Di, 09:50 Uhr
26.11.2002
Beutestück ist zurückgekehrt
Nordhausen (nnz). Nach mehr als 50 Jahren ist jetzt das Beutestück eines US-Offiziers nach Nordhausen zurückgekehrt: Die Stadt Nordhausen hat dafür 1.000 Euro in die Vereinigten Staaten überwiesen. Wenn sie mehr wissen wollen, dann lohnt sich ein Klick auf MEHR.
Ein knapp ein Meter langes historisches Repräsentationsschwert hat das städtische Amt für Kultur, Soziales und Bildung für 1000 Euro aus den USA zurückgekauft. Zum ersten Mal ist damit ein Beutestück nach Nordhausen zurückgekommen! Das ist ein bisher einmaliger Fund, der deutlich zur Aufhellung der Stadtgeschichte beiträgt, sagte Hans-Jürgen Grönke, Denkmalpfleger im Nordhäuser Kulturamt. Noch vor Weihnachten sei das Schwert im Museum Tabakspeicher zu sehen.
Vor einigen Wochen hat uns Jörg Bauersfeld, ein ehemaliger Nordhäuser, aus Seesen angerufen: Im Internet-Portal ebay werde aus den USA ein historisches Schwert angeboten, dass offensichtlich aus Nordhausen stamme. Ob die Stadt Nordhausen nicht interessiert sei? Das waren wir natürlich. Wir haben uns sofort mit dem Bieter, Mister MacK McDonald aus Gladstone, in Verbindung gesetzt und haben das Schwert von ihm gekauft, das jetzt per Post inklusive Scheide bei uns angekommen ist, erklärte Grönke. McDonald habe gesagt, dass das Schwert von einem US-Offizier stamme, der bei der Normandie-Invasion dabei und 1945 in Nordhausen stationiert gewesen sei.
Ihrem viellieben Reyche 'Nordhusia', die Junker Otilie und Hänschen. Lenzmond 1598. steht als Inschrift auf dem unteren Teil des Schwertes. Als wir gelesen haben, dass Nordhausen erwähnt ist, haben wir sofort die Findbücher im Meyenburg-Museum durchforscht. Dort ist alles gelistet, was in den Nordhäuser Museen seit 1911 inventarisiert wurde. Die Suche war vergeblich, damit stand fest, dass das Schwert nicht aus dem Fundus, sondern aus Privatbesitz stammt. Deshalb kannten wir es auch nicht, erklärte Grönke.
Ein wichtiger Hinweis zur historischen Einordnung des Schwertes sei vom Stadtarchivar Dr. Peter Kuhlbrodt gekommen. Der hatte Zweifel, ob das auf dem Schwert vermerkte Jahr 1598 stimmt, denn das d im Schriftzug Nordhusia sei erst später üblich gewesen, ebenso wie die Monats-Bezeichnung Lenzmond (März), die erst im 19. bzw. 20. Jahrhundert verwendet worden sei, sagte der Denkmalpfleger. Dr. Kuhlbrodt habe ebenfalls darauf hingewiesen, dass in Nordhausen einmal ein Verein existiert habe, der sich Nordhusia nannte. Das war die 'Schlaraffia-Loge', eine Art Kunst-, Kultur- und Literaturverein, sagte Grönke. Im Nordhäuser Adressbuch von 1910 / 1911 sei diese Loge tatsächlich erwähnt, das Gründungdatum mit 1577 angegeben. Wir wissen aber aus der Stadt-Chronik, dass das wahre Gründungsjahr 1877 war. Rechnet man diese 300 Jahre auch zum angegeben Jahr auf dem Schwert hinzu, dann passt alles wieder, sagte Grönke.
Noch suche man nach einer Mitgliederliste dieser Loge, um Hinweise auf die Hersteller des Schwertes zu bekommen. Wir wollen wissen, wer Hans und Ottilie waren! Vielleicht weiß jemand etwas von der Schlaraffia-Loge - wir sind für jeden Hinweis dankbar, so Grönke.
Das knapp ein Meter lange Schwert habe eine Stahl-Klinge. Der Griff war vergoldet, Spuren davon sind noch zu erkennen, obwohl deutlich abgenutzt. Der Schriftzug gleich unterhalb des Griffes wurde mit Säure heraus geäzt. Die Scheide ist aus Leder, mit Samt-Stoff überzogen und trägt Zierplättchen. Die Gürtelhalterung zeigt einen Gänseschnabel. Für die von uns geschätzte Herstellungszeit war das schon was Besonderes. Wer das anfertigen ließ, war gewiss kein armer Mensch, erklärt Grönke. Das Schwert sei nie als Waffe eingesetzt worden, sondern habe der Repräsentation gedient. Das hat vielleicht - zum Beispiel bei Versammlungen ein Logen-Mitglied am Gürtel getragen, vermutet Grönke.
Autor: nnz
Ein knapp ein Meter langes historisches Repräsentationsschwert hat das städtische Amt für Kultur, Soziales und Bildung für 1000 Euro aus den USA zurückgekauft. Zum ersten Mal ist damit ein Beutestück nach Nordhausen zurückgekommen! Das ist ein bisher einmaliger Fund, der deutlich zur Aufhellung der Stadtgeschichte beiträgt, sagte Hans-Jürgen Grönke, Denkmalpfleger im Nordhäuser Kulturamt. Noch vor Weihnachten sei das Schwert im Museum Tabakspeicher zu sehen. Vor einigen Wochen hat uns Jörg Bauersfeld, ein ehemaliger Nordhäuser, aus Seesen angerufen: Im Internet-Portal ebay werde aus den USA ein historisches Schwert angeboten, dass offensichtlich aus Nordhausen stamme. Ob die Stadt Nordhausen nicht interessiert sei? Das waren wir natürlich. Wir haben uns sofort mit dem Bieter, Mister MacK McDonald aus Gladstone, in Verbindung gesetzt und haben das Schwert von ihm gekauft, das jetzt per Post inklusive Scheide bei uns angekommen ist, erklärte Grönke. McDonald habe gesagt, dass das Schwert von einem US-Offizier stamme, der bei der Normandie-Invasion dabei und 1945 in Nordhausen stationiert gewesen sei.
Ihrem viellieben Reyche 'Nordhusia', die Junker Otilie und Hänschen. Lenzmond 1598. steht als Inschrift auf dem unteren Teil des Schwertes. Als wir gelesen haben, dass Nordhausen erwähnt ist, haben wir sofort die Findbücher im Meyenburg-Museum durchforscht. Dort ist alles gelistet, was in den Nordhäuser Museen seit 1911 inventarisiert wurde. Die Suche war vergeblich, damit stand fest, dass das Schwert nicht aus dem Fundus, sondern aus Privatbesitz stammt. Deshalb kannten wir es auch nicht, erklärte Grönke.
Ein wichtiger Hinweis zur historischen Einordnung des Schwertes sei vom Stadtarchivar Dr. Peter Kuhlbrodt gekommen. Der hatte Zweifel, ob das auf dem Schwert vermerkte Jahr 1598 stimmt, denn das d im Schriftzug Nordhusia sei erst später üblich gewesen, ebenso wie die Monats-Bezeichnung Lenzmond (März), die erst im 19. bzw. 20. Jahrhundert verwendet worden sei, sagte der Denkmalpfleger. Dr. Kuhlbrodt habe ebenfalls darauf hingewiesen, dass in Nordhausen einmal ein Verein existiert habe, der sich Nordhusia nannte. Das war die 'Schlaraffia-Loge', eine Art Kunst-, Kultur- und Literaturverein, sagte Grönke. Im Nordhäuser Adressbuch von 1910 / 1911 sei diese Loge tatsächlich erwähnt, das Gründungdatum mit 1577 angegeben. Wir wissen aber aus der Stadt-Chronik, dass das wahre Gründungsjahr 1877 war. Rechnet man diese 300 Jahre auch zum angegeben Jahr auf dem Schwert hinzu, dann passt alles wieder, sagte Grönke.
Noch suche man nach einer Mitgliederliste dieser Loge, um Hinweise auf die Hersteller des Schwertes zu bekommen. Wir wollen wissen, wer Hans und Ottilie waren! Vielleicht weiß jemand etwas von der Schlaraffia-Loge - wir sind für jeden Hinweis dankbar, so Grönke.
Das knapp ein Meter lange Schwert habe eine Stahl-Klinge. Der Griff war vergoldet, Spuren davon sind noch zu erkennen, obwohl deutlich abgenutzt. Der Schriftzug gleich unterhalb des Griffes wurde mit Säure heraus geäzt. Die Scheide ist aus Leder, mit Samt-Stoff überzogen und trägt Zierplättchen. Die Gürtelhalterung zeigt einen Gänseschnabel. Für die von uns geschätzte Herstellungszeit war das schon was Besonderes. Wer das anfertigen ließ, war gewiss kein armer Mensch, erklärt Grönke. Das Schwert sei nie als Waffe eingesetzt worden, sondern habe der Repräsentation gedient. Das hat vielleicht - zum Beispiel bei Versammlungen ein Logen-Mitglied am Gürtel getragen, vermutet Grönke.


