Menschenbilder (17)
Donnerstag, 22. September 2011, 06:39 Uhr
Aus dem im Spätherbst des Jahres 2011 erscheinenden reich bebilderten Buch "Menschenbilder aus der Harz- und Kyffhäuserregion" von Bodo Schwarzberg veröffentlicht die nnz in loser Folge eine Auswahl an Texten über Mitbürger, die er seit April 2010 zu ihrem Leben, ihrer Tätigkeit und deren gesellschaftlichen und persönlichen Hintergründen gesprochen hat.
9734 Nordhausen
Susan und Otto Allner ist es zu verdanken, dass die Stadt Nordhausen um ein einmaliges Kleinod reicher geworden ist. Mit ihrem Zoo in der Halleschen Straße schufen sie nicht nur eine grüne, exotische Oase inmitten des vorbeiflutenden Verkehrs und des Häusermeeres. Denn ihren Zoo verstehen sie auch als Bildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche, die in unserer modernen Zeit nur allzu oft kaum noch einen Bezug zur heimischen Tierwelt haben, geschweige denn zur Fauna ferner Länder. Nicht zuletzt aber hat das Paar unsere Heimatstadt mit einer weiteren Sehenswürdigkeit bereichert, die hinsichtlich ihrer Vielfalt, ihrer liebevollen, detailverliebten Ausstattung, und hinsichtlich ihres Wertes für den Artenschutz weithin Ihresgleichen sucht.
Otto Allner (geboren am 20.07.1961 in Nordhausen) erlernte in der Mitropa der Rolandstadt den Beruf eines Kochs, qualifizierte sich zum Fleischer und war später in einer Fleischerei in der Hardenbergstraße angestellt. Seine Ehefrau Susan wurde am 19.06.1962 ebenfalls in Nordhausen geboren und erlernte mehrere Berufe. Viele Menschen kennen sie vielleicht noch als Verkäuferin der einstigen Werkzeug-HO in der Bahnhofstraße oder später als Kassiererin in der Domäne, wo sie sechs Jahre lang beschäftigt war.
Tiere bestimmen das Leben von Otto Allner solange er denken kann. Als er einst in einer Zoohandlung ein Aquarium für seine Schildkröten kaufte, machte er aus dessen schlechter Qualität seine erste Geschäftsidee: Er begann selbst damit, Aquarien zu kleben und, nebst technischem Zubehör, zu verkaufen. Schließlich mietete er sich im Haus Hallesche Straße 22 ein und eröffnete am 01.11.1993 die Zoohandlung Terra-Shop, die sich zunächst auf Terrarien und Reptilien bis hin zu Krokodilen spezialisierte. Die qualitativ hochwertige Anfertigung von Aquarien und Terrarien blieb dabei ein wichtiger Geschäftszweig.
Drei Jahre später bezog Otto Allner Räumlichkeiten in der Halleschen Straße 20, wo ihm bedeutend mehr Platz zur Verfügung stand. Seitdem wird er hier von seiner Frau hauptberuflich unterstützt. Der neue Name Zoohaus Allner (seit 1996 in der Halleschen Straße 18) wurde zum Synonym für unterschiedlichste Haustierarten, und für alle Produkte rund um den Zoo im Wohnzimmer, wobei für den Unternehmer Reptilien nach wie vor eine Hauptrolle spielen. Die Geburtsstunde des ersten Zoologischen Gartens in Nordhausen schlug im Jahre 2000, als Otto Allner das Gelände des ehemaligen Kreisbaubetriebes erwarb und begann, einen seit langem gehegten Traum umzusetzen:
Ich wollte etwas für die Menschen in unserer Stadt tun und sie von meiner Liebe zur Tierwelt auf eine besondere und ganz neue Weise profitieren lassen, sagt er. 2 Mio. D-Mark investierte er in das Areal, baute Tiergehege, Schauterrarien und Wasserbecken. Er legte ein Wegesystem an und brachte Pflanzen aus fernen Ländern ein. Heute leben rund 400 Tiere von ca. 80 Arten im Zoo der Allners. Zu ihnen gehören nicht nur Schlangen, Krokodile, Schildkröten und Erdmännchen. Auch ein Stachelschwein, zwei Esel und Waschbären haben hier ein wohlbehütetes Zuhause gefunden.
Zu den ganz besonderen Attraktionen gehören die Erdmännchen, für die das Paar im Tropenhaus eine wüstenähnliche Landschaft aufbaute und die mit ihrer Lebendigkeit und mit ihren Spielen schon viele Besucher lange verweilen ließen. Künftig möchte sich das Paar, welches zwei Mitarbeiter beschäftigt, verstärkt der Erhaltung vom Aussterben bedrohter Tierarten widmen. Längst sind auch Zoos aus ganz Deutschland auf das Nordhäuser Refugium aufmerksam geworden: Vertreter der Tiergärten in Halle, Leipzig, Dresden, Delitzsch, Köln, Frankfurt/Main, Wittenberge und Dessau haben sich bei den Allners bereits nach exotischen Tieren umgeschaut. Die sehr selten gehaltenen Rotbauchtamarinen haben sie ihrerseits vom Zoo Köln bzw. vom Tierpark Wittenberge erhalten.
Und die beiden Nordhäuser haben weitere Träume, die sie bereits mit Leben erfüllen: Gegenwärtig entsteht in Rottleberode ein Erlebnistierpark, für den neben Wölfen und Nasenbären unter anderem auch Chinaleoparden, Lamas und Kamele vorgesehen sind. Aber auch damit ist ihr Idealismus bei weiten nicht erschöpft. Wer ihre Zoohandlung in der Halleschen Straße besucht, der stößt unweigerlich auf acht kleine Hunde, die das Paar aus schwierigen Verhältnissen übernahm, und ihnen so ein würdiges Zuhause gab. Außerdem bieten sie einem Katzenhilfsverein Räumlichkeiten auf ihrem Grundstück. Ein Imbiss mit zahlreichen Sitzgelegenheiten lädt in der Halleschen Straße 18 zudem die Zoobesucher zum Verweilen ein.
All das klingt nach einer wunderbaren und zukunftssicheren Attraktion, mit der die beiden Enthusiasten die Rolandstadt ein Stück reicher, wohnlicher und schöner machen. Doch Otto Allner steigt unweigerlich die Zornesröte ins Gesicht, wenn er auf das Interesse der Stadtverwaltung angesprochen wird: Weder Frau Dr. Klose vom Kulturamt, noch die OB zeigten bisher Interesse. Zur Eröffnung des Zoos am 1. Mai 2008 kam nicht ein Vertreter der Stadt!, so Otto Allner, und die Oberbürgermeisterin ließ einen Besuch mit dem Hinweis auf ihre Angst vor Schlangen absagen.
Bisher wurde ihrer Einrichtung nicht eine jener Vergünstigungen gewährt, die in anderen Städten mit Tierparks längst üblich sind: Anderen Zoos werden die Energiekosten oder die Grundsteuer erlassen. Wir hingegen müssen alles privat finanzieren, beklagt er. Auch über ein paar Ein-Euro-Jobber würde er sich freuen, die ihnen bei den vielen anfallenden Tätigkeiten helfen. Wir hoffen auf eine künftig gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, bekräftigt Otto Allner.
Ein leidiges Thema ist auch das Gelände der ehemaligen Friedrich-Engels-Schule, das hinter dem Zoo liegt. Ich wollte das Gelände kaufen, um den Zoo vergrößern zu können. Aber die Stadt entschied sich für einen anderen Interessenten, der das Grundstück aber verwildern lässt. Jugendliche werfen von dort aus Steine und Flaschen auf die Tiere. Selbst Spritzen haben die Allners schon auf dem Tierparkgelände entdeckt. Es ist ein Trauerspiel, wie sich die Stadt uns gegenüber verhält, sagt Otto Allner. – Mehr als einmal spielte er schon mit dem Gedanken, seinen Zoo zu schließen. Zunächst jedoch plant er die Gründung eines Fördervereins und hofft, dass sich für das Kleinod inmitten der Stadt alles zum Guten wendet, und dass sich die Stadtoberen darauf besinnen, dass es hier jemand mit viel Fleiß und Idealismus geschafft hat, Nordhausen ein Aushängeschild zu bescheren.
Das Buch wird von Helmut Peter von der Autohaus Peter GmbH und vom Maler und Grafiker Klaus-Dieter Kerwitz (mit Grafiken) großzügig unterstützt. Kommentare sind nicht erwünscht.
Bodo Schwarzberg wird in wenigen Tagen mit einer Serie über den Zoo Nordhausen, in Wort und Bild beginnen. Insbesondere sollen die derzeit rund 80 Tierarten des Zoos näher vorgestellt werden.
Autor: nnzSusan und Otto Allner
Zoo Nordhausen und Zoohandlung9734 Nordhausen
Susan und Otto Allner ist es zu verdanken, dass die Stadt Nordhausen um ein einmaliges Kleinod reicher geworden ist. Mit ihrem Zoo in der Halleschen Straße schufen sie nicht nur eine grüne, exotische Oase inmitten des vorbeiflutenden Verkehrs und des Häusermeeres. Denn ihren Zoo verstehen sie auch als Bildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche, die in unserer modernen Zeit nur allzu oft kaum noch einen Bezug zur heimischen Tierwelt haben, geschweige denn zur Fauna ferner Länder. Nicht zuletzt aber hat das Paar unsere Heimatstadt mit einer weiteren Sehenswürdigkeit bereichert, die hinsichtlich ihrer Vielfalt, ihrer liebevollen, detailverliebten Ausstattung, und hinsichtlich ihres Wertes für den Artenschutz weithin Ihresgleichen sucht.
Otto Allner (geboren am 20.07.1961 in Nordhausen) erlernte in der Mitropa der Rolandstadt den Beruf eines Kochs, qualifizierte sich zum Fleischer und war später in einer Fleischerei in der Hardenbergstraße angestellt. Seine Ehefrau Susan wurde am 19.06.1962 ebenfalls in Nordhausen geboren und erlernte mehrere Berufe. Viele Menschen kennen sie vielleicht noch als Verkäuferin der einstigen Werkzeug-HO in der Bahnhofstraße oder später als Kassiererin in der Domäne, wo sie sechs Jahre lang beschäftigt war.
Tiere bestimmen das Leben von Otto Allner solange er denken kann. Als er einst in einer Zoohandlung ein Aquarium für seine Schildkröten kaufte, machte er aus dessen schlechter Qualität seine erste Geschäftsidee: Er begann selbst damit, Aquarien zu kleben und, nebst technischem Zubehör, zu verkaufen. Schließlich mietete er sich im Haus Hallesche Straße 22 ein und eröffnete am 01.11.1993 die Zoohandlung Terra-Shop, die sich zunächst auf Terrarien und Reptilien bis hin zu Krokodilen spezialisierte. Die qualitativ hochwertige Anfertigung von Aquarien und Terrarien blieb dabei ein wichtiger Geschäftszweig.
Drei Jahre später bezog Otto Allner Räumlichkeiten in der Halleschen Straße 20, wo ihm bedeutend mehr Platz zur Verfügung stand. Seitdem wird er hier von seiner Frau hauptberuflich unterstützt. Der neue Name Zoohaus Allner (seit 1996 in der Halleschen Straße 18) wurde zum Synonym für unterschiedlichste Haustierarten, und für alle Produkte rund um den Zoo im Wohnzimmer, wobei für den Unternehmer Reptilien nach wie vor eine Hauptrolle spielen. Die Geburtsstunde des ersten Zoologischen Gartens in Nordhausen schlug im Jahre 2000, als Otto Allner das Gelände des ehemaligen Kreisbaubetriebes erwarb und begann, einen seit langem gehegten Traum umzusetzen:
Ich wollte etwas für die Menschen in unserer Stadt tun und sie von meiner Liebe zur Tierwelt auf eine besondere und ganz neue Weise profitieren lassen, sagt er. 2 Mio. D-Mark investierte er in das Areal, baute Tiergehege, Schauterrarien und Wasserbecken. Er legte ein Wegesystem an und brachte Pflanzen aus fernen Ländern ein. Heute leben rund 400 Tiere von ca. 80 Arten im Zoo der Allners. Zu ihnen gehören nicht nur Schlangen, Krokodile, Schildkröten und Erdmännchen. Auch ein Stachelschwein, zwei Esel und Waschbären haben hier ein wohlbehütetes Zuhause gefunden.
Zu den ganz besonderen Attraktionen gehören die Erdmännchen, für die das Paar im Tropenhaus eine wüstenähnliche Landschaft aufbaute und die mit ihrer Lebendigkeit und mit ihren Spielen schon viele Besucher lange verweilen ließen. Künftig möchte sich das Paar, welches zwei Mitarbeiter beschäftigt, verstärkt der Erhaltung vom Aussterben bedrohter Tierarten widmen. Längst sind auch Zoos aus ganz Deutschland auf das Nordhäuser Refugium aufmerksam geworden: Vertreter der Tiergärten in Halle, Leipzig, Dresden, Delitzsch, Köln, Frankfurt/Main, Wittenberge und Dessau haben sich bei den Allners bereits nach exotischen Tieren umgeschaut. Die sehr selten gehaltenen Rotbauchtamarinen haben sie ihrerseits vom Zoo Köln bzw. vom Tierpark Wittenberge erhalten.
Und die beiden Nordhäuser haben weitere Träume, die sie bereits mit Leben erfüllen: Gegenwärtig entsteht in Rottleberode ein Erlebnistierpark, für den neben Wölfen und Nasenbären unter anderem auch Chinaleoparden, Lamas und Kamele vorgesehen sind. Aber auch damit ist ihr Idealismus bei weiten nicht erschöpft. Wer ihre Zoohandlung in der Halleschen Straße besucht, der stößt unweigerlich auf acht kleine Hunde, die das Paar aus schwierigen Verhältnissen übernahm, und ihnen so ein würdiges Zuhause gab. Außerdem bieten sie einem Katzenhilfsverein Räumlichkeiten auf ihrem Grundstück. Ein Imbiss mit zahlreichen Sitzgelegenheiten lädt in der Halleschen Straße 18 zudem die Zoobesucher zum Verweilen ein.
All das klingt nach einer wunderbaren und zukunftssicheren Attraktion, mit der die beiden Enthusiasten die Rolandstadt ein Stück reicher, wohnlicher und schöner machen. Doch Otto Allner steigt unweigerlich die Zornesröte ins Gesicht, wenn er auf das Interesse der Stadtverwaltung angesprochen wird: Weder Frau Dr. Klose vom Kulturamt, noch die OB zeigten bisher Interesse. Zur Eröffnung des Zoos am 1. Mai 2008 kam nicht ein Vertreter der Stadt!, so Otto Allner, und die Oberbürgermeisterin ließ einen Besuch mit dem Hinweis auf ihre Angst vor Schlangen absagen.
Bisher wurde ihrer Einrichtung nicht eine jener Vergünstigungen gewährt, die in anderen Städten mit Tierparks längst üblich sind: Anderen Zoos werden die Energiekosten oder die Grundsteuer erlassen. Wir hingegen müssen alles privat finanzieren, beklagt er. Auch über ein paar Ein-Euro-Jobber würde er sich freuen, die ihnen bei den vielen anfallenden Tätigkeiten helfen. Wir hoffen auf eine künftig gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, bekräftigt Otto Allner.
Ein leidiges Thema ist auch das Gelände der ehemaligen Friedrich-Engels-Schule, das hinter dem Zoo liegt. Ich wollte das Gelände kaufen, um den Zoo vergrößern zu können. Aber die Stadt entschied sich für einen anderen Interessenten, der das Grundstück aber verwildern lässt. Jugendliche werfen von dort aus Steine und Flaschen auf die Tiere. Selbst Spritzen haben die Allners schon auf dem Tierparkgelände entdeckt. Es ist ein Trauerspiel, wie sich die Stadt uns gegenüber verhält, sagt Otto Allner. – Mehr als einmal spielte er schon mit dem Gedanken, seinen Zoo zu schließen. Zunächst jedoch plant er die Gründung eines Fördervereins und hofft, dass sich für das Kleinod inmitten der Stadt alles zum Guten wendet, und dass sich die Stadtoberen darauf besinnen, dass es hier jemand mit viel Fleiß und Idealismus geschafft hat, Nordhausen ein Aushängeschild zu bescheren.
Das Buch wird von Helmut Peter von der Autohaus Peter GmbH und vom Maler und Grafiker Klaus-Dieter Kerwitz (mit Grafiken) großzügig unterstützt. Kommentare sind nicht erwünscht.
Bodo Schwarzberg wird in wenigen Tagen mit einer Serie über den Zoo Nordhausen, in Wort und Bild beginnen. Insbesondere sollen die derzeit rund 80 Tierarten des Zoos näher vorgestellt werden.
