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Jürgen Hohberg bringt Kreisverwaltung auf Trab

Dienstag, 20. Februar 2001, 20:11 Uhr
Nordhausen (nnz). Sie kennen das: Eine Verwaltung ist träge, Hektik ist den Angestellten und Beamten auch des Landratsamtes manchmal fremd. Mitunter warten auch Journalisten recht lange, ehe sie Auskunft zu der einen oder anderen Frage bekommen. Da müssen Befindlichkeiten beachtet, Dienstwege und Dienstvorschriften eingehalten werden. Doch es gibt Ausnahmen in der Verwaltung, wenn es zum Beispiel ans Eingemachte geht. In diesem "nnz-Fall" an die Existenzberechtigung der Verwalter. Jürgen Hohberg hatte nämlich recherchiert, dass im Nordhäuser Landratsamt seit 1995 mal ganze neun Stellen abgebaut worden seien. Präzise listete er auch auf, wo sich - trotz zurückgehender Leistungen und Aufgaben - kein Abbau von Personal feststellen ließ. Im Gegenteil, Hohberg machte sogar personelle Aufstockungen aus. Aber das können Sie ja selbst nachlesen.
Also, die Verwalter waren aufgeschreckt. Eine Maschinerie lief an. Vermutlich wurden heute alle Dienstgänge abgesagt, die Kaffeepause verschoben - kurzum: Es herrschte Notstand auf den schicken neuen Fluren zwischen Ordnungsamt und Schulverwaltungsamt. Das war dann auch das erste Amt, das reagierte. Alles gar nicht wahr, was der Hohberg da von sich gegeben habe, falsche Zahlen seien als Maßstab herangezogen worden. Fazit: Jürgen Hohberg sei einem Trugschluß aufgesessen. Was das Schulverwaltungsamt am Vormittag noch als Sololeistung ablieferte, das fassten die Mitarbeiter des Fachbereiches Personal wenig später als Konzertereignis zusammen. Und da wurde querbeet, will heißen, queramt der Irrtum des Jürgen Hohberg aufgereiht und dokumentiert. Um auf der sicheren Seite zu sein, bediente man sich noch schnell der Zusammenarbeit des Fachbereiches Innere Verwaltung.
Den Schlußakkord der Personalsinfonie setzte schließlich und folgerichtig der Personalrat des Landratsamtes. Flugs wurde ein Offener Brief an die Mitglieder des Kreistages verfasst und noch - termingerecht - in die Mappen der Kreistagsmitglieder lanciert. "Sehr geehrte Kreistagsmitglieder, mit großer Sorge verfolgen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes Nordhausen die Diskussionen im Kreistag, die Presseveröffentlichungen sowie Stellungnahmen von Kommunalpolitikern (Jürgen Hohberg - die Red.) im Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Stand der Haushaltsplanung 2001", beginnt der Offene Brief. Diese Diskussionen würden zur Demotivierung und Unsicherheit führen und man könne damit dem Anspruch eines modernen Dienstleistungsunternehmen nicht mehr gerecht werden. Und plötzlich unterstützt der Personalrat als "Sprachrohr" der Belegschaft sogar die Bemühungen von Landrat Joachim Claus, das Landratsamt mit nur einem hauptamtlichen Beigeordneten zu führen. Abschließend wird noch schnell in die Hände der Kreistagsmitglieder versprochen, dass man auch weiterhin bestrebt sein werde, alle Kraft... usw, usw.
Bei der Umsetzung des Versprochenen "kommt dem Kreistag als integrierter Bestandteil der Verwaltung eine besondere Verantwortung und Pflicht zu", meint der Personalrat. Das wird aber Herrn Hohberg von den Socken hauen. Der Kreistag als "demokratischer Fachbereich" der Kreisverwaltung.
Spätestens hier stockt den Insidern der Atem. Statt darüber nachzudenken, wie der nicht zu umgehende Personalabbau in der Kreisverwaltung verträglich gestaltet werden kann, wie man durch Modelle vielleicht sogar um kurzfristige Kündigungen herumkommt, wird weiter an den alten Machtsphären gebastelt. Viele der Verwalter haben noch nicht begriffen, dass es die Mitglieder des Kreistages sind, die über Personalkosten oder Stellenplan zu befinden haben. Und in diesem Jahr wird es ganz dicke kommen, auch für die Verwaltung. Gegenüber nnz sprachen selbst Mitglieder der landratsnahen CDU-Fraktion nicht über fünf Prozent Personalkostenreduzierungen, sondern von notwendigen 15 Prozent. Und die, die das sprachen, haben ähnlich gravierende Einschnitte in ihren Kommunen schon durchgemacht.
Autor: psg

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