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Der Siegerbaum kommt aus?

Donnerstag, 29. September 2011, 12:03 Uhr
Jährlich seit 1999 lobt der in Quedlinburg ansässige Regionalverband Harz den Harzer Naturparkpreis aus. Im Gebiet seiner Mitgliedslandkreise will er damit die Aufmerksamkeit der Einwohner auf scheinbar alltägliche Dinge lenken. In diesem Jahr waren es Bäume. Einer davon, aus dem Landkreis Nordhausen, ist nun zum liebenswertesten des Harzes gekürt worden...

Liebenswerter Baum (Foto: Nebelung) Liebenswerter Baum (Foto: Nebelung)

Das, was hier lebende Menschen kaum noch bewusst wahrnehmen, weil sie mitunter täglich daran vorbeikommen, kann in den Augen von Gästen der Harzregion etwas ganz Besonderes sein und sollte deshalb auch so behandelt werden. „Liebenswerte Bäume“ ist das Thema des Harzer Naturparkpreises 2012.

Am dazu 2011 ausgeschriebenen Wettbewerb haben sich Kommunen und Verein beteiligt. Insgesamt waren 27 Bewerbungen eingegangen. Die 15 aussichtsreichsten Objekte wurden von der vierköpfigen Jury in Augenschein genommen. Dazu war die Jury unterwegs in einem Gebiet von Ostharingen (Landkreis Goslar) im Norden, Annarode (Landkreis Mansfeld-Südharz) im Osten, Rehungen (Landkreis Nordhausen) im Süden und Pöhlde (Landkreis Osterode am Harz) im Westen.

Gesucht wurde nicht nach Superlativen, nicht der höchste, dickste oder älteste Baum. Vielmehr standen die folgenden Fragen im Raum: Wie stark ist ein Baum im Bewusstsein der Menschen verankert? Ist der Baum Wahrzeichen, Treffpunkt oder Ausflugsziel? Gibt es Bräuche, die auf einen Baum oder eine Baumgruppe Bezug nehmen und heute noch lebendig sind? Kann zu einem bestimmten Baum heute noch eine Geschichte erzählt werden? Was macht einen Baum bzw. eine Baumgruppe liebenswert? Wie wird das Umfeld genutzt und gepflegt?

Am Ende gab es ein zähes Ringen innerhalb der Jury, doch nun steht der Sieger fest. Es ist die Friedenseiche Heringen. Die auf dem Marktplatz der Stadt stehende Stieleiche (Quercus robur) war am 16. Juli 1871 gepflanzt worden. Es war der Tag, an dem Heringer Männer aus dem Deutsch-französischen Krieg heimkehrten. Im Jahr zuvor hatte Frankreich Preußen den Krieg erklärt. An der Seite des Königreichs verteidigten sich die Staaten des Norddeutschen Bundes.

Auch die süddeutschen Staaten kämpften auf der Seite der Angegriffenen, und so stand im Ergebnis des Krieges die von Bismarck schon länger angestrebte Gründung des Deutschen Reiches. Heute steht unter der Friedenseiche ein Denkmal. Es erinnert an die deutschen Einigungskriege zwischen 1864 und 1871 und die Heringer Kriegsteilnehmer. Die Baum und Denkmal umgebenden Büsche und eine Einfriedung wurden während der Zeit des Nationalsozialismus entfernt.

Während der Zeit der deutschen Teilung standen dort dann ab 1960 sogenannte Milchbänke (Sammelpunkt für in Kannen ablieferungspflichtige Milch). Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde der Platz neu gestaltet, und so umgibt heute wieder ein schmiedeeiserner Zaun Baum und Denkmal. Der weiträumige Platz um die Friedenseiche war und ist ein zentraler Treff- und Kommunikationsort. Die Pflege der Anlage haben Schüler der Heringer Grund- und Regelschule „Geschwister Scholl“ übernommen.

Der Naturparkpreis 2012 – eine Kunstgussplakette aus der traditionsreichen Fürst-Stolberg-Hütte in Ilsenburg - wird anlässlich des Walpurgisempfangs des Regionalverbandes Harz Ende April 2012 an Vertreter der Stadt und der Vereine überreicht werden. Weitere Informationen zu den Naturparkwettbewerben unter www.harzregion.de
Autor: nnz

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