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BUND-Einsatz mit Bedeutung

Sonntag, 02. Oktober 2011, 12:01 Uhr
Die BUND-Kreisgruppe Nordhausen lädt für den morgigen Montag (3.10.) zu einem Pflegeeinsatz nach Steigerthal ein. Es geht um die Beseitigung aufkommender Gebüsche an einem Orchideenstandort, die nach der jüngst erfolgten Beweidung stehen geblieben sind...

Naturblick (Foto: B. Schwarzberg) Naturblick (Foto: B. Schwarzberg)
Das Bild zeigt einen Ausschnitt unserer einmaligen Südharzlandschaft vom durch einen Gipstagebau zerstörten Hagenberg aus hinüber auf die NSG Sattelköpfe und Himmelsberg, den Ellricher Stadtwald und auf Woffleben.

Die Verbuschung unserer historischen Kulturlandschaft stellt ein großes Problem dar, weil damit zum einen deren typischer Charakter mit einem Nebeneinander von Wald, Trocken- und Halbtrockenrasen und Feldern verloren geht und zum Zweiten zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zurückgedrängt werden. Viele dieser Spezies sind auf diese offenen Strukturen angewiesen und haben in ihnen ihre zum Teil letzten Refugien.

Aber selbst in den Naturschutzgebieten ist es seit der Wende nicht immer einfach, deren gesetzlich geforderte Strukturen zu erhalten, weil zum einen traditionelle, extensive Bewirtschaftungsformen für die Landwirte wenig lukrativ sind, weil Mittel für die Landschaftspflege fehlen oder weil es zu wenig Landwirte gibt, die sie nutzen. Im Umweltbereich hat das Land Thüringen zudem den Rotstift angesetzt. So wurden die Mittel für die Erstpflege von offenen Standorten (Entbuschung) auf Null reduziert.

Diese Beschlüsse stehen im Widerspruch zu den Verpflichtungen des Landes gegenüber der so genannten Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) der EU und gegenüber den vielen Pflegerichtlinien mit Gesetzeskraft, z.B. aus den Schutzgebietsverordnungen für die einzelnen Naturschutzgebiete.

Ein auf diesem Gebiet tätiger Beamter sagte mir jüngst, dass deren Umsetzung politisch nicht gewollt sei. Umweltminister Reinholz stützte diese Meinung mir gegenüber anlässlich des Harzspazierganges der Ministerpräsidentin mit der Äußerung: „Ich kenne kein Land, dass schon einmal wegen Nichteinhaltung der FFH-Richtlinie zur Kasse gebeten wurde.“ All dies aber sind Bankrotterklärungen, die zudem zeigen, wie unterschiedlich Gesetze trotz ihrer angeblichen gleichrangigen Bedeutung ausgelegt bzw. befolgt werden.

Zugleich lassen sie unschwer erkennen, wie wenig ernst es die Politik auch mit der Umsetzung internationaler Beschlüsse und Absichtserklärungen meint, so zum Beispiel von der jüngsten Biodiversitätskonferenz in Nagoya, Japan (2010). Noch immer scheint die Erkenntnis in den Zentralen der Macht wenig verbreitet zu sein, dass der Mensch von einem Ökosystem Erde getragen wird, in das er im wahrsten Wortsinne auf Gedeih und Verderb eingebunden ist . Alles, was den meisten von uns lieb und teuer ist, wir selbst, unsere Familien und unser materieller Wohlstand hängt am Ende nicht von Gehalt und von Aktienkursen ab, sondern von der Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Auch wenn dies so manchem Leser vielleicht nicht einleuchten mag: Mit unseren ehrenamtlichen Pflegemaßnahmen erfüllen wir als BUND-Kreisgruppe nicht nur eigentlich vom Land zu erbringende Leistungen, sondern wir tragen, wenn auch nur einen winzigen Teil, zur Erhaltung der Artenvielfalt und damit unserer aller Lebensgrundlagen bei.

Die Bedeutung ehrenamtlicher Pflegemaßnahmen durch den BUND hat durch die aufgeführten politischen Defizite weiter an Bedeutung gewonnen, wenngleich diese nur punktuell und kleinflächig wirksam werden können. Das liegt insbesondere an unserer spartanischen Geräteausrüstung und zum Zweiten an unserer geringen Personaldecke.

Die untere Naturschutzbehörde ist über unsere unregelmäßig stattfindenden Einsätze informiert. Wir treffen uns am 3.10. um zehn Uhr am Sportplatz Steigerthal. Astscheren (auch kleine) sind mitzubringen, ebenso Harken zur Entfilzung wenig beweideter Trockenrasen. Interessenten sind natürlich herzlich willkommen.
Bodo Schwarzberg, BUND-Kreisgruppe Nordhausen
Autor: nnz

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