren, wenn sie fertige Stars auf dem internationalen Markt kaufen können? Da laufen in der ersten und zweiten Liga doch Mannschaften auf, die ausnahmslos mit Ausländern besetzt sind. Ein naheliegendes Beispiel dafür war in der vergangenen Saison Energie Cottbus. Ede Geier hatte einfach keine andere Wahl.
Doch es gibt auch im Bezahl-Fußball Ausnahmen von der Regel. Das sind eigentümlicherweise Mannschaften, die in den zurückliegenden Jahren mehr mit dem Abstieg denn mit einem UEFA-Cup-Platz zu kämpfen hatten. Der SC Freiburg oder Borussia Mönchengladbach zum Beispiel. Die Gladbacher kommen auch gern mal zum Trainingslager nach Nordthüringen. Im eichsfeldischen Teistungen wurden sie in diesem Jahr gesehen. Und die Fohlen haben sich auch der Nachwuchsarbeit verschrieben, in Schlotheim nämlich. Im dortigen Sportcenter soll eine Nachwuchsschule gegründet werden, sollen Talente gefördert werden. Natürlich werden auch die Gladbacher davon profitieren. Doch in der Breite profitiert die Region.
Die Kooperation zwischen Mönchengladbach und Schlotheim hat einen Namen: Eckhard Ohl. Der sportbegeisterte Bürgermeister hatte die Kontakte hergestellt und ihr Wachsen befördert. Denn Ohl ist der Meinung, dass der Sport ein hervorragendes Mittel ist, um Jugend zu begeistern, von der Straße zu holen. Da Ohl als Sportart nun nicht Feder-, sondern Fußball favorisiert, mag persönlich begründet sein. Aber Fußball lässt sch nun mal besser vermarkten. Fakt ist aber, in Schlotheim hat die kommunale Politik ein Herz für den Fußball, fördert ihn und andere Sportarten so, wie es die Stadtkasse zulässt. In Nordhausen ist das ein wenig anders. Weder im Stadtrat noch im Rathaus schlagen die Herzen höher, wenn es um Wacker oder Salza geht. Andere Vereine genießen Priorität. Auch wenn sich die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Becker als Präsidiumsmitglied um die Wacker-Belange kümmert, auch wenn sich Thüringens Sozialminister Dr. Klaus Zeh bei Spielen von Wacker mal sehen lässt, das alles können nur Tropfen auf dem heißen Stein sein. Sympathie wächst von unten heraus, aus den kommunalen Ebenen. Gerade dann, wenn es dem Fußball in Nordhausen nicht mehr so gut geht...
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzNeunzig Minuten litt Rudi Völler am Spielfeldrand in Rejkjavik. Neunzig Minuten tobte er, ärgerte sich, griff sich in die schlohweißen Locken. Es war ein Grauen, was die Deutschen gegen den Fußballzwerg Island veranstalteten. Obwohl einige Stammspieler verletzt waren – das war die deutsche Fußball-Elite, die da gestern kickte. Wohl bemerkt: die deutsche. Die ist nicht identisch mit der Elite der Bundesligakicker. Denn dort geben die Ausländer den Ton in den 18 Mannschaften an. Der eigene Nachwuchs spielt eher die zweite Geige. Und mit der muß der Rudi zurechtkommen.
Nun wird im Deutschen Fußballbund seit Jahren schon von der Förderung des Nachwuchses geredet. Und nach jeder Niederlage, nach jedem schlechten Spiel wird das neu aufgelegt. Doch die Wurzel des Übels ist schlicht und ergreifend das Geld. Warum sollen die Spitzenvereine in Deutschland und der DFB denn in eine Nachwuchsförderung investieren, wenn sie fertige Stars auf dem internationalen Markt kaufen können? Da laufen in der ersten und zweiten Liga doch Mannschaften auf, die ausnahmslos mit Ausländern besetzt sind. Ein naheliegendes Beispiel dafür war in der vergangenen Saison Energie Cottbus. Ede Geier hatte einfach keine andere Wahl.
Doch es gibt auch im Bezahl-Fußball Ausnahmen von der Regel. Das sind eigentümlicherweise Mannschaften, die in den zurückliegenden Jahren mehr mit dem Abstieg denn mit einem UEFA-Cup-Platz zu kämpfen hatten. Der SC Freiburg oder Borussia Mönchengladbach zum Beispiel. Die Gladbacher kommen auch gern mal zum Trainingslager nach Nordthüringen. Im eichsfeldischen Teistungen wurden sie in diesem Jahr gesehen. Und die Fohlen haben sich auch der Nachwuchsarbeit verschrieben, in Schlotheim nämlich. Im dortigen Sportcenter soll eine Nachwuchsschule gegründet werden, sollen Talente gefördert werden. Natürlich werden auch die Gladbacher davon profitieren. Doch in der Breite profitiert die Region.
Die Kooperation zwischen Mönchengladbach und Schlotheim hat einen Namen: Eckhard Ohl. Der sportbegeisterte Bürgermeister hatte die Kontakte hergestellt und ihr Wachsen befördert. Denn Ohl ist der Meinung, dass der Sport ein hervorragendes Mittel ist, um Jugend zu begeistern, von der Straße zu holen. Da Ohl als Sportart nun nicht Feder-, sondern Fußball favorisiert, mag persönlich begründet sein. Aber Fußball lässt sch nun mal besser vermarkten. Fakt ist aber, in Schlotheim hat die kommunale Politik ein Herz für den Fußball, fördert ihn und andere Sportarten so, wie es die Stadtkasse zulässt. In Nordhausen ist das ein wenig anders. Weder im Stadtrat noch im Rathaus schlagen die Herzen höher, wenn es um Wacker oder Salza geht. Andere Vereine genießen Priorität. Auch wenn sich die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Becker als Präsidiumsmitglied um die Wacker-Belange kümmert, auch wenn sich Thüringens Sozialminister Dr. Klaus Zeh bei Spielen von Wacker mal sehen lässt, das alles können nur Tropfen auf dem heißen Stein sein. Sympathie wächst von unten heraus, aus den kommunalen Ebenen. Gerade dann, wenn es dem Fußball in Nordhausen nicht mehr so gut geht...
Peter-Stefan Greiner
