nnz-tv Eichsfelder Nachrichten Kyffhäuser Nachrichten Mansfeld-Südharz-Zeitung Unstrut-Hainich Zeitung
Fr, 14:17 Uhr
04.03.2011

Nackt unterwegs

Ein „Schlachtruf“ beim Weiberfasching soll „Ausziehen“ heißen. Das hat wohl gestern in Sondershausen ein 41 jähriger Mann wörtlich genommen. Hier die unglaubliche Geschichte...


Nackt wurde er von einer Frau gegen 19.25 Uhr gesehen, wie er den Vorraum der Sparkasse in Sondershausen betreten hat. Wenig später rief die Angestellte der Shelltankstelle in Sondershausen bei der Polizei an, dass gegen 19.30 Uhr ein nackter Mann getankt hat, in die Tankstelle kam und bezahlte. Anschließend stieg er in seinen Lancia und fuhr davon. Die Nachfrage bei der Tankstelle bestätigte noch einmal, dass er „Splitterfasernackt“ getankt hat und nicht einmal Schuhe an hatte.

An Hand des Kennzeichens konnte der Mann ausfindig gemacht werden. Eine richtige Erklärung hatte er nicht. Nun bekommt er eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses. Selbst in der Faschingszeit sind die Beamten das unerbittlich...
→ Druckversion
← zum Nachrichtenüberblick

Kommentare

04.03.2011, 15.31 Uhr
JohnK | Einfach Nacktheit kann niemals Erregung öffentl. Ärgnis sein
Nacktheit ist in Deutschland kein Verbrechen - von der Allgemeinheit wird Nacktheit und das Erregen eines öffentlichen Ärgernisses jedoch gebetsmühlenhaft auf die selbe Stufe gestellt, was auf einer tief sitzenden, juristischen Fehlvorstellung beruht. Die ist bei rechtlich unbedarften Mitbürgen ebenso wie bei unseren Polizeikräften fest verankert.

Wikipedia sagt dazu: "Die Erregung öffentlichen Ärgernisses ist in Deutschland nach § 183a StGB eine Straftat. Nach dieser Vorschrift wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt, wenn die Tat nicht in § 183 StGB (Exhibitionistische Handlungen) mit Strafe bedroht ist... Bei öffentlicher Nacktheit kann aber auch lediglich von einer „Belästigung der Allgemeinheit” ausgegangen werden. Dabei handelt es sich nur um eine Ordnungswidrigkeit (§ 118 Ordnungswidrigkeitengesetz), also nicht um eine Straftat."

Ich verwehre mich gleichzeitig gegen den juristischen Automatismus, demzufolge öffentl. Nacktheit als „Belästigung der Allgemeinheit” und damit eine Ordnungswidrigkeit angesehen wird. Zu schnelles Fahren im Straßenverkehr ist automatisch eine Ordnungswidrigkeit, es ist so in der Straßenverkehrsordnung festgehalten. Nirgendwo ist niedergeschrieben, dass öffentl. Nacktheit automatisch eine Belästigung der Allgemeinheit darstellt. Sicherlich gibt es kein Recht auf Nacktheit - immer und irgendwo. Interessanterweise ergibt sich jedoch aus der Rechtsprechung, dass Nacktheit an Gewässern ordnungsrechtlich nicht mehr von Belang ist.

Hunderttausende nackter Menschen an den sommerlichen Badegewässern und in den Ferienanlagen zeigen uns, dass es vielen Menschen ein Bedürfnis ist, zeitweilig nackt zu sein, welches von der Justiz nicht mehr erfolgt wird. Brauchen wir Wasser als Rechtfertigung, um nackt leben zu können?

Nein.

0   |  0     Login für Vote
→ Kommentar hinzufügen



Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.

 
Wir verwenden Cookies um die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren und geben hierzu Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an Partner weiter. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Impressum und der Datenschutzerklärung.