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Mi, 08:00 Uhr
11.02.2026
Heute Entscheidung im Stadtrat

Kommt der Bauturbo doch?

Der Stadtrat von Nordhausen entscheidet am heutigen Mittwoch über den sogenannten Bauturbo. Dieser war von der Bundesregierung beschlossen worden, um in Ballungszentren rasch auf den Wohnungsmangel reagieren zu können. Kommt dieser nun auch in Nordhausen, soll er aber so stark reguliert werden, dass der Turbo eher verpufft...

Seelano im Wintermodus.  (Foto: ssc) Seelano im Wintermodus. (Foto: ssc)

Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung vorgesehen, dem Stadtrat einen Grundsatzbeschluss vorzulegen, wonach der Bauturbo in Nordhausen nicht angewendet werden soll. Dieser Tagesordnungspunkt soll aber abgesetzt werden. Stattdessen soll nun doch über die Einführung des Bauturbos abgestimmt werden, allerdings nur unter sehr konkreten Leitlinien. Diese Variante hatte schon im Stadtentwicklungsausschuss keine Mehrheit gefunden. Die Kritik: Durch diese Leitlinien verpuffe der eigentliche Beschleunigungseffekt für Wohnungsbau nahezu vollständig.

Für Bauunternehmer Axel Heck ist klar: „Der Bauturbo wäre eine Entbürokratisierung und müsste unbedingt auch in Nordhausen angewendet werden.“ Seiner Meinung nach brauche man den Bauturbo in Nordhausen nicht in erster Linie für sozialen Wohnungsbau. "Plattenbaugebiete haben wir ausreichend", sagt Heck. Den Bauturbo brauche es vor allem für hochwertigen Wohnraum. Davon gebe es in Nordhausen viel zu wenig. Dass es dringend weniger Bürokratie benötige, zeige das Beispiel seines Ferienhausgebietes „Seelano“ am Sundhäuser See. Seit fünf Jahren existiere ein Stadtratsbeschluss zur Umwidmung des Ferienhausgebiets in ein Mischgebiet für Wohnen, Ferienhäuser, Camping und Erholung. Umgesetzt worden sei dieser Beschluss bislang nicht, weil der Flächennutzungsplan noch nicht geändert worden ist.

Gerade der Bedarf für hochwertigen Wohnraum sei in Nordhausen hoch. Von den knapp 50 Häusern, die in Seelano bisher gebaut worden sind, gehören 27 davon Familien, die extra nach Nordhausen gezogen sind. Momentan gilt das Areal aber noch als Ferienhausgebiet - dauerhaft wohnen darf man dort eigentlich nicht.

Auch die CDU wird einen Antrag einbringen, wonach der Bauturbo uneingeschränkt angewendet werden soll.

Was ist der Bauturbo?
Der Bauturbo ist Teil einer Neuregelung im Baugesetzbuch. Mit dem neuen Paragrafen § 246e soll für einen Zeitraum von fünf Jahren von bestehenden bauplanungsrechtlichen Vorschriften abgewichen werden können. Kommunen, die den Bauturbo anwenden, könnten zusätzliche Wohnungen bereits nach einer dreimonatigen Prüfung zulassen. Bebauungspläne müssten dafür weder neu aufgestellt noch geändert werden. Lehnt eine Kommune einen Bauantrag nicht innerhalb von drei Monaten ab, gilt dieser als genehmigt.

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Nachverdichtung soll so vereinfacht, Wohnungsbau im Außenbereich erleichtert werden. Innovative Lärmschutzlösungen könnten künftig mehr Wohnbebauung in der Nähe von Gewerbegebieten ermöglichen. Zudem soll der Schutz von Mietwohnungen in angespannten Wohnungsmärkten vor der Umwandlung in Eigentumswohnungen um weitere fünf Jahre verlängert werden. Der Bauturbo ist bis Ende 2030 befristet.

Stadt sieht keinen akuten Handlungsdruck
Aus Sicht der Stadtverwaltung sprechen die Bevölkerungszahlen eher gegen einen uneingeschränkten Einsatz des Bauturbos. Der Wohnungsmarktbericht 2023 sowie die zweite Gemeindebevölkerungsvorausberechnung für Thüringen zeigen, dass Nordhausen keinen angespannten Wohnungsmarkt habe. Hinzu komme die erwartete Rückgang der Bevölkerung: Demnach wird die Einwohnerzahl von aktuell rund 40.700 bis zum Jahr 2045 um etwa 8.300 Menschen sinken. Selbst wenn die Zahl der Haushalte langsamer zurückgeht, sei mittelfristig wieder mit erheblichem Wohnungsleerstand zu rechnen. Vielmehr solle sich auch weiterhin am ISEK, dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept, orientiert werden.

Bauturbo nur unter strengen Leitlinien
Um dennoch eine gezielte und kontrollierte Anwendung zu ermöglichen, soll der Bauturbo in Nordhausen nur unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden. Künftig sollen Bauvorhaben eine Reihe von Leitlinien erfüllen. Ziel sei es, städtebauliche Fehlentwicklungen zu vermeiden und eine Gleichbehandlung sicherzustellen.
Zu diesen Leitlinien zählen unter anderem:
  • Bauvorhaben sollen bestehenden Konzepten wie dem Flächennutzungsplan, dem Stadtentwicklungskonzept oder dem Klimaschutzkonzept entsprechen.
  • Orientierungswerte zum Maß der baulichen Nutzung sind einzuhalten.
  • Der Bauturbo soll ausschließlich im sogenannten Innenbereich der Gemeinde angewendet werden.
  • Die Flächen müssen bereits erschlossen sein.
  • Um Nutzungskonflikte zu vermeiden, soll hinsichtlich der Nutzungsart nicht von Bebauungsplänen oder faktischen Baugebieten abgewichen werden können.
  • Sind öffentliche Interessen oder die von Nachbarn in besonderem Maß berührt, soll die Öffentlichkeit vor einer Entscheidung beteiligt werden.

Alle Leitlinien gelten gleichrangig, eine Gewichtung ist nicht vorgesehen. Kritiker bemängeln, dass damit weiterhin umfangreiche Prüfungen notwendig seien und genau das vermieden werde, was der Bauturbo eigentlich leisten soll: schnelle Entscheidungen.

Geprüft werden könnte laut Stadt der Einsatz des Bauturbos unter anderem für Brachen und Baulücken im Altendorfer Kirchviertel, an der Nordseite der Bäckerstraße, am Blasiikirchplatz, in der Blasiistraße, auf dem ehemaligen Gaswerksgelände in der Geseniusstraße sowie in Einzelfällen an den Siedlungsrändern.
Susanne Schedwill
Autor: ssc

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Kommentare
Filzstift und Lineal
11.02.2026, 08:09 Uhr
Es geht einzig und allein um Seelano und das "Nordhäuser System"
Es geht bei dieser Diskussion einzig und allein um die "Überholspur" für Besserverdiener, schnell ihre Immobilien zu legalisieren und so eine ungeheure Wertsteigerung einzufahren. Proftieren würden dabei auch städtische Mitarbeiter, die dort ein "Ferien"grundstück haben, aber 24/7 dort seit Jahren wohnen.
Flitzpiepe
11.02.2026, 08:53 Uhr
Wie kommt ein Herr Heck
auf den Gedanken, dass sozialer Wohnungsbau in Nordhausen unnötig ist und hochwertiger Wohnraum in Nordhausen fehlt?
Sieht er vor € Zeichen in seinen Augen nichts mehr?
mabe39
11.02.2026, 09:47 Uhr
Zum Titel
Egal um welche Art von Wohnraum ,es geht doch um den Turbo.(beschleunigtes Genehmigungsverfahren)Herr Heck bringt nur ein Beispiel von Seelano wo es schon 5 Jahren Stillstand gibt.
Gibt es keinen hochwertigen Wohnraum in NDH ,kann man auch das Industriegebiet ganz abschreiben
Ich sehe das so,in der Stadtverwaltung kleben alle an ihren Sesseln.Deswegen sagt man auch;BEAMTE nutzen keine Tempotaschentücher weil TEMPOdrauf Steht.
Mir ist bewußt das jetzt wieder Daumen nach unten kommen,aber die kommen von den Mitarbeitern aus der Stadt
diskobolos
11.02.2026, 10:06 Uhr
Einem Unternehmer vorzuwerfen, Geld verdienen zu wollen,
ist unklug, Flitzpiepe.
Herr Heck weiß sicherlich gut, wie die finanziell unterlegte Nachfrage nach nochwertigem Wohnraum in NDH ist.

Sie sollten bei Ihrer Kritik zwei Sachen bedenken.

1) Die Stadt verliert Jahr für Jahr ca. 400 Einwohner. Da werden auch viele preisgünstige Wohnungen frei.

2) Jeder, der eine teure Wohnung kauft/mietet fällt als Nachfrager der nächsten Kategorie aus.

Die Vorstellung, man könne heute Neubauten zu Mieten von gestern anbieten halte ich für eine Illusion. Wer sollte Ihrer Meinung nach dafür die Finanzierung übernehmen?
Honsteiner
11.02.2026, 14:46 Uhr
Es fehlen hochwertige Wohnungen
In den nächsten Jahren werden zahlreiche Plattenbauten-Wohnungen leer stehen. Hier wird der soziale Wohnungsbau aktiv, indem die Blöcke verkleinert werden und sanierte Wohnungen entstehen. In Nordhausen fehlen hochpreisige Wohnungen an exponierten Lagen. Das hat damals auch schon FeuerPower erkannt und baute am Kiessee "Betriebswohnungen", sonst wären bestimmte Mitarbeiter gar nicht gekommen. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass man damals irgendwie gegen die "Betriebswohnungen" und die später hinzugekommenen Blöcke protestierte. Hier wird einseitig eine Neiddebatte aufgemacht, für einen Investor dem die Seen an denen er baut auch gehören.
In den nächsten Jahren wird der Strukturwandel auch Nordhausen erreichen, und da kann man am ende froh sein, wenn hier Leute wohnen die auch hier Steuern zahlen. Ich wohne seit 20 Jahren im Landkreis, weil meine Gemeinde qualitativen Wohnungsbau zuließ.
Wanderwölfin
11.02.2026, 16:27 Uhr
Bauturbo
Weshalb sollen Menschen mit Wohnberechtigungsschein mit gut verdienenden zusammen wohnen ?
Jäger53
11.02.2026, 16:35 Uhr
Bauturbo
Wenn ein sogenannter Bauturbo in NDH kommen würde, währe er so wie so abgespeckt. Außerdem macht Herr Heck und ein paar Mitstreiter sowieso was Sie wollen. Egal was für Kommentare geschrieben werden. Ich denke an das Wort Narrenfreiheit.
RWE
11.02.2026, 17:19 Uhr
mabe39 von mir gibt es "Daumen hoch"!
Mag ja sein, dass wir in 10 Jahren mehr Leerstand haben. Aber wenn ein privater Unternehmer das Risiko trägt... Soll er doch machen.
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