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Fr, 13:24 Uhr
26.10.2007

Das Letzte

Nordhausen (nnz). Es war heute Vormittag so etwas wie eine Mischung aus Freude und Schmerz, Stolz und Trauer in der riesigen Produktionshalle der Bike Systems GmbH. Die nnz war dabei, als das „Strike Bike“ mit der Nummer 1.805 vom dann leeren Band genommen wurde.

Das Letzte (Foto: nnz)
Noch einmal wird der knallrote Rahmen aufgebockt. Es ist der letzte der Strike-Bike-Aktion. Ob es das letzte jemals in Nordhausen gebaute Fahrrad ist, diese Frage muss noch beantwortet werden. Der Rahmen, der letzte, unterscheidet sich von seinen Vorgängern. Er trägt die Namen der über 130 Mitarbeiter, die 109 Tage ihren Betrieb, der ihnen nicht gehört, besetzten und am Ende noch einmal rote Flitzer zusammenschraubten. Das ist er, der Stolz, viereinhalb Tage lang auch die Freude zu zeigen, dass „wir es noch können“.

Trauerflor (Foto: nnz)
Der Rahmen wird allerdings auch geziert von zwei schwarzen Schleifen, davor liegt ein großes Holzkreuz mit einer riesigen Lone-Star-Heuschrecke. All das ist Ausdruck der Trauer, der Wut und des Schmerzes darüber, dass 135 Frauen und Männer von einem Tag auf den anderen ihren Job verloren, nur weil ein emotionsloser Finanzinvestor seine Rendite um ein paar Prozentpunkte nach oben schrauben wollte. Doch ohnmächtig wollten sie nicht sein, die Heidrun Kirchner, die Ute Pauly, der Andrè Kegel. Sie hielten durch, 109 Tage lang, trotzten der Hitze, dem Regen, den kalten Nächten, freuten sich über jedes Hupkonzert auf der Freiherr-vom-Stein-Straße in Nordhausen.

Jetzt ist Schluß, vorläufig. In der kommenden Woche werden die Fahrradbauer auf der Schulbank im BIC Nordthüringen sitzen. Ihre Profile sind bereits ermittelt worden. Sie werden ausgebildet, zum Schweißer, zu Anlagenbauer, zum Dreher, zur Bürokauffrau. Gibt es für sie dann auch eine Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt?

Inzwischen werden noch einige Interessenten nach Nordhausen kommen. Heute Nachmittag hat sich eine weitere Delegation angesagt, die nächsten, so hat es die nnz erfahren, kommen in der nächsten Woche. Kommen, schauen, fahren wieder weg, warten ab. Bis der Wert des Unternehmens gesunken ist, bis keine alten Verbindlichkeiten mehr übernommen werden müssen. Oder sie winken gänzlich ab.

Die Spanne der Optionen ist groß, ob es eine versöhnliche Lösung (außer der Transfermaßnahme ab dem 1. November) geben wird? Niemand kennt die Antwort. Vorerst.
Peter-Stefan Greiner
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