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Enziane – Edelsteine des Herbstes

Samstag, 17. September 2011, 10:58 Uhr
Die Enziane gehören zu den wenigen Pflanzenarten, die uns zum Teil noch bis spät in den Herbst hinein mit ihren auffallenden Blüten erfreuen. Auch in unserer näheren Umgebung siedeln einige Enzianarten. Sie sind also nicht, wie viele Menschen meinen mögen, auf die Hochgebirge beschränkt...

Unterwegs in der Natur (Foto: B. Schwarzberg) Unterwegs in der Natur (Foto: B. Schwarzberg)

Vier der Enzianarten, die im Landkreis Nordhausen und im Kyffhäuserkreis zu Hause sind, wird Bodo Schwarzberg in den kommenden Tagen in der nnz und in kn vorstellen. Fünf sind in unserer nächsten Umgebung heimisch.

Verbreitung und Beschreibung

Die Gattungen Enzian (Gentianella und Gentiana) umfassen innerhalb der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae) zwischen 300 und 400 Arten. Ihre Heimat sind vor allem die Gebirge der Nordhalbkugel, aber auch die Anden. In Mitteleuropa konzentrieren sich die rund 35 Enzianarten vor allem auf die Alpen. Die meisten Vertreter der Gattung weisen kreuzgegenständige Blätter auf, d.h., jeweils zwei Blätter stehen sich am Stängel gegenüber und das folgende Blattpaar ist genau um 90 Grad gegenüber dem vorhergehenden versetzt.

Kelch und Kronblätter sind meist röhrig miteinander verwachsen, die Krone hat eine meist glockenförmige oder radförmige Gestalt und weist oft eine vielzitierte und vielbesungene tiefblaue, aber oft auch rötliche bis weißliche, selten auch gelbe Färbung auf. Enziane sind ein- oder zweijährige Pflanzenarten, mitunter sind sie aber auch ausdauernd. Sie bilden längliche Kapselfrüchte aus.

Verwendung

Enzianarten werden seit langer Zeit als Heilmittel geschätzt. Noch heute gibt es Mittel gegen Magenprobleme zu kaufen. Außerdem regen sie die Schleimsekretion der Lunge an und können so bei Bronchitis verwendet werden. Nicht zuletzt ist der Enzianschnaps vor allem in den Alpen ein beliebtes Getränk (37,5 Vol. %).

Für alle genannten Zwecke findet jedoch vor allem der Gelbe Enzian Gentiana lutea Anwendung und nur in geringem Maße kommen blaublühende Arten (wie z.B. der Kieselglocken-Enzian Gentiana clusii) zum Einsatz. Verwendet wird stets die schleimhaltige Wurzel. Die Anwendung sollte, um Gesundheitsgefahren auszuschließen, niemals ohne Rücksprache mit Ärzten und Apothekern etrfolgen.

Naturschutz

In Deutschland stehen alle Enzianarten unter Naturschutz. Sie dürfen also weder gepflückt noch ausgegraben oder beschädigt werden. Die Entnahme der wirtschaftlich genutzten Enzianarten ist gesetzlich genau geregelt und reglementiert. Zudem gibt es Anbaugebiete. So gut wie alle Enzianarten Deutschlands sind gefährdet, das heißt sie werden in den Roten Listen der Länder und des Bundes aufgeführt. Das trifft auch auf die fünf im Gebiet von Nordhausen und dem Kyffhäuser heimischen Arten zu.

Deutscher Enzian (Gentianella germanica, siehe Bilder)

Der Deutsche Enzian wächst vor allem in Feuchtwiesen und Halbtrockenrasen vom Hügelland bis hinauf in die Alpen. Er ist ein Basen- und Kalkzeiger und liebt stark wechselnde Feuchte sowie Stickstoffarmut. Vom nahe verwandten, aber bei uns extrem seltenen Bitteren Enzian Gentianella amarella unterscheidet er sich u.a. durch die deutlich längere Krone (18 – 35 mm).

Global betrachtet verfügt die leuchtend rötlich-lila blühende Art nur über ein relativ kleines Areal vom nördlichen Mittelmeergebiet bis nach Skandinavien. Deutschland liegt im Hauptareal und trägt daher für seine Erhaltung eine gewisse Verantwortung.

Um Nordhausen kommt die Art noch an einigen Stellen vor, ist jedoch rückläufig. Einer seiner größten Standorte in der Nähe von Nordhausen wird von der BUND-Kreisgruppe gepflegt. Zur Zeit blühen dort Hunderte Pflanzen. Der Deutsche Enzian wird in der Roten Liste von Deutschland als gefährdet geführt. Der BUND beobachtet seit Jahren die steigenden Bedrohungen für seinen Bestand auch um Nordhausen: Verbuschung infolge Nutzungsaufgabe, fehlende Mahd und Beweidung, Nährstoffeintrag, drohender Gipsabbau. Auf seinem Hauptstandort im Gebiet entfernt die Kreisgruppe ehrenamtlich aller zwei Jahre hunderte junger Kiefern, um den Bestand zu erhalten, bisher mit Erfolg.

Die Bilder zeigen aktuelle Bilder des Deutschen Enzians sowie einen typischen Standort in der Nähe von Nordhausen.

Im nächsten Beitrag stelle ich den in Thüringen vom Aussterben bedrohten Feld-Enzian (Gentianella campestris) vor, der seinen eventuell einzigen verbliebenen Thüringer Standort im Kyffhäuser hat. Ihn werde ich an diesem Wochenende und diesmal auch für die nnz/kn-Leser wieder aufsuchen.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnz

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