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Mi, 07:00 Uhr
21.11.2007

Jubiläum einer Legende

Nordhausen (nnz). Fußball in Nordhausen war lange Zeit die BSG Motor. Und diese BSG Motor prägte lange Zeit ein Name, der noch heute die Herzen der älteren Fans höher schlagen läßt. Klaus Verkouter begab sich auf die Suche und würdigt einen außergewöhnlichen Jubilar.


Willing (Foto: Archiv Verkouter) Willing (Foto: Archiv Verkouter) Da kommt ein 18-jähriger junger Mann, dessen Fußballbegabung schon früh sichtbar wurde, aus Ammendorf bei Halle nach Nordhausen, gehört wegen seiner überdurchschnittlichen technischen Talente zum Kader der DDR-Nachwuchsauswahl und der Bezirksauswahl Erfurt und erlebt bei seinen ersten beiden Auftritten für Motor West Anfang Juli 1956 gleich zwei 1:5-Niederlagen bei Motor Warnowwerft Warnemünde und gegen den sowjetischen Armeesportklub Wünsdorf. Auch im nächsten Spiel beim SC Empor Rostock wurde trotz seines ersten Torerfolges für den neuen Verein 2:3 verloren. Bis zum September gab es kein Erfolgserlebnis für seine neue Mannschaft und am Saisonende stand der Abstieg aus der 1. DDR-Liga. Was mag Manfred Willing da wohl gedacht haben? Keiner außer ihm weiß das.

Die Besten (Foto: Archiv Verkouter) Die Besten (Foto: Archiv Verkouter)
Willing (hinten 3.v.l.) in der besten Nordhäuser Mannschaft 1970

Wir wissen aber, dass sein Schritt nach Nordhausen für die Südharzer über einen sehr langen Zeitraum hin ein absoluter Volltreffer war. Schon im Jahr 1957 gehörte er zu den gefürchtetsten Torjägern der 2. DDR-Liga. In der Aufstiegssaison 1961/62 erzielte er als Torschützenkönig 29 Treffer. Daran sollte sich so schnell auch nichts ändern. Kaum ein Pressebericht war zu lesen, in dem er nicht für seine Spielübersicht und saubere Ballbehandlung lobend erwähnt wurde. Oft wunderten sich die Zuschauer über seine saubere Hose, selbst in heiß umkämpften Spielen. Manfred aber war kein Grätscher, er hatte es gar nicht nötig, sich in überflüssige, aufreibende Zweikämpfe einzulassen. Mit seiner filigranen Technik und dem vorausschauenden Erahnen von Spielsituationen war er zumeist ein, zwei Schritte vom Gegner entfernt und konnte urplötzlich zum gefürchteten Torschuss ansetzen oder einen Mitspieler in eine günstige Position bringen. Logisch, dass Oberligavereine bei ihm anklopften. Ein Jahr beim Erstligisten Chemie Zeitz reichten ihm aber, um wieder zu Motor West zu finden.

Oft schnalzten die Fans mit der Zunge, wenn Manfred zu Freistößen antrat und das Leder mit dem Außenrist und viel Effet an der Abwehr vorbei ins Netz schlenzte. Unvergessen sind auch seine direkt verwandelten Eckbälle oder Treffer aus unmöglichem Winkel. Das war schon etwas für verwöhnte Feinschmecker. 1963 erhielt er für seine Verdienste und Erfolge in der Mannschaft die Ehrennadel in Silber überreicht. Manfred Willing war später bei Motor West, der größten Sportgemeinschaft des Kreises Nordhausen, Geschäftsführer und engagierte sich im Fußball-Stützpunkt für den Nachwuchs. 1965 konnte er als Übungsleiter den Vize-DDR-Meistertitel nach Nordhausen holen. Selbst als er in „reiferen“ Jahren in der zweiten oder dritten Mannschaft, egal auf welcher Position, oder als Mannschafts- oder Nachwuchsleiter gebraucht wurde, stand Sportfreund Willing seinen Mann.

Nach der offiziellen Beendigung seiner aktiven Laufbahn 1971 wurde er aber wieder gerufen, war gleich im ersten Spiel einer der Besten und trug mit einem unnachahmlichen Eckballtor zum Sieg bei. 1972 übernahm er in einer schwierigen Lage für drei Jahre selbst die Geschicke als Trainer der ersten Mannschaft, stelle sich sogar noch bis zum November 1974 auf und schoss fleißig weiter seine Tore. Eine solche positive Fußballvernarrtheit muss man erst einmal wieder finden.

Was für eine Bilanz: über 700 Einsätze für die Männermannschaften von Motor West und rund 300 Tore keiner im Verein kam auch nur annähernd an ihn heran.

Nach der Wende setzte er seine Kraft weiter für Wacker Nordhausen ein, sei es bei der Knüpfung von Verbindungen zu Sponsoren oder in der Geschäftsführung beim harten Kampf für die Lizenzerteilung, bis sein Gesundheitszustand ihn zwang, kürzer zu treten.

Lieber Manfred, das Präsidium und alle Wackerfreunde gratulieren dir zum 70. Geburtstag, danken für die vielen Jahre deines Einsatzes für unseren Verein und wünschen für die Zukunft vor allem Gesundheit.
Klaus Verkouter
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