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Das Tafelsilber wird verscherbelt

Mittwoch, 03. September 2003, 18:00 Uhr
Nordhausen (nnz). Der industrielle Ausverkauf im Landkreis Nordhausen geht munter weiter. Der „Fall“ HBM Nobas ist bekannt. Jetzt kommt wahrscheinlich ein neuer hinzu.


Da sind zwar keine Arbeitsplätze in Größenordnungen gefährdet, doch es geht schlicht und ergreifend um eine Produktionsstätte: WICO in Niedersachswerfen. Der Betrieb des zahlungsunfähigen Wildgruber-Imperiums soll nach Informationen der nnz verkauft werden. Als Interessent sollen die Knauf-Gipswerke in Frage kommen. Die wollen das Unternehmen am Kohnstein nicht weiterführen, sondern dort die Maschinen und Anlagen abbauen und dann, so munkelt man in Insiderkreisen, im Osten wieder aufbauen. Mit Osten ist diesmal das Territorium der ehemaligen Sowjetunion gemeint.

Interesse soll Knauf schon lange signalisiert haben, jetzt aber ist der Preis für die Insolvenzmasse vermutlich noch interessanter geworden. Auf einer Fachtagung soll die Information jetzt „durchgesickert“ sein. Mit dem beabsichtigten Verkauf der Anlagen wird auch denjenigen jegliche Grundlage genommen, die sich um eine Weiterführung von Abbau und Produktion beworben hatten. Im Gespräch war noch vor kurzem eine „Management by out“-Lösung. Sollte die Insolvenzverwalterin in München den Vertrag perfekt machen, dann wird in Niedersachswerfen nie wieder Anhydrit aufbereitet werden. Dann muß auch die Frage gestellt werden, warum vor Jahren die gigantische Brücke zum angeblichen Gewerbegebiet Kohnstein gebaut werden musste. Schließlich, so die offizielle Begründung der Politik in Stadt und Landkreis, müsse der Schwerlastverkehr aus der Ortschaft heraus. Jetzt werden vermutlich nur noch die Fahrzeuge über die Brücke fahren, die Maschinen- und Anlagenteile abtransportieren. Nicht verkauft kann die Abbaustätte, hier seien die Eigentumsverhältnisse nicht klar, der Tagebau gehört auch nicht zur Insolvenzmasse.

Man sagt immer: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Hoffnung hatten die WICO-Mitarbeiter noch im Dezember 2001. Da schrieben sie an Geschäftspartner: Sehr geehrte Damen und Herren, seit Jahren haben wir uns bemüht, Sie in jeglicher Weise mit unseren Produkten und unserem Service zufrieden zu stellen. ... Unsere große Bitte ist, dass Sie uns weiterhin die Treue halten und uns in diesem schwierigen Prozeß begleiten.“ Sollte der Deal nun tatsächlich Realität werden, dann ist auch diese Hoffnung gestorben.
Autor: nnz

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