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Mal wieder nachgefragt (2)

Montag, 26. September 2011, 14:32 Uhr
Der Besuch des Papstes in Thüringen ist Geschichte. Vielleicht für die nächsten 200 Jahre oder so. Zeit, mal im Lager der Christdemokraten bezüglich der Kandidaten für die kommenden Wahlen nachzufragen. Doch den Anfang machen wir mit einer Partei, die sich in einem rasend schnellen Zersetzungsprozess befindet...


Wie kommt man von 18 Prozent der Wählerstimmen auf 1,8 Prozent? Es gibt zwei Möglichkeiten der Beantwortung: Entweder, man verschiebt das Komma um eine Stelle nach links oder man nennt sich FDP. So bitter der Niedergang dieser Partei für die reine Lehre des Liberalismus auch sein mag, die Liberalen in der Stadt Nordhausen sehen das nicht so dramatisch.

Dramatischer ist da schon ihr Blick auf die Haushaltsvisionen der Nordhäuser Stadtverwaltung. Da sollen, so teilt FDP-Fraktionsvorsitzender Martin Höfer mit, sich für die "Rechenschieber in der Kämmerei" Lücken von sechs Millionen Euro auftun. Für Höfer ein Grund, die Kandidatur für den Posten des Oberbürgermeister noch einmal kräftig zu überlegen. Lust hätte er schon, der Mann, der bereits vor sechs Jahren dieses Amt im Visier hatte. Wenn man ihn fragen würde...

Doch auch Höfer hätte - bei aller ihm nachgesagten Phantasie und Kreativität - wohl kaum einen Spielraum zum Gestalten. Bei den zu erwartenden Einnahmedifferenzen bliebe nur das Verwalten übrig. Doch ehe ein anderer Kandidat oder vielleicht sogar eine andere Kandidatin von der Nordhäuser FDP ins Rennen geschickt wird, will er vermutlich schon selbst die kalten Kohlen aus dem kalten Feuer des Nordhäuser Liberalismus holen, schließlich sei der Aufstieg der Nordhäuser FDP sehr eng mit dem Namen Höfer verbunden. Sei es wie es, die Liberalen wollen sich Zeit nehmen, vermutlich werden die Namen Anfang nächsten Jahres bekannt gegeben.

Es werden dann die Namen sein, die zum Beispiel gegen Egon Primas oder Dr. Klaus Zeh von der CDU ins Rennen geschickt werden sollen. Auch die vereinigte Christdemokratie dieser Region will sich noch Zeit lassen. Mindestens einen Monat, dann könnte das Kandidaten-Paar feststehen, das jetzt schon intensiv gehandelt wird. Bei den bis dahin zu absolvierenden Runden auf dem Karussell fahren aber die Landesvorsitzende und weitere Erfurter Spitzen noch einige Runden mit. Denn sollten, was nur die Kühnsten träumen, sowohl Zeh als auch Primas die Wahl gewinnen, dann fehlen zwei Nordthüringer Landtagsabgeordnete. Im schlimmsten Fall droht die Übernahme eines der Wahlkreise durch Dagmar Schipanski. Nicht auszudenken...

Aber die CDU soll, so hört man immer und immer wieder, noch einen Trumpf in der politischen Kartensammlung haben. Prof. Christian Juckenack, dem einst ein Rektorenjob in Nordhausen weniger wichtig war, als eine Karriere als Staatssekretär. Und wäre der Dieter A. auf Brettern nicht verunfallt und hätte der Eichsfelder dadurch nicht den Tod einer Frau verursacht, der Herr Professor hätte sich bereits als Minister für Landwirte, Forstwirte und für die Umwelt gesehen. So aber besetzt der Jürgen Reinholz, pikanterweise ein Nordhäuser, diesen Sessel. Doch Juckenack wären nicht Juckenack, wenn er nicht anderes im Sinne hätte. Zum Beispiel kann er ja Kandidat für den Erfurter OB-Job werden. Dachte er, machte aber die Rechnung ohne die Erfurter CDU. Abgeblitzt. Ach ja, da ist ja auch noch der Posten des Chefs der Erfurter FH vakant. Also auch dort bewerben. Und dann noch in Nordhausen?

Kommen wir zum Ende dieser Betrachtung noch zu den Forstwirten und dem Posten des Nordhäuser Landrats. Beides hängt, man glaubt es kaum, zusammen. Mit einer Person: Egon Primas. Der Mann schwingt hin und her zwischen dem möglichen Job eines Behördenleiters aller Forstwirte und dem des Behördenleiters aller Mitarbeiter des Landratsamtes in Nordhausen.

Und: So richtig trauen die Christdemokraten - vor allem die in Nordhausen - dem Herrn Primas nicht über den Weg. Da überlegen einige lang gediente CDU-ler bereits den Austritt aus ihrer Partei, wenn Egon Primas als Landratskandidat antritt. Obwohl: der Nordhäuser CDU-Chef Stefan Nüßle sieht in dem Landtagsabgeordneten einen Mann, der die notwendigen Strukturen in schwierigen Zeiten in die Behörde bringen könnte und der bei einer möglichen Gebietsreform durchaus eine notwendig starke Position des Landkreises Nordhausen in Waagschale werfen könnte.

Ende Oktober sollen wir alle schlauer sein, zumindest, was die Personalplanung der CDU anbelangt. Mein Tipp bis dahin: Zeh und Primas - alle anderen Alternativen wollen, können oder dürfen nicht und mächtig dick ist auch die christdemokratische Personaldecke im Landkreis Nordhausen nicht wirklich. Es sei aber noch einmal gesagt: So groß wie im kommenden Jahr wird die Chance auf den Sieg bei den OB- oder Landratswahlen nicht wieder. Denn in sechs Jahren gibt es bereits wieder Personen, die ihren Amtsbonus einbringen. Im kommenden Jahr laufen alle Kandidaten bei Null los.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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