nnz-online

Bilderbriefe aus dem Kunsthaus (9)

Samstag, 17. September 2011, 11:25 Uhr
Seit dem 16. Juli läuft im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen eine Sonderausstellung, die 135 originale Kunstwerke von der Frühromantik über die Hochromantik bis zum Biedermeier zeigt. Um einer Vielzahl von Lesern Lust auf diese Bilderschau zu machen, wird es bis zu deren Ende am 2. Oktober in der nnz „Bilder-Briefe aus dem Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen“ geben...

Georg Heinrich Crola (1804-1879)

Schnarcherklippen bei Schierke mit Brocken im Hintergrund, 1843
Tusche, Feder, aquarelliert, 28,0 x 38,0 cm
bez. unten rechts: Schierke 1843 Crola
© Kulturstiftung Wernigerode


Bildnis (Foto: privat) Bildnis (Foto: privat)

Der spätromantische Landschaftsmaler Georg Heinrich Crola wurde am 6. Juni 1804 in Dresden-Neustadt geboren, verlor früh seine Eltern und wuchs bei seinen Großeltern in Meißen auf. Der Großvater war Landschaftsmaler in der dortigen Porzellanmanufaktur und Zeichenlehrer an der Fürstenschule St. Afra. Bereits der vierzehnjährige Georg erhielt in Dresden privaten Zeichenunterricht und durfte in der Dresdner Gemäldegalerie hin und wieder die Werke der alten Meister kopieren. 1825 siedelte er nach Dresden über, wo Johan Christian Dahl und Caspar David Friedrich auf ihn aufmerksam wurden und ihn unterrichteten. In seinen Aufzeichnungen schreibt er Jahre später über Friedrich: „Der alte Landschaftsmaler Friedrich protegierte mich in seiner Weise.

Nie sagte er mir ein Lob über die Arbeiten, die ich ihm zeigte. Schweigend betrachtete er sie eine Zeit lang. Dann pflegte er über Kunst und Leben Wahrheiten zu sagen, wo er dann mir überließ, die besondere Anwendung auf mich selbst zu machen. Doch wurde mir durch Personen, die sein Vertrauen besaßen, versichert, wie er über mein Streben und dessen Zukunft mit Achtung gesprochen und nur für den Hochmutsteufel in mir Besorgnisse hegte ... Er wurde in den Zwanzigerjahren dieses Jahrhunderts für einen großen Künstler gehalten. In der Tiefe seines Seelen- und Gemütslebens war er es gewiss auch. Aber eine entschiedene Abneigung gegen den Kulturgang seiner Zeit ließ ihn sich isolieren, wodurch er noch zu Lebzeiten in eine unverdiente Vergessenheit geriet.“

Während Crolas Lehr- und Wanderjahren als Maler war 1928 der Harz sein Ziel. „...wanderte ich mit Tornister und Gitarre über Langensalza, Sondershausen und Nordhausen auf das geheimnisvolle Harzgebirge zu.“ In Ilsenburg gefiel es ihm so, dass er sich dort für längere Zeit einmietete und ausgiebig zeichnete und malte. Im November 1829 brach er auf der Suche nach Aufträgen von dort nach Coburg auf. In Tanne übernachtete er und wanderte am Morgen in bitterer Kälte weiter.

„Ein nach Ellrich gehender Postschlitten, auf dem ein hübsches Mädchen saß, nahm mich mit und warf, ohne uns zu beschädigen, auf der Höhe von Hohe Geiß um.“ Von der Kleinstadt Ellrich im Südharz begab er sich nach Nordhausen und übernachtete im Hotel „Zum Römischen Kaiser“ am Kornmarkt. Wir erfahren: „Den Abend verbrachte ich mit dem Maler Eichler unter den Stammgästen des Gasthofes, behäbigen Nordhäuser Bürgern, die so schamlose Dinge von alten Sünden zum Besten gaben, dass es empörend anzuhören war.“

1838 war erneut der Harz sein Ziel. Wiederum ließ er sich in Ilsenburg nieder. Er erfuhr, dass sich in seiner ehemaligen Unterkunft eine geschiedene Frau, Elise von Weiher aus Berlin, niedergelassen habe, die zur Zeit bei ihren Eltern sei. Man erzählte ihm, dass sie oft zeichnend im Tale angetroffen worden war. Er lernte die geborene Bankierstochter 1839 in Berlin kennen. Man heiratete 1840 in Ilsenburg, wo sie bis zu ihrem Tode ständig wohnten. Auf ausgedehnten Wanderungen und Reisen lernten sie zeichnend den Harz, andere Gegenden in Deutschland und im Ausland kennen. Ihr Haus in Ilsenburg war ein Treffpunkt für Künstler. Mehrere Werke der beiden Crolas sind im Kunsthaus zu sehen.

Von Georg Heinrich Crola erblickt man ein Aquarell, das die beiden Schnacherklippen bei Schierke zeigt. Diese Steinformationen sind auch von Johann Wolfgang Goethe auf seiner dritten Harzreise im September 1784 aufgesucht worden. Er setzte ihnen im 1. Teil von „Faust“ ein literarisches Denkmal, und zwar in der „Walpurgisnacht“, die Faust mit Mephisto auf dem Brocken verbringen will. Die Reise dorthin führt sie in die „Gegend von Schierke und Elend“. Faust, Mephistopheles und ein zum Leuchten herbeigeholtes Irrlicht sprechen im Wechsel: „In die Traum- und Zaubersphäre / Sind wir, scheint es, eingegangen / Führ uns gut und mach dir Ehre / Daß wir vorwärts bald gelangen ... / Seh die Bäume hinter Bäumen, / Wie sie schnell vorüberrücken, Und die Klippen, die sich bücken, / Und die langen Felsennasen, / Wie sie schnarchen, wie sie blasen!“

Die Schnarcherklippen stehen als beeindruckendes Naturdenkmal südlich von Schierke. Über dem Elendstal erheben sie sich bis zu 671 Meter üNN. Die beiden etwa 20 Meter voneinander entfernt stehenden und etwa 25 Meter hohen Felsentürme gehören zum Brockengranitstock. Einer der Felsen, mit einem Kreuz versehen, ist nur durch Bergsteiger zu erklimmen, auf den anderen führen steile Eisenleitern. Von oben hat man eine herrliche Rundumsicht. Natürlich sieht man das Brockenmassiv. An den Schnarcherklippen ist deutlich die für Granit typische "Wollsackverwitterung" zu erkennen.

Bei Wind aus südöstlicher Richtung erzeugen die Klippen eigenartige Geräusche, welche bei der Namensgebung Pate standen. Eine weitere Besonderheit ist an manchen Stellen die Ablenkung der Kompassnadel aus ihrer Nordrichtung. Die Ursache hierfür liegt in der Anreicherung der Felsen mit Eisenerz (Magnetit). Durch Blitzeinschläge erfolgte eine Magnetisierung und Polarisierung des Gesteins.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de