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Fr, 16:00 Uhr
18.10.2024
Es geht doch:

"Bock" auf Ausbildung in Deutschland

Die Medien - ob altbacken gedruckt oder digital - sind “voll” von Meldungen über den Arbeitsmarkt, den Ausbildungsmarkt oder über die Diskrepanz zwischen Lehrstellen und scheinbar ausbildungsunwilligen jungen Menschen. Es gibt aber auch die andere Seite, auch in Nordhausen…

Von links: Peter Herbst, Ariuntsetseg Enkhbaatar, Zolzaya Munkhgerel, Trutz Winter (Foto: VR-Bank) Von links: Peter Herbst, Ariuntsetseg Enkhbaatar, Zolzaya Munkhgerel, Trutz Winter (Foto: VR-Bank)
Diese andere Seite begann im rund 7.800 Kilometer entfernten Ulaanbaatar, besser bekannt als Ulan Bator, in der Hauptstadt der Mongolei. Dorthin verschlug es in diesem Frühjahr eine Delegation, der Mitglieder des Firmenausbildungsverbundes (FAV) und der Erfurter Industrie- und Handelskammer (IHK) angehörten.

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Mit dabei auch der Nordhäuser Unternehmer Ulrich Schlegel, der neben seinem Job als Inhaber des gleichnamigen Dämmstoffhandels ehrenamtlich als Vizepräsident der IHK “unterwegs” ist. Schlegel treibt wie viele andere Menschen in der Wirtschaft das Problem des Fachkräftemangels um. Noch immer gibt es in Deutschland, in Thüringen und auch im Landkreis Nordhausen mehr freie Ausbildungsstellen als interessierte Bewerber.

Entsprechend hoch ist die Affinität der Firmen hinsichtlich neuer Wege, um wenigstens einen Teil der Lücke schließen zu können. Wie oben geschrieben,einer dieser Wege führte eine gemeinsame Delegation von FAV und IHK in die Mongolei, nach Kasachstan und Kirgisistan. Die ist vor allem den Menschen mit DDR-Vergangenheit nicht ganz unbekannt, und bekanntlich nutzen Beziehungen dem nicht, der keine hat. Eine private Verbindung gab es also und in der Mongolei war man gespannt auf den deutschen Besuch.

“Der wurde in dem zentralasiatischen Land professionell vorbereitet”, berichtet Ulrich Schlegel im Gespräch mit der nnz und konstatierte, dass die jungen Menschen, die sich für eine Ausbildung in Deutschland interessierten, ein Höchstmaß an Motivation mitbrachten. Und wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein Weg. Für 32 junge Frauen und Männer aus den 3 zentralasiatischen Ländern endete der Weg erst einmal Ende August in Thüringen, im Bereich der IHK Erfurt. In einigen Unternehmen und unterschiedlichen Ausbildungsberufen begannen die jungen Leute ihre Berufsausbildung.

Das “Azubiteam” hatte sich in seiner Heimat auf die Ausbildung in Thüringen vorbereitet. Unter anderem hatten alle die Sprachprüfung B2 bestanden, attestiert vom Goethe Institut vor Ort. Übrigens: die Eltern der jungen Leute mussten die Vorbereitung ihrer Kinder mit rund 4.000 Euro bezahlen - in etwa der durchschnittliche Jahresverdienst in der Mongolei. Und: die ausgestellten Visa für den Aufenthalt in Deutschland sind an einen Ausbildungsvertrag gebunden. Wirft der Azubis die Ausbildung hin, steht unmittelbar der Rückflug an. Diesen “Druck” muss man sich mal für “deutsche Azubis” vorstellen…

Zwei der jungen Mongolen haben jedenfalls in Nordhausen ihre - hoffentlich - nicht nur temporäre Heimat gefunden, ihre Ausbildungsplätze befinden sich in der Nordthüringer Volksbank, die jetzt “VR Bank in Thüringen” heißt. Dort freut man sich über das Interesse der Mongolinnen, die kaum Sprachschwierigkeiten, dafür einen exzellenten Ausbildungswillen mitgebracht haben, der auch Volksbank-Chef Peter Herbst nicht verborgen. „Wir haben in den den ersten Wochen zwei überaus motivierte und sehr freundliche Auszubildende in unserer Bank kennenlernen dürfen. Wir freuen uns, dass wir ihnen neben den fachlichen Grundlagen auch viele methodische Fertigkeiten und erste Einblicke in unser kulturelles Zusammenleben übermitteln können“.

Im Gespräch mit Schlegel bemerkt man dessen Sympathie für das ferne Land. Für die Menschen, ihre Einstellung zum Leben, zur Arbeit, zur Schule. “Wir in Deutschland sollten uns mehr für die Ausbildung von jungen Leuten aus der Mongolei, aber auch aus Kasachstan oder Kirgisistan engagieren. Dort sieht die Alterspyramide nicht so problematisch aus wie in Deutschland. Doch leider ist die Resonanz auf unsere Vermittlungsbemühungen nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Es ist schwierig, Unternehmen zu finden”, resümiert der Nordhäuser Unternehmer.

Als Beispiel führt er an, “dass zusätzlich zu den 32 jungen Leuten beispielsweise noch gerne 15 potentielle Azubis eine Ausbildung in einem Pflegeberuf begonnen hätten. Man glaubt es kaum, aber es fand sich trotz aller Bemühungen kein Ausbildungsbetrieb. Da hoffe ich im kommenden Ausbildungsjahr auf eine deutlich stärkere Resonanz“, sagt Ulrich Schlegel abschließend.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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