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Wackers Neue: Matti Langer

Mittwoch, 28. September 2011, 12:09 Uhr
Ob ausgefallen, originell oder außergewöhnlich – Menschen lieben Geschenke. Ein besonderes erhielt der Fußball-Verbandsligist FSV Wacker 90 Nordhausen mit Matti Langer in der Sommerpause. Zumindest, wenn man der Bedeutung des Vornamens Glauben schenken mag...


So ist Matti die finnische Variante des Namens Matthias, der wiederum eine Kurzform des biblischen Namens Mattithiah (hebräisch) ist und „Geschenk Gottes“ bedeutet. Seine Eltern Martin und Kerstin wählten den Vornamen aber aus einem anderen Grund aus. „Matti Nykänen war ein bekannter finnischer Skispringer und meinen Eltern hat der Vorname einfach gefallen“, klärt der 21-Jährige auf.

Beschenkt hat sich Langer, der am liebsten im zentralen offensiven Mittelfeld agiert, in den vergangenen Wochen bereits selbst, mit Toren nämlich. So wie beispielsweise in der zweiten Runde des Landespokals, als der Mittelfeldakteur für seinen neuen Klub zwei Treffer zum 8:1-Sieg in Veilsdorf beisteuerte. Die Partie, die bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterließ, war das Derby beim BSV Eintracht Sondershausen, obwohl er keinen Treffer erzielte.

„Wir haben zwar nicht überragend gespielt, aber es hat echt Spaß gemacht, auf dem Platz zu stehen. Ich fand es die Stimmung sehr schön“, schaut er zurück. Dass er nun für die Blau-Weißen aufläuft, daran ist Gerald Emde nicht ganz unschuldig. Der Teamleiter der ersten Mannschaft des FSV wurde auf den jungen Schlacks, der 1,89 Meter misst und in der vergangenen Saison noch für die Drittliga-Reserve des FC Rot-Weiß Erfurt die Töppen schnürte, vor einigen Monaten bei einem Testspiel in Kraja aufmerksam.

„Er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, für die Nordhäuser zu spielen.“ Bevor allerdings eine endgültige Entscheidung fiel, auch Regionalligisten bekundeten ihr Interesse, folgten intensive Gespräche, unter anderem mit Vereinspräsident Nico Kleofas und dem neuen Coach Jörg Goslar. „Ich hatte im Vorfeld ein bisschen Angst, dass ich einen Trainer bekomme, der mir nichts beibringen kann“, äußert der sehr ehrgeizige Neuzugang, der auch gern mal „Überstunden“ auf dem Platz schiebt, zunächst Bedenken, die am Ende unbegründet waren, denn wie er selbst sagt: „Jörg Goslar hat einen richtigen Plan vom Fußball. Das zeigt sich auch im Training. Er schult Zweikampfverhalten und Passspielformen. Es steckt immer eine Idee dahinter und das mit Erfolg.“

Bislang hat Langer seine Entscheidung, zu Wacker gewechselt zu sein, also nicht bereut. „Die Abtastphase zu Beginn ging schnell vorbei, zumal auch Leute, die ich von früher kannte, dabei waren“, entgegnet er und fügt schmunzelnd an, „irgendwie trifft man sich doch immer wieder im Fußball.“

So verbindet die Frohnatur beispielsweise mit dem gleichaltrigen Jonas Heidrich, der ebenfalls für die Rot-Weißen kickte, eine siebenjährige Freundschaft. „Wir verstehen uns super gut.“ So super gut, dass beide nun das Projekt Wohngemeinschaft in Nordhausen verwirklichen. Die Wohnungssuche gestaltete sich schwierig. Übergangsweise kamen sie bei Heidrichs Vater in Görsbach unter. Den eigenen Wohnungsschlüssel halten die Kumpel, die sehr gern kochen, nun seit Mitte September in den Händen.

Noch sieht es vor allem im Wohnzimmer eher spartanisch als wohnlich und gemütlich aus. So fehlen unter anderem noch die Couch sowie einige Lichtquellen. „Es wird langsam“, ist Langer, der Betriebswirtschaft an der Fachhochschule studiert, optimistisch. Dafür gibt es bereits einen riesigen Flachbildfernseher, der mitten im Wohnzimmer auf einem Holztisch vorerst seinen Platz gefunden hat. „Der soll noch an die Wand“, erfährt man nebenbei.

Ihr Wohnzimmer ist in einem freundlich hellen Gelbton gestrichen. Auf eine Wand sind beide aber besonders stolz. Diese wurde nämlich mit Trikots, die auf Kleiderbügeln hängen, verschönert. Dort sind nicht nur die eigenen Namen zu lesen, sondern zum Beispiel der des ehemaligen Erfurters Martin Hauswald, der nun für den Regionalligisten Eintracht Trier im Mittelfeld die Fäden zieht.

„Er ist neben Bastian Schweinsteiger und Lance Armstrong eines meiner Vorbilder“, verrät Langer und nennt auch gleich den Grund: „Hauswald hat ein vorbildliches Benehmen gegenüber Gegenspielern und Schiedsrichtern. Das muss ich mir erst noch richtig abschauen.“ Ein anderes Trikot ziert den Namen von Carsten Kammlott, der mit Heidrich und Langer gemeinsam die Jugendabteilungen des FC Rot-Weiß Erfurt durchlief und nun für Red Bull Leipzig in der Regionalliga auf Torjagd geht. Wenn es die Zeit erlaubt, dann geht es für Langer am Wochenende auch mal ins Zentralstadion nach Leipzig.

Doch am liebsten fährt der Musikfan, der gern Black Music und Hip Hop zur Entspannung hört, dorthin, „wo Herz und Seele zu Hause sind“, nämlich in die Heimat. Diese liegt mehr als 70 Kilometer von der Rolandstadt entfernt. Sein Weg führt ihn dann nach Stotternheim in der Nähe von Erfurt. Dort fing nämlich alles an, als er mit sieben Jahren bei der TSG das Fußball-Abc erlernte. Da es keine F-Jugend gab, startete der aufgeweckte Knirps in der D II-Jugend auf der linken Flügelseite durch. „Wir waren eine sehr gute Mannschaft.“

Dass sein Filius Talent hatte, davon war insbesondere sein Vater überzeugt, sodass der Zehnjährige zum Aufnahmetest ans Sportgymnasium nach Erfurt fuhr. Zunächst ohne Erfolg. „Sie wollten mich nicht haben“, sagt Langer und ergänzt im gleichen Atemzug, „mein Vater hat mit dem Leiter Hans-Jürgen Kinne gesprochen und ihn überzeugen können, dass sie mich aufnehmen sollten.“ Das Engagement war nicht umsonst, Langer durchlief alle Nachwuchsabteilungen. So war er unter anderem Kapitän in der A-Jugend. Die gezeigten Leistungen führten dazu, dass er gemeinsam mit Kammlott, beide damals 18 Jahre alt, eine Einladung zum siebentägigen Trainingslager der ersten Mannschaft, es ging in die Türkei, erhielten.

Trainer war Karsten Baumann, der ihm „immer Feedback gab“, was Langer als sehr positiv empfand. Der Lohn für seinen engagierten Einsatz war ein zweijähriger Profivertrag. An seinen ersten Einsatz kann er sich ebenfalls noch gut erinnern. Es war der sechste Spieltag in der Saison 2009/2010, als ihn Coach Rainer Hörgl, von dem er spielerisch viel gelernt hat, vor allem die Zielstrebigkeit vor dem Tor, im Heimspiel gegen Dynamo Dresden beim Stand von 4:0 in der 83. Minute für Kammlott brachte. Der Höhenflug hielt allerdings nur eine Serie, danach ging es für ihn in der Reserve weiter.

Die Gedanken des 20-Jährigen kreisen immer mal wieder um die Zukunft, denn bisher bestimmte Fußball sein Leben. „Er ist für mich mehr als ein Hobby und ihm habe ich alles untergeordnet“, betont er und möchte am liebsten dem Sport für immer die Treue halten. „Ich denke, es wird mir irgendwann sehr schwer fallen aufzuhören.“

Doch bevor es so weit ist, möchte Langer erst einmal mit Wacker das ehrgeizige Projekt „Aufstieg Oberliga“ verwirklichen. Dafür will er am kommenden Doppelspielwochenende, zunächst am Sonnabend im Punktspiel beim SV Blau-Weiß Neustadt/Orla (14.30) und am Montag im Achtelfinale des Landespokals bei der BSG Wismut Gera (14 Uhr), seinen Beitrag leisten und das am besten mit Geschenken in Form von Toren.
Sandra Arm
Autor: nnz

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