nnz-online

Wackers Neue: Robert Stark

Mittwoch, 07. September 2011, 17:11 Uhr
Es hat sich viel getan bei Wacker Nordhausen. Der Kader der "Ersten" ist kaum wieder zu erkennen. Was machen die Neuen, wie leben sie in Nordhausen oder in Thüringen? Antworten gibt es in einer neuen Serie der nnz. Sandra Arm stellt die Neuen vor...

Robert Stark (Foto: Olaf Dobrzykowsky) Robert Stark (Foto: Olaf Dobrzykowsky)

Ganz entspannt saß Robert Stark, den Oberkörper leicht nach vorn gebeugt, auf einen der nummerierten Plätze der Zuschauertribüne im Albert-Kuntz-Sportpark und ließ dabei den Blick durch das weite Rund des Nordhäuser Stadions schweifen. Die Mimik und Gestik des sympathischen 24-Jährigen, der sich im Sommer dem Fußball-Verbandsligisten FSV Wacker 90 Nordhausen anschloss, verraten, er fühlt sich wohl am Rande des Südharzes.

Starks Heimat ist Thüringen – Erfurt um genau zu sein. Er verließ sie vor vier Jahren, um in Bielefeld, Halle, Wilhelmshaven und Schalke sein sportliches Glück zu finden. Nun kehrte der gelernte Informatikkaufmann zurück in die geliebte Heimat, die ihm sehr viel bedeutet. Da ist zum einen die gute Thüringische Küche. „Ich esse sehr gern vor allem Thüringer Klöße“, schaut der großgewachsene Blondschopf an sich hinunter und fügt schmunzelnd an: „Ich kann essen was ich will, das Schöne ist, ich nehme nicht zu.“

Da sind zum anderen die Familie und die Freude. Das private Glück hat er nämlich bereits gefunden. So folgte auf seinen romantischen Antrag im vergangenen Jahr auf einer Burg bei Merenberg, einer hessischen Gemeinde, in der seine Freundin Marie eine Ausbildung absolvierte, Mitte Juni diesen Jahres die Hochzeit in Erfurt. An seiner Frau schätzt er besonders – ihre Liebenswürdigkeit. „Sie ist ein sehr positiv denkender Mensch und sehr ehrgeizig.“

Das private Glück scheint „Starki“, wie er von allen nur gerufen wird, nun auch im sportlichen Bereich regelrecht Flügel zu verleihen. Die ersten Erfolgserlebnisse bei seinem neuen Verein ließen nicht lange auf sich warten, denn nur allzu gut erinnert sich der 1,88-Meter-Hüne an den zweiten Spieltag zurück. Im Heimspiel gegen den FC Union Mühlhausen markierte er in den Schlussminuten den 2:1-Siegtreffer (Foto). Es war sein erster Pflichttreffer in der Liga und dazu noch ein ganz besonderer.

Die Mühlhäuser standen an diesem Tag sehr kompakt hinten in der Abwehr. „Für uns war es schwierig eine Lücke zu finden.“ Hinzu kam, dass die Nordhäuser vor allem mit ihrer eigenen Chancenverwertung haderten. „Uns hat einfach die Konsequenz vorm Tor gefehlt“, weiß der Linksverteidiger, der selbst im ersten Durchgang „zwei Riesenmöglichkeiten ausließ“. Mit einem Unentschieden wollte sich das Team aber nicht zufriedengeben. „Es war immer die Hoffnung da, dass wir das zweite Tor noch erzielen. Das Gefühl war immer positiv.“

Das Siegtor gegen Mühlhausen (Foto: Olaf Dobrzykowsky) Das Siegtor gegen Mühlhausen (Foto: Olaf Dobrzykowsky)

Dann kam er dieser eine Moment, es war die 89. Minute – Ecke für den FSV. „Wir haben die Situation im Training so einstudiert.“ Der Ball segelte in den Strafraum direkt auf Stark, der zum vielumjubelten 2:1 einköpfte, zu. „Der Treffer war pure Erleichterung“, freut sich der Torschütze als sei es gestern gewesen. Nur eine Woche später zeigte er sich in Borsch nervenstark, er verwandelte einen Foulelfmeter zur 1:0-Führung.

Erst spät fand Stark den Weg zum Fußball. „Ich habe erst mit sieben, acht Jahren angefangen“, erinnert er sich. Zuvor kickte er oft im Hof seiner Eltern, bevor er sich dem Fußballverein in Alperstedt unweit der Landeshauptstadt anschloss. Nur wenige Monate später bestand er den Einstellungstest beim FC Rot-Weiß Erfurt. Zunächst wirbelte er in der Offensive, später in der C/B-Jugend in der Defensive auf Linksaußen. Der Offensivdrang ist nicht zu übersehen und gehört neben seiner Kopfballstärke sowie dem guten Stellungsspiel zu einer seiner größten Stärken.

Hoch hinaus mit Wacker (Foto: Olaf Dobrzykowsky) Hoch hinaus mit Wacker (Foto: Olaf Dobrzykowsky) Stark schaffte den Sprung in die erste Mannschaft der Rot-Weißen, spielte zwei Jahre unter der Führung von Pavel Dotchev in der Regionalliga. Das Hochgefühl war nur von kurzer Dauer. „Ich war mit der Gesamtsituation in Erfurt unzufrieden“, berichtet er. Die Einsatzzeiten wurden weniger, am Ende stand der Wechsel als Leihgabe zur Bundesliga-Reserve von Arminia Bielefeld (Oberliga Westfalen). Nach zwölf Monaten folgte Stark dem Lockruf des Halleschen FC (Regionalliga). Für ihn begann eine Leidenszeit, als er sich nach einer Leistenoperation, er musste drei Monate pausieren, am Ende nur noch in der Reservistenrolle wiederfand.

Die neue Herausforderung hieß nun SV Wilhelmshaven, die ebenfalls in der Regionalliga kickten, aber wie er selbst sagt, „das Umfeld schwierig war“. In der Winterpause 2009/2010 hatte die Suche nach dem sportlichen Glück für Stark ein Ende, er fand es bei der Bundesliga-Reserve des FC Schalke 04. „Das Umfeld hat gestimmt. Die Trainingsbedingungen waren gut und es wurde professionell gearbeitet.“ Allerdings sollte sich sein persönliches Ziel, bei der Ersten mitzutrainieren, nicht erfüllen.

Den Farben Blau-Weiß hält er nun weiterhin die Treue, nur mit dem kleinen Unterschied, dass er seit einigen Monaten für die Nordhäuser die Schuhe schnürt. Torhüter Jonas Heidrich, beide kennen sich noch aus Erfurter Zeiten, brachte den Namen Stark bei Wacker ins Spiel. Vom ersten Training zeigte sich der Linksfuß, der in seiner Freizeit gern Tennis und Beachvolleyball spielt, beeindruckt: „Das Umfeld passt und die Mannschaft hat mich gut aufgenommen.“ Stark ist zurück in seiner Heimat, verlassen will er sie nicht so schnell wieder.

„Ich habe bei Wacker einen Einjahresvertrag mit Option für ein weiteres Jahr unterschrieben“, betont er. Zum Schluss gerät der variable Verteidiger noch einmal ins Schwärmen, der Grund Trainer Jörg Goslar. „Er ist sehr ehrgeizig, er sagt was er denkt und er agiert sehr professionell.“

Stark ist nun ein Teil eines ehrgeizigen Projekts, an dem am Ende der Aufstieg in die Oberliga stehen soll. „Die Mannschaft arbeitet gut, aber vor uns liegt noch eine Menge Arbeit. Wir sind aber auf einem guten Weg.“ So erwischte sie mit drei Erfolgen einen guten Ligastart, eine Fortsetzung soll es nun am kommenden Sonntag, 11. September, um 14.30 Uhr, geben, wenn der SC Leinefelde an der Parkallee gastiert. Dann allerdings nicht mit einem Robert Stark als Zuschauer auf der Tribüne, sondern als Spieler auf dem Platz.
Sandra Arm
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de