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Do, 16:09 Uhr
26.11.2009

Sind wir nicht alle ein wenig Commons?

Was hat die Erdatmosphäre mit öffentlicher Finanzierung zu tun? Oder was verbindet die Trinkwasserversorgung mit freier Software? Was bedeutet überhaupt Commons? Die Zusammenhänge erfuhren die interessierten Zuhörer am gestrigen Abend im Hörsaal der Fachhochschule.


Eingeladen von der studentischen Initiative GoFair erläutere Silke Helfrich, Publizistin und freie Bildungsreferentin, die Idee von Gemeingütern – englisch: commons. Was sind alles commons? Commons sind überall…egal ob lokal, regional oder global. Natürliche, soziale und kulturelle Ressourcen und Prozesse wie Auen, Teiche oder auch Kulturtechniken. Aber vor allem auch eine Idee, so alt und doch stets aktuell:

Früher nutze eine Dorfgemeinschaft den angrenzenden Wald gemeinschaftlich, denn ALLE brauchten ihn für die unterschiedlichsten Bedürfnisse, er gehört niemandem und doch allen. Vor zwanzig Jahren schrieb ein Programmierer einen Code, der das Leben vieler Menschen leichter und angenehmer macht, Sie benutzen ihn sogar jetzt um diesen Artikel zu lesen: HTML.

Heute scheint das System jedoch zunehmend in Vergessenheit zu geraten:Es werden zunehmend alle Lebensbereiche vermarktet, Gewinn ist alles, Gemeinwohl nichts. Behielten Bauern früher einen Teil der Samen ihrer Ernte für die Aussaat im nächsten Jahr zurück oder tauschten es untereinander, so werden sie heute von großen Saatgutkonzernen bei Androhung von Strafe gedrängt kein Saatgut aufzubewahren oder weiterzugeben. Die Staaten machen sich zum Handlanger der Interessen weniger gegen die Bedürfnisse vieler Menschen. So kommt es das Menschen für etwas bezahlen müssen was eigentlich allen gehört.

Doch zurück zu unserem Beispiel: Warum kennen sehr viele den Namen Bill Gates und den von Tim Berners-Lee nur sehr wenige? Letzterer erkannte die Möglichkeiten seiner Entwicklung und das sie den Menschen am meisten hilft wenn sie allen frei zugänglich sein würde. Der zuerst genannte Herr zählt heute zu den reichsten Menschen auf dem Planeten. Wie hat er das gemacht? Hat der andere etwas falsch gemacht? Gates hat seinen "Wald" eingezäunt. Dann haben Menschen wie er die Kunde verbreitet das ihr Vermarktungsmodell das einzig mögliche wäre.

Doch wer schon einmal freie Software genutzt hat stellt schnell fest: Sie ist oft besser und vor allem: Vertrauenswürdig. Wissen Sie was das Betriebssystem ihres Rechners so alles macht? Warum bestimmte proprietäre Software so anfällig für Viren ist? Benutzen Sie freie Software, so können Sie im so genannten Quellcode nachsehen, diesen ihren Bedürfnissen anpassen und den Code einfach weitergeben. Mögliche Fehler können so viel schneller behoben werden.

Dies wäre zum Beispiel auch ein Zugewinn für die öffentliche Verwaltung.Statt Steuergelder für sündhaft teure Software in monopolistisch agierende Großkonzerne aus der Region abfließen zu lassen könnte freie Software hier eine sinnvolle Alternative darstellen. Die Kontrolle und die Möglichkeiten der Anpassung kann im Haus bleiben. Denn die Administratoren und Programmierer sind Arbeitsplätze und know-how vor Ort.

Geben diese ihr know-how weiter tun sie etwas für das Gemeinwohl, damit ist aber nicht die Weitergabe sensibler Daten gemeint sondern nur das know-how für deren Verarbeitung. Sicher sehr interessant ist auch das jede politische Strömung ihren eigenen Zugang zu Commons hat: Die Konservativen stehen für die Bewahrung (der Schöpfung), die Sozialisten für die Stärkung der Gemeinschaft, die Grünen für die Erhaltung einer intakten Umwelt usw. Es liegt also wieder einmal an ihnen, liebe Leserinnen und Leser, nachzudenken, ihr handeln zu überprüfen und (vielleicht) zu ändern...

Das aktuelle Buch, herausgegeben von Silke Helfrich zum kostenlosen Download

Der Blog von Silke Helfrich.

Christian Darr, GoFair
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Kommentare

26.11.2009, 16.13 Uhr
nnz Redaktion | Anmerkung der Redaktion
Die nnz-Redaktion arbeitet seit einigen Monaten mit Open Office, Thunderbird oder Google-Software. Unser Urteil: Wesentlich übersichtlicher, komfortabler und "dünner" als MS Office.

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26.11.2009, 17.12 Uhr
bseplus | Monopole
Auch ich bemühe mich, neben dem eigentlichen Betriebssystem keine weitere Software der Firma von Herrn Gates zu verwenden. Allerdings muss man dabei schon ein wenig aufpassen, nicht dem vielleicht nächsten Monopolisten (Google) auf den Leim zu gehen.

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27.11.2009, 18.25 Uhr
Okieh | Otto-Normalverbraucher kennt sich auch mit Quellcode aus
Sehr schöne Worte in dem Artikel, nur leider an der Masse vorbei. Warum gibt es für Windows in seinen versch. Versionen eigentlich die meisten Viren? Nein, nicht weil es Herr Gates so gern hätte, nein weil Windows-PC´s die am meist verbreitesten PC´s auf der Welt sind. Ein Hacker wird immer schadhafte Software, also Viren, Trojaner und der Gleichen für ein Betriebsystem entwickeln wo die Verbreitung Sinn macht. Was soll ein Hacker denn mit einem Trojaner für MacOS oder Linux etc. wenn er ein Botnet errichten will um Spam zu verbreiten. Da geht es darum so viele PC´s wie möglich zu kapern um sie für sich zu nutzen.
Nichts gegen Linux, Unix oder ähnlichen Systemen, aber meinen Opa mit 82 Jahren kann ich mir an einem Suse-PC nicht vorstellen. Mit seinem Windows XP ist er voll begeistert und beherrscht alles.
Kann es nicht einfach sein, dass Herr Gates und andere Herren, die richtige Idee mit ihrem Windows hatten. Denken sie doch einfach zurück an Windows 3.1 und dem damals verbreitetem DOS (welches ebenfalls aus dem Hause Gates war). Wer hatte den schon Lust sich durch die verschiedenen DOS Befehle zu wurschteln. Format C: ---> ist doch in der Datenträgerverwaltung viel einfacher oder Delete ---> Mausklick rechts und löschen ist mir lieber.
Ich steh auf die bunten Fensterchen. Außerdem dachte ich bis heute die Redaktion der NNZ steht auf die Äpfelchen und da hat man ja MacOS.

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28.11.2009, 00.04 Uhr
bbs81 | @Okieh
Werte(r) Okieh nur mal zum Nachdenken:

Herr Gates war nicht der Erste der einen PC mit den bunten Fenstern ausgestattet hat, sondern das war Apple mit Macintosh. Also so viel zur "besseren Idee".

Wenn sie sich mal die Zeit nehmen würden und sich die letzten Suse-Distributionen anschauen würden, dann würden sie merken, dass diese auch sehr komfortabel sind. Sie stehen auf bunten Fensterchen? Das haben andere auch!
Wenn ihr Opa mit Win XP zurecht kommt, dann schafft er es auch mit Suse.

Warum ist denn Windows so sehr verbreitet? Weil sie heute kaum einen PC bekommen, bei dem Windows nicht bereits vorinstalliert ist. Der Otto Normalverbraucher hat meistens nur nicht die Kenntnisse oder den Willen ein anderes BS zu benutzen. Außerdem hat Windows - oder anderes gesagt Microsoft Software - zu viele Inkompatibilitäten mit andere Software, was ja letztlich auch gewollt ist, denn man will ja Marktführer bleiben.

Wenn sie anstatt MS-Software Opensource Software benutzen können sie alleine nur beim Betriebssystem und Bürosoftware mal eben locker 300 EUR einsparen (in den einfachsten Versionen).

Über die Frage der Sicherheit lasse ich mich jetzt mal nicht aus, dass könnte sonst länger dauern, und eigentlich haben sie ja bereits die Antwort gegeben. ;-)

Der Artikel bringt eigentlich nur zum Ausdruck, dass man ruhig mal über den gewohnten Microsoft-Tellerrand hinaus schauen sollte, es wird ihr Schaden nicht sein!

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30.11.2009, 14.21 Uhr
Flitzpiepe | @alle
Fangt hier bitte keine Grundsatzdiskussion über das bessere BS an. Das bringt nichts. Es ist nun mal in dieser Gesellschaft so, dass in der Regel nicht das bessere Produkt ausschlaggebend für Erfolg ist sondern das bessere Marketing. Und da macht (noch) keiner Micro$oft was vor. Und wenn doch wird diese Firma auch gleich beängstigend in ihrer Marktmacht (Google, Apple,...).

Auf der anderen Seite kann OpenSource auch nicht der Heilsbringer sein, da ja eine Softwarefirma auch irgendwie Geld erwirtschaften muss, um ihre Entwickler zu bezahlen. Es würden doch die wenigsten für Beratung für eine kostenlose Software bezahlen. Entweder die Software ist so gut, dass keine Beratung notwendig ist, oder man sucht sich ne andere SW. Da nutzt es auch nichts, dass man den Quellcode hat, den würden doch eh nur die wenigsten verstehen.

Und wenn der OpenSource Entwickler keine Zeit oder keine Lust mehr hat, weiter zu entwickeln oder Fehler zu beheben, steht man im Regen. Bei einer käuflichen SW ist die Erwartungshaltung für Stabilität und Support eine ganz andere. Ob die immer erfüllt wird, ist eine ganz andere Frage.
Privat versuche ich schon so viel wie möglich OpenSource einzusetzen. Das klappt beruflich aber fast gar nicht, denn es scheitert meist an den Lizenzbedingungen.

Dass der Opa von Okieh mit OpenSuSE zurecht kommen würde, bezweifle ich stark. Spätestens beim ersten Problem, das einen Eingriff über die Konsole notwendig macht, wäre fremde Hilfe notwendig.

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