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So, 15:35 Uhr
19.07.2009

„Warum in die Ferne schweifen,...“

Am Samstag, dem 25. Juli, werden ab 14. 30 Uhr in der „Dichterstätte Sarah Kirsch“ zwei Poeten vorgestellt, die nicht weit entfernt von diesem Dörfchen ihre Gedichte geschrieben haben: Leopold Friedrich Günther Goeckingk (1748-1828) in Ellrich, und Christiane vom Hagen (1760-1794) in Stöckey, zwei Poeten der Aufklärung. Ein Beitrag von Heidelore Kneffel.


Was kein andre haben mag, Blumen, Moose, Schwämm und Kräuter, / Gibst du, Harz, mir Tag für Tag ... (L. F. G Goeckingk)
Bei Ellrich liegt die Höhle, rings / Umschirmt vom dunklen Haine ./ Gebüsch bekränzt sie rechts und links / Ruh’n grünbemooste Steine ... (Christiane vom Hagen)

L. F. G Goeckingk (Foto: Archiv Kisker) Diese Verszeilen zeigen, dass die beiden Poeten der Landschaft, in der sie lebten, verbunden waren. Sie kannten sich gut und Christiane vom Hagen betrachtete Goeckingk als einen ihrer Lehrer. Dieser veröffentlichte ihre Gedichte in dem von ihm mit Johann Heinrich Voß in Göttingen herausgegebenen Musenalmanach der Jahre 1780 bis 1784. Man besuchte sich gegenseitig auf dem Gut der Familie vom Hagen in Stöckey, das nicht mehr steht, und in Ellrich oder im „Neuen Haus“ bei Cleysingen, wo Goecking mit seiner Familie abwechselnd lebte. Das nahe gelegene Naturdenkmal „Kelle“ besang jeder von ihnen in einer Ballade.

Beide kannten den in Halberstadt lebenden Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim, der sein Haus nahe des Domes zu einem Freundschaftstempel gestaltete. Noch heute kann man in den Räumen des Gleim- Museums die zahlreichen Porträts der damals berühmten Dichter und Dichterinnen der Aufklärung sehen, darunter das von Goeckingk. In der Bibliothek des Hauses befindet sich auch der Gedichtband der Christiane vom Hagen, der 1784 in Wernigerode gedruckt wurde.

Neues Haus (Foto: Kneffel) Mit dem Erlös des Buches wollte sie in Stöckey ein Rosenfest aus der Taufe heben, bei dem alljährlich ein vorbildliches junges Mädchen des Ortes geehrt werden sollte. Anregung dafür waren ähnliche Feste in Frankreich. Wie das Vorhaben ausging, erfährt man in Limlingerode, Stöckey benachbart, das der Dichterin sehr gefiel und sie deshalb auch in Versen lobte.

Henriette Ernestine Christiane vom Hagen entstammte einer in der Grafschaft Hohnstein hochangesehenen, vielseitig gebildeten Familie. Darüber wird in der „Dichterstätte“ informiert. Sie selbst zeichnete, aquarellierte, dichtete, musizierte, gärtnerte. Ihre Dichtung singt vom Alltag, von Freuden, vom Kummer, vom Frohsinn, von der Trauer. Sie philosophiert darüber, was das Leben ausmachen sollte, auch in Balladen und Episteln. Nach dem Wegzug der Familie aus Stöckey war sie Oberhofmeisterin bei der Fürstin von Waldeck und mit einem Offizier Karl von Gild(t)en verheiratet. Wie viele ihrer Zeitgenossinnen starb sie bei der Geburt eines Kindes. Sie war vierunddreißig Jahre.

Leopold Friedrich Günther Goeckingk erhielt seine gelehrte Bildung an der Domschule in Halberstadt, wo er mit Gleim in Verbindung stand, und am Pädagogikum in Halle, wo Gottfried August Bürger sein Freund wurde. Seit 1770 war er in Ellrich als Kanzleidirektor sehr rührig, wo er sechszehn Jahre verblieb. Damals entstanden viele seiner besten dichterischen Schöpfungen, und das „Neue Haus“ unweit von Ellrich wurde ein Treffpunkt der geistigen Elite. Weitere Lebensstationen waren Magdeburg, Wernigerode und Berlin. Er starb in Groß-Wartenberg (Sycow) in Schlesien.


Mit den „Liedern zweier Liebenden“, so manchem Sinngedicht, so mancher Epistel, so mancher Ballade, so manchem Prosastück ist er bis heute in Literaturkreisen bekannt. Die genannten Liebesgedichte entstanden aus der Zuneigung zu einer Nordhäuserin, die 1775 seine Frau wurde. Darüber und über noch manch’ anderes interessante Geschehen wird man am 25. Juli in Limlingeode aufgeklärt. Also, „Warum in die Ferne schweifen, sieh, das Holde liegt so nah!“

In der HausART sind Grafiken von Horst Peter Meyer aus Weimar ausgestellt unter dem Titel: VERSTÄNDNIS DER NACHT Faltbögen. Texte. Blätter zur Literatur.
Heidelore Kneffel
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