Wackers Neue: Robin Teichmann
Mittwoch, 21. September 2011, 17:19 Uhr
Eigentlich hatte Robin Teichmann gar keine andere Wahl, als einen Sport auszuüben, in dem das runde Leder eine Hauptrolle spielt. Dieser Faszination sind nämlich bereits sein Großvater Dieter und sein Vater Ingolf verfallen.Die ganze Familie ist fußballbesessen, gesteht der Mittelfeldakteur, der seit Saisonbeginn die Schuhe für den FSV Wacker 90 Nordhausen schnürt.
Auf Höhe der Mittellinie machten sie plötzlich halt. Hallo, ist hier noch frei?, fragten sie höflich, während man in zwei Augenpaare, die in freudiger Erwartung glänzten, schaute. Man nickte, denn die Tribüne im Albert-Kuntz-Sportpark war bereits gut gefüllt. Nebenbei erfuhr man relativ schnell, dass es sich bei dem netten älteren Ehepaar um die Großeltern von Teichmann handelte.
Wir reisen unserem Enkel immer hinterher, plaudern die beiden aus. Stolz seien sie aber nicht nur auf die Leistung von Robin, sondern aller ihrer Enkel. Mein Opa verpasst höchstens ein Spiel pro Jahr, verriet ihr Enkel und ergänzt im gleichen Atemzug, er ist richtig fußballverrückt.
Das kann man auch vom 23-Jährigen behaupten. Geboren in Nordhausen, aufgewachsen in Großwechsungen, fand er bereits mit fünf Jahren den Weg in den heimatlichen Sportverein. In diesem wurde er im zentralen Mittelfeld ausgebildet. Ich habe eigentlich nie auf einer anderen Position gespielt. Selbst als er mit seiner Familie und den Großeltern vor 14 Jahren nach Etzelsrode zog, hielt er der LSG Blau-Weiß Großwechsungen die Treue. Mitunter waren die Wege zum Training lang, aber ein Mann war immer zur Stelle.
Mein Opa hat mich immer zum Training gefahren, ist Robin heute immer noch sehr dankbar über den familiären Fahrdienst. Sein Opa Dieter hatte auch beim Transfer seines Enkels zur D-Jugend nach Bleicherode seine Finger im Spiel. Ja, den hat er eingefädelt. Die Mannschaft war damals ziemlich gut im Kreis und Bleicherode lag fahrtechnisch auch günstig, klärt Robin auf.
Wackers Neue: Robin Teichmann (Foto: Wacker Nordhausen)
Das Fußball-Abc erlernte er also in Großwechsungen, zur Schule ging er aber in Nordhausen. Die Fahrtkosten hielten sich ebenfalls in Grenzen, denn mit der Oma, die am Humboldt-Gymnasium lehrte, ging es immer gemeinsam in die Rolandstadt. Einige seiner Schulkameraden wie beispielsweise Felix Hampel (SG Blau-Gelb Görsbach) oder Jannick Hempowicz (Union Sandersdorf) spielten bei der SG Heringen/Görsbach und wussten ihn geschickt in ihr Team, in dem auch Keeper Jonas Heidrich spielte, zu lotsen. Für Teichmann sollte es allerdings nicht die letzte Station sein, denn es folgte ein einjähriges Intermezzo in der B-Jugend des FC Union Mühlhausen, die in die Regionalliga aufgestiegen waren.
In diesen zwölf Monaten musste das Team allerdings sehr viel Lehrgeld bezahlen. Es war für mich die Chance höherklassig zu spielen. Wir sind zwar als Letzter in der Staffel abgestiegen, aber wir haben auch vier Partien unter anderem das Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden mit 3:2 gewonnen. Das war schon ein Highlight.
Das Leben bescherte dem damals 17-Jährigen aber nicht nur Glücksmomente. Der Wechsel zur A-Jugend von TuSpo Petershütte, ebenfalls familienbedingt, hätte für ihn fast das Aus bedeutet. Im letzten Spiel der Hinserie wurde bei ihm eine Herzmuskelentzündung aufgrund verschleppter Viren diagnostiziert. Es folgten ein siebenwöchiger Aufenthalt im Krankenhaus sowie ein Jahr Pause vom aktiven Sport. Die Zeit wusste der sonst so lebensfroh wirkende Teichmann gut zu überbrücken. Ich konnte in Ruhe meine Schule fertig machen und habe im Oktober 2006 angefangen Maschinenbau in Dresden zu studieren.
Der fehlende Sport führte allerdings zu einer negativen Begleiterscheinung. Ich habe mir 20 Kilo angefuttert, gesteht der 1,71 Meter große Mittelfeldspieler. Da die Kilos nicht von alleine purzelten, stieg er langsam, es war im Frühjahr 2007, wieder ins Training bei der LSG in Großwechsungen ein. Es war sehr hart für mich, weil ich ein halbes Jahr nur auf der Bank saß, erinnert sich Teichmann nur ungern an die Zeit zurück. Außerdem übernahm er an der Hochschule eine Fußballgruppe und düste immer am Wochenende in die Heimat, um Punktspiele zu bestreiten.
Mittlerweile hat sich im Leben von Teichmann vieles zum Positiven gewendet. Ich bin nun vollständig geheilt, gehe aber noch einmal im Jahr zur Kontrolluntersuchung. Die Familie, die Freundin Natalie und die Freunde bestimmen nun sein Leben. Sie sind für mich das Wichtigste, betonte die Frohnatur, die seinen Optimismus nie verloren hat. Für mich ist das Glas immer halbvoll. Auch sein Studium neigt sich langsam dem Ende entgegen. So schreibt er bereits seit dem Frühjahr an seiner Diplomarbeit im Bereich Projektmanagement bei der Firma Maximator in Nordhausen.
Das traf sich gut, denn der Vorstand des FSV Wacker 90 Nordhausen hatte schon länger ein Auge auf den quirligen sowie zweikampfstarken Akteur, der aufgrund seiner Kurzsichtigkeit eine Brille - während der Partie auf Kontaktlinsen zurückgreift - trägt, geworfen. Doch er gab den Verantwortlichen immer wieder einen Korb. Erst wenn ich mit dem Studium fertig bin, dann kann man über Wacker reden. Die Geduld des Wacker-Präsidiums wurde am Ende mit der Vertragsunterzeichnung belohnt.
Doch es bleibt auch Wehmut. Ich habe meinem Heimatverein sehr viel zu verdanken und der Abschied fiel mir nicht leicht. Seine ehemaligen Teamkollegen sitzen nun ab und zu auf der Tribüne im AKS und freuen sich mit ihm über den guten Start.
Beim FSV überzeugte Teichmann insbesondere das Konzept, zudem kannte er einige Akteure wie beispielsweise Stephan Hoffmann oder Heidrich und auch das Umfeld stimmte. Doch noch mehr zeigte sich Teichmann, der in seiner Freizeit gern beim Angeln mit seinen Freunden entspannt oder die Skipisten im Harz unsicher macht, von seiner neuen Aufgabe als Kapitän überrascht. Das wurde auf der Mannschaftssitzung vor dem ersten Punktspiel entschieden. Bereits bei den Testspielen trug Teichmann die Binde, aber in dieser Phase war, wie er ausdrücklich betont, noch nichts offiziell entschieden.
Den Moment, als er die Binde beim ersten Heimspiel von Pistorius, der seine aktive Laufbahn beendete, um den linken Arm gestreift bekam, wird er nicht so schnell vergessen. Für mich war es ein positives Erlebnis. Sven hat mir viel Glück gewünscht und hat zum Abschluss gelächelt. Das Glück war den Blau-Weißen bisher hold, aus fünf Spielen holten das Team von Trainer Jörg Goslar 13 Punkte. Es macht unheimlich viel Spaß an diesem Projekt, in das wir viel Zeit und Arbeit reinstecken, mitzuwirken. Wir arbeiten sehr viel als Mannschaft auf dem Platz und sind alle stolz auf den guten Saisonstart.
Das Glück soll ihnen auch am Sonntag, um 14.30 Uhr, wenn der Aufsteiger FSV Martinroda im AKS gastiert, hold sein. Auf der Tribüne werden unter anderem zwei Augenpaare, die von seinen Großeltern nämlich, wohl wieder ganz genau hinschauen.
Sandra Arm
Autor: nnzAuf Höhe der Mittellinie machten sie plötzlich halt. Hallo, ist hier noch frei?, fragten sie höflich, während man in zwei Augenpaare, die in freudiger Erwartung glänzten, schaute. Man nickte, denn die Tribüne im Albert-Kuntz-Sportpark war bereits gut gefüllt. Nebenbei erfuhr man relativ schnell, dass es sich bei dem netten älteren Ehepaar um die Großeltern von Teichmann handelte.
Wir reisen unserem Enkel immer hinterher, plaudern die beiden aus. Stolz seien sie aber nicht nur auf die Leistung von Robin, sondern aller ihrer Enkel. Mein Opa verpasst höchstens ein Spiel pro Jahr, verriet ihr Enkel und ergänzt im gleichen Atemzug, er ist richtig fußballverrückt.
Das kann man auch vom 23-Jährigen behaupten. Geboren in Nordhausen, aufgewachsen in Großwechsungen, fand er bereits mit fünf Jahren den Weg in den heimatlichen Sportverein. In diesem wurde er im zentralen Mittelfeld ausgebildet. Ich habe eigentlich nie auf einer anderen Position gespielt. Selbst als er mit seiner Familie und den Großeltern vor 14 Jahren nach Etzelsrode zog, hielt er der LSG Blau-Weiß Großwechsungen die Treue. Mitunter waren die Wege zum Training lang, aber ein Mann war immer zur Stelle.
Mein Opa hat mich immer zum Training gefahren, ist Robin heute immer noch sehr dankbar über den familiären Fahrdienst. Sein Opa Dieter hatte auch beim Transfer seines Enkels zur D-Jugend nach Bleicherode seine Finger im Spiel. Ja, den hat er eingefädelt. Die Mannschaft war damals ziemlich gut im Kreis und Bleicherode lag fahrtechnisch auch günstig, klärt Robin auf.
Wackers Neue: Robin Teichmann (Foto: Wacker Nordhausen)
Das Fußball-Abc erlernte er also in Großwechsungen, zur Schule ging er aber in Nordhausen. Die Fahrtkosten hielten sich ebenfalls in Grenzen, denn mit der Oma, die am Humboldt-Gymnasium lehrte, ging es immer gemeinsam in die Rolandstadt. Einige seiner Schulkameraden wie beispielsweise Felix Hampel (SG Blau-Gelb Görsbach) oder Jannick Hempowicz (Union Sandersdorf) spielten bei der SG Heringen/Görsbach und wussten ihn geschickt in ihr Team, in dem auch Keeper Jonas Heidrich spielte, zu lotsen. Für Teichmann sollte es allerdings nicht die letzte Station sein, denn es folgte ein einjähriges Intermezzo in der B-Jugend des FC Union Mühlhausen, die in die Regionalliga aufgestiegen waren. In diesen zwölf Monaten musste das Team allerdings sehr viel Lehrgeld bezahlen. Es war für mich die Chance höherklassig zu spielen. Wir sind zwar als Letzter in der Staffel abgestiegen, aber wir haben auch vier Partien unter anderem das Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden mit 3:2 gewonnen. Das war schon ein Highlight.
Das Leben bescherte dem damals 17-Jährigen aber nicht nur Glücksmomente. Der Wechsel zur A-Jugend von TuSpo Petershütte, ebenfalls familienbedingt, hätte für ihn fast das Aus bedeutet. Im letzten Spiel der Hinserie wurde bei ihm eine Herzmuskelentzündung aufgrund verschleppter Viren diagnostiziert. Es folgten ein siebenwöchiger Aufenthalt im Krankenhaus sowie ein Jahr Pause vom aktiven Sport. Die Zeit wusste der sonst so lebensfroh wirkende Teichmann gut zu überbrücken. Ich konnte in Ruhe meine Schule fertig machen und habe im Oktober 2006 angefangen Maschinenbau in Dresden zu studieren.
Der fehlende Sport führte allerdings zu einer negativen Begleiterscheinung. Ich habe mir 20 Kilo angefuttert, gesteht der 1,71 Meter große Mittelfeldspieler. Da die Kilos nicht von alleine purzelten, stieg er langsam, es war im Frühjahr 2007, wieder ins Training bei der LSG in Großwechsungen ein. Es war sehr hart für mich, weil ich ein halbes Jahr nur auf der Bank saß, erinnert sich Teichmann nur ungern an die Zeit zurück. Außerdem übernahm er an der Hochschule eine Fußballgruppe und düste immer am Wochenende in die Heimat, um Punktspiele zu bestreiten.
Mittlerweile hat sich im Leben von Teichmann vieles zum Positiven gewendet. Ich bin nun vollständig geheilt, gehe aber noch einmal im Jahr zur Kontrolluntersuchung. Die Familie, die Freundin Natalie und die Freunde bestimmen nun sein Leben. Sie sind für mich das Wichtigste, betonte die Frohnatur, die seinen Optimismus nie verloren hat. Für mich ist das Glas immer halbvoll. Auch sein Studium neigt sich langsam dem Ende entgegen. So schreibt er bereits seit dem Frühjahr an seiner Diplomarbeit im Bereich Projektmanagement bei der Firma Maximator in Nordhausen.
Das traf sich gut, denn der Vorstand des FSV Wacker 90 Nordhausen hatte schon länger ein Auge auf den quirligen sowie zweikampfstarken Akteur, der aufgrund seiner Kurzsichtigkeit eine Brille - während der Partie auf Kontaktlinsen zurückgreift - trägt, geworfen. Doch er gab den Verantwortlichen immer wieder einen Korb. Erst wenn ich mit dem Studium fertig bin, dann kann man über Wacker reden. Die Geduld des Wacker-Präsidiums wurde am Ende mit der Vertragsunterzeichnung belohnt.
Doch es bleibt auch Wehmut. Ich habe meinem Heimatverein sehr viel zu verdanken und der Abschied fiel mir nicht leicht. Seine ehemaligen Teamkollegen sitzen nun ab und zu auf der Tribüne im AKS und freuen sich mit ihm über den guten Start.
Beim FSV überzeugte Teichmann insbesondere das Konzept, zudem kannte er einige Akteure wie beispielsweise Stephan Hoffmann oder Heidrich und auch das Umfeld stimmte. Doch noch mehr zeigte sich Teichmann, der in seiner Freizeit gern beim Angeln mit seinen Freunden entspannt oder die Skipisten im Harz unsicher macht, von seiner neuen Aufgabe als Kapitän überrascht. Das wurde auf der Mannschaftssitzung vor dem ersten Punktspiel entschieden. Bereits bei den Testspielen trug Teichmann die Binde, aber in dieser Phase war, wie er ausdrücklich betont, noch nichts offiziell entschieden.
Den Moment, als er die Binde beim ersten Heimspiel von Pistorius, der seine aktive Laufbahn beendete, um den linken Arm gestreift bekam, wird er nicht so schnell vergessen. Für mich war es ein positives Erlebnis. Sven hat mir viel Glück gewünscht und hat zum Abschluss gelächelt. Das Glück war den Blau-Weißen bisher hold, aus fünf Spielen holten das Team von Trainer Jörg Goslar 13 Punkte. Es macht unheimlich viel Spaß an diesem Projekt, in das wir viel Zeit und Arbeit reinstecken, mitzuwirken. Wir arbeiten sehr viel als Mannschaft auf dem Platz und sind alle stolz auf den guten Saisonstart.
Das Glück soll ihnen auch am Sonntag, um 14.30 Uhr, wenn der Aufsteiger FSV Martinroda im AKS gastiert, hold sein. Auf der Tribüne werden unter anderem zwei Augenpaare, die von seinen Großeltern nämlich, wohl wieder ganz genau hinschauen.
Sandra Arm

