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Bilderbriefe aus dem Kunsthaus (11)

Freitag, 30. September 2011, 08:31 Uhr
Mit diesem Bilder-Brief aus dem Kunsthaus Meyenburg wird die Serie in der nnz beendet. Sie begleitete die Sonderausstellung „Künstlerinnen und Künstler um Caspar David Friedrich“ und fand viele Leser.


Die Präsentation hat, wie die zahlreichen Besucher in Gesprächen und Eintragungen in das Gästebuch bestätigten, hohe Anerkennung gefunden und Nordhausen als kunstoffene Stadt in Deutschland weithin bekannt gemacht.

Louise Seidler (1786-1866)

Bildnis Gisela von Arnim, verehelichte Grimm, um 1850
Pastell, 37,5 x 27,9 cm
Bez. Merilia Fitchersvogel
© Klassik Stiftung Weimar, Direktion Museen


Grimm (Foto: privat) Grimm (Foto: privat) Zu der kleinen Freundschaftsgalerie, die sich die Malerin Louise Seidler mit ihren Pastell-Porträts geschaffen hatte, gehört auch das Bildnis von Gisela von Arnim (1827-1889). Sie war die jüngste Tochter des Schriftstellerehepaares Achim und Bettine von Arnim (1785-1859) und begleitete die Mutter häufig nach Weimar, wo diese mit dem Buchhändler Kühn wegen der Herausgabe ihrer Werke verhandelte. Mit Louise Seidler waren beide gut bekannt. Insbesondere die künstlerisch begabte Gisela pflegte diese freundschaftliche Verbindung. Die Identifizierung des Porträts als Gisela Grimm ist durch die Bezeichnung „Merilia Fitchersvogel“, eindeutig, da Gisela unter diesem Pseudonym Märchen veröffentlichte. Auch die Benennung „Allerlei Rauh“ wurde verwandt.

Mit diesem Bildnis gelang Louise Seidler in ihrem Spätwerk ein bemerkenswertes Charakterbild, in dem die Ähnlichkeit des Äußeren mit Empfindsamkeit, Ernst und Klarheit im inneren Wesen der Dargestellten glücklich verbunden sind.

Grimm (Foto: privat) Grimm (Foto: privat) Diese Eigenschaften schätzten auch die Schwestern Bardua an Gisela von Arnim. Gemeinsam mit den Schwestern Maximiliane und Armgart war sie von Kindesalter an häufiger Gast bei Caroline und Wilhelmine Bardua in deren Berliner Wohnung, wo sie besonders von Wilhelmine betreut und erzogen wurden. Oft standen die Mädchen Modell für Caroline Barduas Gemälde, Gisela zum Beispiel für das Ölbild „Das belauschte Geheimnis“, hier ein Ausschnitt daraus.

Die drei Töchter Bettine von Arnims gehörten mit den Schwestern Bardua im Jahre 1843 zu den Gründern des „Kaffeterclubs“, einem künstlerischen Zirkel für unverheiratete Damen, dessen Sitzungen bald in Berlin zum kulturellen Ereignis wurden.

Gisela, die als das begabteste Kind der Arnims galt, wuchs mit den Werken der Romantik auf, denn ihre Mutter und der früh verstorbene Vater gehörten zu den Hauptvertretern dieser Epoche. Mit 20 Jahren veröffentlichte sie ihre ersten Märchen.

Ihrem späteren Ehemann Herman Grimm (1828-1901) begegnete Gisela in Berlin. Er war der Sohn von Wilhelm Grimm und studierte bei dem berühmten Historiker Leopold von Ranke. Herman Grimm lebte seit 1841 in Berlin und gehörte bald zum engen Freundeskreis der von Arnims. Im Jahr 1849 trafen Herman und Gisela in Weimar den 1831 geborenen Konzertmeister und Geiger Joseph Joachim. Es entwickelte sich eine für alle drei Beteiligten teils sehr schmerzhafte Beziehung, die erst 1859 durch die Heirat von Gisela mit Herman beendet wurde.

1873 wurde Grimm Professor für Neue Kunstgeschichte an der Berliner Universität und verfasste anerkannte Biographien über Michelangelo und Raffael. Zudem gehörte er zu den Mitbegründern der Goethegesellschaft. Das Ehepaar hielt sich mehrmals in Italien auf, wo die oft kränkelnde Frau 1889 in Florenz starb. Dort befindet sich auch ihr Grab.

Gisela von Arnim war wie ihre Eltern Schriftstellerin und verfasste neben Theaterstücken zeitlebens Märchen. Ihr Werk bedarf noch der gründlichen Aufarbeitung.
Bärbel Kovalevski, Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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